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Ilf, Antrag auf Abänderung der Satzungen und zwar soll
§ 33 folgende Fassung erhalten: Der Geschäftsführer wird vom
Vorstande und dem Ausschüsse, alle übrigen Hülfskräfte vom
Vorstande allein augestellt u. s. w.
B egründung:
Oie Erfahrungen, welche mit dem letzten Geschäftsführer ge¬
macht worden sind, lassen es rathsam erscheinen, dass neben
dem Vorstande auch dem Ausschüsse die Anstellung des Geschäfts¬
führers obliegt, weil ein grösserer Kreis besser über die Ver¬
gangenheit eines Mannes und die Tauglichkeit desselben unter¬
teiltet ist. Der Geschäftsführer ist diejenige Person, welche die
Verbandsgeschäfte führt, und an diese Stelle gehört ein Manu,
•wie ihn der Vorstand und Ausschuss würdig finden.
IV. Die Hauptversammlung wolle erwägen und event. be¬
schlossen : die Kessellieferanten durch die Behörde zu verpflichten,
ihre zu verkaufenden Wasserbeizkessel vor deren Versand durch
•einen vereideten Ingenieur auf Druckwiderstand prüfen za lassen.
Begründung:
Die mitunter trostlosen Erfahrungen, welche die Handels¬
gärtner beim Bezug von Wasserheizkesseln gemacht haben, lassen
es geboten erscheinen, dass der Verband zu erreichen sucht, einen
behördlichen Schutz gewissenlosen Kesselfabrikanten gegenüber
zu erlangen. Bei Lieferungen von Waaren, deren Werth augen¬
scheinlich zu erkennen ist; steht dem Empfänger das Hecht der
Reclamation und Beanstandung zu. An einem Kessel lassen sich
Regel erst beim Gebrauch. Wenn nun’auch der ^Lieferant eine
Garantie übernimmt, so hat der Gärtner durch eine eventuelle
Betriebsstörung in der Regel einen weit grösseren Schaden als
der Lieferant durch die auszufübrende Reparatur.
Anträge der Doppelgruppe Grossherzogthum
Hessen und Hessen-Nassau. I. Die Hauptversammlung
wolle beschlossen: dass der Verband der Haudelsgärtner Deutsch¬
lands eine hohe Regierung ersucht, als Baum wärter möglichst Dur
gärtnerisch vorgebildete Leute anzustellen und diese in einem
Baumwärtercursus noch besonders mit ihren Obliegenheiten be¬
kannt machen zu lassen, bei nicht gärtnerisch vorgebildeten
Leuten jedoch eine ömonatliche Ausbildung für Banmwärter zu
verlangen.
Begründung:
Der Obstbau muss auf jede mögliche Weise gefördert werden,
da die Millionen, welche alljährlich für Obst und Obsterzeugnisse
ins Ausland wandern, sehr wobl dem Reiche erhalten werden
können, wenn die Kenntniss einer rationellen Obstbaumpflege
Allgemeingut namentlich der ländlichen Bevölkerung wird, ln
erster Linie sind die Baumwärter berufen, hier bahnbrechend
zu wirken und durch Anlage und Instandhaltung mustergiltiger
Baumpflanzungen das Interesse für den Obstbau zu fördern.
Leider ist vielfach das Gegentheil der Fall, indem Leute, welche
ohne jede Vorkenntuiss in 6 Wochen zu Baumwärtern ausgebil¬
det wurden, in keiner Weise den zu stellenden Anforderungen
genügen und entweder durch verfehlte Anpflanzungen oder un¬
rationelle Behandlung der Bäume, meistens sogar durch beides,
eher abschreckend als anregend auf ihren Bezirk wirken.
Die Gemeinden sind verpflichtet, die Ausbildung der Baum¬
wärter auf eigene Kosten zu bewirken, durch Annahme des
obigen Antrages würden die Gemeinden daher veranlasst, in
erster Linie einen Gärtner zu suchen, welcher in 4—6 Wochen
genügend für seinen Posten vorbereitet ist, während die Ausbil¬
dung eines Laien 6 Monate erfordert. Auf diese Weise würde
es unbemittelten älteren Gehilfen leicht gemacht, einen solchen
Posten zu erhalten, was im Interesse eines gedeihlichen Gärtner-
gehilfen-Standes ausserdem freudig zu begrüben wäre.
II. Die Hauptversammlung wolle den Vorstand ersuchen:
bei der Regierung vorstellig zu werden, dass die Gemeinden
Uiunlichst ihren Bedarf an Obstbäumen im Inland decken, und
solches bei Gewährung eurer Geldbeihilfe seitens des Staates zur
Bedingung machen.
Begründung:
Es ist vielfach vorgekommen, dass die Gemeinden ihren Be¬
darf an Obstbäumen in Luxemburg und Holland deckten und so
das Reich nnd diejsteueizahlendeu Gärtner ohne Gruud schädigten,
da Bäume in guter Beschaffenheit im Inland preiswerth zu haben
III. Die Hauptversammlung wolle beschlossen: dass künftig¬
hin bei dem Eitheilen von Werthzeugnissen durch den Verband
eine grössere Vorsicht gebraucht werde und dass die Beobach¬
tung der zu beurtheilenden Pflanzen und Gegenstände seitens der
Prüfungscommission während der Dauer eines Jahres zu ge¬
schehen hat.
Es kann durchaus nicht im Interesse des Verbandes liegen,
wenn Pflanzen-Neuheiten ohne hervorragenden Handelswerth oder
•eine von einer älteren Stammart wenig abweichende Varietät
gleich mit einem Werthzeugniss verseifen wird, da durch dieses
Verfahren der Zweck des Werthzeugnisses illusorisch wird.
Anträge der Verbandsgruppe Ostpreussen. I. Der
Vorstand wolle dahin wirken, dass die schriftliche und bildliche
Ausstattung des Handelsblattes einer besseren Vervollkommnung
entgegengeführt werde.
Begründung:
Der jetzige Inhalt des Handelsblattes befriedigt wohl die
wenigsten Milglieder, und sind dieselben gezwungen, neben dem
Verbandsorgan noch eine andere Fach-Zeitschrift zu halten. Es
soll diese Ausgabe den Mitgliedern nach Möglichkeit erspart werden;
allerdings ist die thatkräftige Unterstützung der Mitglieder durch
Einsendung schriftlicher Beiträge unbedingt nothwendig, da es
unserem Schriftleiter unmöglich ist, von seinem Wirkungskreise
aus Uber alles Neue und Wissenswerte orientiert zu sein, die
Mittel zu grösseren Reisen aber nicht vorhanden ist.
II. Der Verband wolle beim Eisenbahnministerium den An¬
trag stellen, dass Sendungen mit lebenden Pflanzen zum Fracht¬
gutsatz als Eilgut befördert werden.
Begründung:
Blühende oder leicht verderbliche Pflanzen sind von dem
fernen Handelsverkehr vollständig ausgeschlossen, da dieselben
bei dem Versand als Frachtgut durch den langsamen Transport
verderben; aber als Ejlgutsenduugen durch die hohen Fracht¬
sätze, welche den Werth der 8endung meistens übersteigeD, nicht
ausgeführt werden können. Der Verkehr mit Pflanzen würde
wohl ein vielfach grösserer werden, so dass die Eisenbahnver-
waituog keinen Schaden erleiden würde.
III. Der Vorstand des Verbandes wolle sich mit der Direction
der Deutschen Hagel-Versicherungs-Gesellschaft für Gärtnereien
in Berlin in Verbindung setzen und mit derselben das Abkommen
Versicherungsprämie in bestimmten Procenten gewährt werden.
Begründung:
Veranlasst durch die mehrfachen Erörterungen über Hagel¬
versicherung im Handelsblatt, worunter sogar Wünsche laut
wurden, der Verband möge eine eigene Hagelversicherung er¬
richten, stellen wir obigen Antrag. Wir halten eine eigene Hagel¬
versicherung für den Verband ganz unmöglich. Die beantragte
Einrichtung dagegen halten wir für ein festes Band, welches sich
gewiss um einen noch viel grösseren Kreis von Mitgliedern
schlingen würde, da dann für jedes Mitglied ein directer finan-
cieller Vortheil in Aussicht steht. Aber auch für die betreffende
Hagel-Versicherungs-Gesellschaft dürfte die Einrichtung nur von
grossem Vortheil sein, da sich die Zahl der Versicherten wohl
wesentlich vermehren würde.
An träge der Verbandsgruppe Herzogtbum Brau li¬
sch wejg. 1. Der § der Statuten erhält die Fassung, eventuell
wolle die Hauptversammlung die Wahl der Vertreter dahin be¬
stimmen, dass die Vertreter nicht, wie bisher üblich, durch
Stimmzettel, gewählt werden, welche jedem Miigliede zugehen
und dann nachdem sie ausgefüllt sind, an das Verbandsbureau
gesandt werden, sondern dass jede Gruppe in der Januar- oder
Februarsitzung ihre Vertreter wählt.
Begründung:
Aenderung in dieser Angelegenheit herausgestellt, einmal wird
Geld gespart, zweitens Zeit und Mühe, und endlich kann es
nicht Vorkommen, dass so viele Vertreter, nachdem sie gewählt
sind, wieder ablehnen.
II. Die Hauptversammlung wolle dahin Beschluss fassen,
geeignete Wege zu bahnen, dass den deutschen Handelsgärtnern
vod den Holländer Versandlfirmen für gelieferte nachweislich
schlechte Qua'ilät minderwertig sied, Ersatz geleistet wird resp.
diese Firmen ersatzpflichtig sind, um den Uebervortheilungen
und den damit verbundenen jahrelangen hin- und hersebwankenden
Prozessen ein Ziel zu setzen.
Begründung;
Wie es die Eifahrung iß dem letzten Winter, und auch schon
früher, gelehrt hat, ist es zur Nothwendigkeit geworden, dass
Sehens des Verbandes hier ein Schutz für die Käufer geschaffen
wird. Einmal liefern eine Menge Holländer Zwiebelzüchter ab*
Zwiebeln so wie so schon im Preise gedrückt werden, und nun
werden auch noch viel minderwertige und kranke Zwiebeln ge¬
liefert. Der geschädigte Handelsgärlner muss im Frühjahr zahlen,
und wenn ei sich nicht in Güte eiuigt, kommt es zu Prozessen,
die meistens noch zu Ungunsten des Geschädigten Ausfallen. Es
ist daher an der Zeit, dass der Verband hier Wandel schafft
durch eine UntersuchungsstatioD, eine Begutachtungskommission
und event. durch einheitliche Schlussscheine, welche letztere bei
allen Abschlüssen beiderseitig unterzeichnet werden müsen.