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einen nackten "Wurm. Der Polip sieht einer
fadenförmigen, schleimigen Pflanze ähnlich, er
hat Aeste und Zweige, welche sich bewegen.
Kommt ein Würmchen in seine Nähe ge¬
schwommen, sogleich schlingen sich die Aeste
und Zweige um dasselbe und führen es zum
oberen Teile des Stengels, woselbst sich eine
Oeffhung befindet, um es zu verschlingen und
sich als Nahrung dienen zu lassen.
Auffälliger als die Uebergänge von einem
Reiche zum anderen sind oft die Uebergänge
der Geschöpfe in den einzelnen Reichen selbst zu
erkennen; am deutlichsten im Tierreiche. "Wir
merken einen Uebergang von der Koralle zur
Muschel, von den Muscheltieren zu den In¬
sekten und kriechenden Tieren, von letzteren
zu den Schlangen, von diesen wieder zu den
Fischen, z. B. dem Aal. Der „fliegende Fisch"
wieder, kann sich über das Wasser erheben,
nähert sich dem Vogel, welcher sich bis zu
den Wolken erhebt; in dem Strauss aber,
welcher seine kurze Flügel mehr zum Dienst
der Füsse gebraucht, nähert sich der Vogel
wieder dem vierfüssigen Tiere und unter den
mannigfaltigsten Abstufungen kommen diese
endlich in dem Affen, dem Menschen näher.
Allüberall sehen wir einen Uebergang,
sehen wir wie das Vollkommene sich dem
Vollkommeneren nähert. Der Mensch aber als
vollkomniendstes Glied, steht erhaben über
allen diesen Gliedern, kann sich frei bewegen,
kann empfinden, hat es in der Hand, wirklich
erhaben, gut und glücklich zu sein.
C. R. Darwin.
Dieser grosse Gelehrte und Forscher wurde
am 12. Februar 1809 zu Shrerisbury in Eng¬
land geboren, bezog 1825 die Universität Edin-
burg, 1827 das Christ's-College zu Cambridge
und erhielt vier Jahre später den ersten aka¬
demischen Grad. 1831 trat er seine Reise um
die Welt an, von welcher er 1836 nach Eng¬
land zurückkehrte, wo er, die gesammelten
Forschungen benutzend, den "Wissenschaften
lebte und später seine epochemachenden Werke,
welche von der Lehre der Entwickelung der
Pflanzen- und Tierwelt handeln und in viele
Sprachen übersetzt worden sind, schrieb.
Diese Lehre, welche gemeinhin die Darwin¬
sche Theorie genannt wird, hatte zunächst
zur Folge, dass sich die Naturforscher und
auch Nichtforscher in zwei Lager theilten,
welche entweder seiner Lehre blindlings zu¬
jubelten oder sie blindlings bekämpften. In
Wahrheit weiss man aber bis heute noch nicht
recht, ob man der Darwinschen Theorie an¬
hangen oder ri'j bekämpfen soll. Man hat sie
mit Gründen belegt, und ebenso auch mit
Gründen widerlegt - Wfr werden noch öfterer
auf Darwin und seine Lehre in diesen Blättern
zurückkommen und wollen für heute unsere
kurze Beschreibung über diesen berühmten
Gelehrten schliessen, indem wir nur noch hin¬
zufügen , dass derselbe am 19. April 1882 ge¬
storben ist.
Die Eintheilung des Pflanzenreichs nach
Familien u. s. w.
So, wie wir im Tierreiche deutliche Unter-
shiede merken, sehen, dass es vierfüssige Tiere,
Vögel, Fische, Schlangen, Insekten und der¬
gleichen giebt, ebenso giebt es auch im
grossen Pflanzenreiche sichtbare Unterschiede.
Wir unterscheiden da zum Beispiel die Bäume
leicht von den einjährigen Gewächsen, die
blättertragenden und mit auffälligen Blüthen
versehenen Pflanzen leicht von den schlanken
Gräsern. Wenn wir uns aber die Pflanzenwelt
näher besehen, so finden wir es bisweilen
schwer, eine Grenze zwischen Baum und Strauch
zu suchen. Manche Straucbsorte ist halb
Baum, halb Strauch, sieht bald mehr einem
Strauche, bald mehr einem Baume ähnlich.
In einem solchen Falle wird der Strauch als
Halbbaum bezeichnet So z. B. der "Weissdorn
iCrataegus). Bald aber neigt auch manche
Strauchsorte statt zum Baume, mehr zur kraut¬
artigen Pflanze herab, wie z. B. der Isop und
der Lavendel. Beide wachsen niedrig, haben
aber harte, holzartige Stengel und Zweige,
welche zwar in unseren Wintern meist erfrieren,
in wärmeren Klimaten aber aushalten, so dass
ihre Pflanzen kleinen Sträuchern gleichen. Der¬
gleichen Pflanzen werden nun als Halbsträucher
bezeichnet.
So, wie es sich mit den Bäumen und
Sträucbern verhält, so ähnlich verhält es sich
auch noch mit vielerlei anderen Gewächsen.
Die einjährige Pflanze dauert nur einen Sommer.
Sie geht im Frühjahr auf, wächst, blüt, trägt
Samen und stirbt dann ab. Dies alles voll¬
zieht sich innerhalb eines Jahres. Nun giebt
es aber auch Pflanzensorten, denen unsere
Sommer nicht lang genug sind, um zum Blühen
und zur Reife zu gelangen, während sie hin¬
gegen in wärmeren Himmelsstrichen noch im
ersten Jahre ihres Lebens blühen und reifen
können. Solche l'flanzensorten, die nach ihrer
Aussaat bei uns nicht im ersten, sondern erst
im zweiten Jahre blühen und reifen, dann
aber absterben, nennen wir „Zweijährige"
Pflanzen. Pflanzen aber, welche mehr als zwei
Jahre leben und unsere Winter dabei aus-
dauern. werden als „ausdauernde oder perennie¬
rende Gewächse" (Perennen oder Stauden) be¬
zeichnet. Viele dieser Gewächse sterben im
Winter bis auf ihre Wurzel ab, welche dann
nach Verschwinden des Winters wieder neue
Keime, neue Blätter, Stengel u. s. w. treiben.
Viele -solcher Gewächse behalten aber auch
ihre Blätter und treiben das kommende Jahr
nur neue Blüthenstengel. Die Wurzel der
perennirenden Gewächse ist entweder faserig,
oder angeschwollen, knollenartig oder zwiebel¬
artig, in diesen letzteren Fällen werden sie
Knollen- oder Zwiebelgewächse genannt.
So wie nun Uebergänge von der einjähri-