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J e f cß u r u « .
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fiirti mitverbrannt . Verbrannt ist ferner das Beth - Hamidrasch
mit allen feinen Bücherschätzen . Nur die Sifre Thoro ( hke -
ie & CQroücn ) find hier wie in allen Bet bäufern gerettet , ferner
in verbrannt das erst neuerlich vollendete , mit allen modernen
Einrichtungen versehene ' Trauenhad , welches auch zur all¬
gemeinen Badeanstalt eingerichtet war . Sehr fchlinim steht
co um unsere , annen Xiranken , da Apotheke und Droguen -
bandlung abgebrannt und überhaupt keinerlei Mittel geblieben
sind , um denselben die nötigen Heilmittel , nebit Krankenkost
ui verabreichen . Selbst der größte Teil unserer Tenerlösch -
annalten ist uns verloren gegangen . Tie 24 Brunnen , welche
eigens zu diesem Zwecke angelegt worden waren , sind ver¬
hüttet . Auch das Spritzenhaus mit noch einer Spritze und
n Löschgeräten in verbrannt . . Wir batten gute Ziösch -
ralten und haben bisher entstandene Brände mit Leichtig¬
keit bewältigt ; allein ein Umstand hat alle Z ! öschversuche un¬
möglich gemacht : es rvar gerade Jahrmarkt und der Trt von
vielleicht 20 000 Nienschen besucht . Als der Tenerrnf erscholl ,
da eilten allesamt , der eine nach dieser , der andere nach
der entgegengesetzten Richtung , um aus der Stadt herauszü -
komme,n ; das gab einen solch ' unentwirrbaren ' Knäuel von
Wagen und Menschen , das ; aller Berkehr aut mehrere Stunden
bin vollkommen gesperrt war und die Löschmannschaften ab¬
solut nicht zur Brandstelle gelangen und in Thätigkeit kom¬
men konnten . Mittlerweile aber batte das Teuer einen solchen
Umtang angenommen , das ; an Bettung schon gar nicht mehr
ui denken war . Durch den Brand und mehr als 2000
Menschen . obdachlos geworden und haben das meiste , was sie
besessen naben , verloren . Teilweise lagern sie aus freiem
Telde unter Bretterverschlägen , Neiserluitlen und vergleichen .
Bei dem jetzigen schönen Sommerwetter sind diese noch besser
ausgehoben , als diejenigen , welche in engen Stuben , Bellern
und Ställen zu Dutzenden zusammengepfercht wohnen . Es
fehlt an allem , an Nahrung , Kleidung und Wohnung . Einst -
. weilen haben die umliegenden TrtschaftenZllahrungsmittel ge¬
schickt , welche beim ( Grundherrn Türslen Tginski niedergelegt
worden find und von diesem zur Verteilung gelangen . . Wir
und . auch hier iur Namen der christlichen Bewohners unserer
Stadt , von denen etwa 20 Tamilien ihre Häuser verloren
haben und obdachlos geworden sind . Zur Verteilung etwaiger
Eingänge ist ein Koinitn ans jüdischen und christlichen Be¬
wohnern , besonders ans den Beamten der Stadt Plunjan
bestehend , in der Bildung begriffen .
* Das Rabbiner - Seminar in Wien zählt 25 Hörer , meist
( Kalizier , denen der Rektor im Talmud und Kodiees , Prof .
Tr . Müller in hebräischer Sprache , Pros . Büchler in ( beschichte
und Eregese Zlektor Triedmann in Bibel und Midrasch Un¬
terricht erteilen . 10 Schüler besuchen den Borbereituugs -
kursus , von - denen einzelne im künftigen Zähre für das Se¬
minar befähigt fein dürfen . Tie berühmte Zellinek ' fche
Bibliothek wurde vom Borstande für das Seminar angefchafft
und - Prof . Büchler hat die schwierige Aufgabe übernommen ,
dieselbe zu . ordnen und Zu katalogisieren . - Seit neuerer Zeit
in die reichhaltige Bibliothek der ( gemeinde dreimal der
Woche dem Publikum zstgentrstuhund verlieht Herr Tr . Reis
früher Nabbiner in » St . Pöltdn ^ vroviioriich das Amt
des Bibliothekars . Auch das BrM ^ Hamidrascb . < . begründet
von Tr . Zellinet > bleibt nach wie vor geöffnet, - doch sind die
Borträge bis auf die des Rektors Triedmann üüiert .
^ cx * fonaCtcit .
Versetzt die Herren : W a Nach von Hüls als Ziehrer nach
Aachen ; — Sacher , Zögling des hiesigen Ziehrerseminars ,
als 1 . Xiantor und Rtzligionslehrer < unter Dispensation von
dem Amte eines stellvertretenden Schochet ) nach Krotofchin ;
- - Herr M a n e s - - über dessen Berufung nach Krotofchin
wir berichtet ist nicht von dieser , sondern von der Nürn¬
berger ( gemeinde die Herr Triedmann verläßt - ge¬
wählt worden . — Herr Dr . Ziippschütz hat - - wie er uns -
mitteilt — feine Amtsthätigkeit in der hiesigen Privatgemeinde
„ Ziippmann - Tnuß " wieder aufgenommen .
Zn den Nuhestand versetzt : Herr Ziehrer Ziöwenthal in
Tchildberg , der nahezu 20 Zahle als Ziehrer an der dorti¬
gen öffentlichen jüdischen Volksschule amtiert hat . Sein Nach¬
folger soll Herr . Singerinann aus Bosten werden , da in dem
letztgenannten Trte die . jüdische Sämle ivegen allzu geringer
Treguenz vom Kultusminister kürzlich aufgelöst umrde .
Cofr Siiittn .
* ' Als Bönig Friedrich Wilhelm 111 den Aufruf an mein
Volk erließ , meldeten sich in ( g log au eine ganze Anzahl
jüdischer Jünglinge zum freiwilligen Eintritt , in die Armee ,
' unter ihnen war auch David Salomon , der anfangs zu¬
rückgewiesen wurde , weil er erst sechszehn Jahre und noch zu
schwach für den Dienst war ; er bat jedoch so sehr , man solle
ihn annehmen und er versprach so ernstlich, , er werde seine
Schuldigkeit thun , daß man endlich seinen Bitten nachgab
und ihn als Tambour einstellte . 2chlach,t bei . Leipzig
kommandierte bei Probstheida Prinz ZÄugust voii Preußen .
Dort hatten sich die Tranzosen hinter einer Birchhofomauer
verschanzt und die Preußen hatten die Mauer erstürmt , waren
aber jedesmal wieder zurückgetrieben worden . Prinz August
wollte nun den Kamvf aufgeben, , denn die Truppen waren
auseinander gesprengt und er hakte nur noch den Tambour
David Salomon bei sich . Dieser hatte beim Retirieren den
einen Trommelschlägel ^ verloren , aber er trommelte mit dem
andern so fest ruhig " weiter , daß die Truppe sich wieder
sammälte , zum nebentenmal die Kirchhofsmauer erstünnte und
dann die Stellung behauptete .
Als dann die Braven , die sich ausgezeichnet hatten , das
eiferne - ^ Lreuz erhielten und David Salomon nicht darunter
war , sprengte Prinz August an den Major heran und rief
fragend : „ Wo ist der Tambour ' < warum . wird der Tambour
nicht dekoriert ? " „ Das ist ein Jude , Königliche Hoheit " , ant¬
wortete der Major . „ Nun , dann wird der Jude ausgezeichnet " ,
ries da der Prinz , ließ den Tambour David Salomon an -
treten und heftete ihm selbst sein eigenes Kreuz auf die Brust .
Später erhielt er einen Ehrensold von monatlich 4 Thaler
18 gute ( droschen bis an sein Ende .
Prinz August war später als ( tzeneralinfvektor der Artillerie
mehrmals in ( Rogast und ließ dann den David Salomon
auf ' s Schloß kommen und unterhielt sich mit ihm .
. . ' 2er gefeierte inu ] müdu ‘ Tinner „ V ' tu in in Teimdilaild all
gemein mit idem Vornamen „ Maurus " behruiit . zu ' einem großen Ver -
drune . ( * r man „ Maurus " uieln böreii und mag au « ' einen einticlieu
„ Moriz " ujetn Mziäüen . . . Tie Nunaine au » de » origiiieüeu Maurus ,
der in teinem . Nutender nein , bar BUai ' s einer llel ' er ' er - : vollzogen .