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Von EGON CAESAR CONTE CORTI
( Copyright 1927 by Insel - Verlag , Leipzig )
iT \ a es Meyer Amschel gelang , sich so herauszuwinden , daß
" > - ^ der Polizeikommissar mit seinen Aussagen nicht viel
ansangen konnte , blieb nichts anderes übrig , als auch die
übrigen Mitglieder der Familie , so auch die Gattin Meyer
Amschels , auszufragen . Mutter Eudula antwortete , sie wisse
von gar nichts ; die zwei anwesenden Söhne gaben zu Proto¬
koll , was sie mit ihrem Vater besprochen hatten . Auch die
Prüfung der Vorgefundenen Bücher ergab nicht viel , da die
belastenden Urkunden beiseite geschafft waren . Der den
Rothschild wohlwollende Dalbergsche Polizeikommissar , selbst
ein Jude , drängte zur Beendigung des Verhörs . Da man
immerhin einiges Material gesammelt hatte , mit dem man
das Vorgehen gegen die Rothschild als richtig und notwendig
begründen konnte , gaben sich auch die Kasseler zufrieden .
So lief die ganze hochnotpeinliche Untersuchung für die
Familie Rothschild noch glimpflich ab . Die Rothschild
konnten aufatmen , aber es war eine Mahnung , nun in
Zukunft doppelt vorsichtig und schlau zu sein . Vor allem
mußten die Kisten aus kurfürstlichem Besitz sofort aus dem
Hause entfernt werden , denn bei einer neuen Durchsuchung
konnte der Hof¬
keller vielleicht
doch entdeckt wer¬
den . So sandte
man eine der
Kisten nach der
anderen durch
Vermittlung be¬
freundeter Juden
an einen Ge¬
schäftsfreund der
Rothschild in
Darmstadt , einen
gewissen Abra¬
ham Mayer , wo
sie verblieben ,
bis der Kurfürst
sein Land
In Frankfurt war inzwischen eine bedeutungsvolle
politische Veränderung eingetreten . Der Rheinbundstaat
Dalbergs hatte Hanau und Fulda gegen Regensburg ein¬
getauscht , und der Souverän erhielt den Titel eines Gro߬
herzogs von Frankfurt . Diese Erhöhung Dalbergs gab dem
bei ihm in Gnade stehenden Meyer Amschel Gelegenheit , sich
auch auf andere als finanzielle Weise für seines Schutzherrn
Buderus Einführung beim Kurfürsten erkenntlich zu zeigen .
Buderus war fortwährend von der französischen Polizei
belästigt worden , und Rothschild wollte dem dadurch ein Ende
machen , daß er Dalberg bewog , den kurfürstlichen Beamten
gelegentlich der Uebernahme Hanaus als Ständcdeputierten
des Großherzogtu ms Frankfurt anzuerkennen und überdies
zum Direktor des Finanzausschusses der Ständeversammlung
zu ernennen . In solcher amtlichen Stellung , hoffte Meyer
Amschel , würde man ihn dann in Frieden lassen . Es gelang
Rothschild , die Sache bei Dalberg auch durchzusetzen .
Meyer Amschel entschloß sich nun , angesichts der Fort¬
schritte seiner Firma auch deren innere Form straffer zu
gestalten . Insbesondere mußte der Anteil seiner Söhne noch
genauer geregelt
werden , als es die
bisher bestandene
„ Sozietät " getan .
So kam es zu
einem neuen Ge¬
sellschaftsvertrag
vom 27 . Septem¬
ber 1810 zwischen
Vater und Söh¬
nen . Das Haupt¬
prinzip dieses
Vertrages war ,
daß Meyer Am¬
schel alle seine
Söhne zu Teil¬
habern seines Ee -
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7tmt -
Eine der vielbegehrten Geldanweisungen Meyer Amschel Rothschilds
in
heimkehrte .
Angstvoll hatte der Kurfürst in Prag die Wechselfälle des
Krieges miterlebt . Als Napoleon vor Wien anlangte , da
ergriff den Kurfürsten Angst . Voller Sorge beriet er mit
seinen Räten und dem bei ihm weilenden Amschel Rothschild ,
der nicht weniger zitterte als sein kurfürstlicher Herr , ob er
nicht in die Festung Olmütz flüchten solle . Wenigstens die
Wertsachen sollten dahin vorangehen . Sieben Kisten mit
Obligationen und eine mit Pretiosen gingen auch tatsächlich
ab . Da kam Wagram . Napoleon rückte nach Mähren vor ,
und Olmütz war erst recht bedroht . Zurück also mit den
Kisten und selbst nach Berlin , das der König dem Kurfürsten
doch seinerzeit als Zufluchtsort angetragen hatte ! Aber nun
war dem König seine einstige Bereitwilligkeit peinlich ge¬
worden ; er winkte ab . So beschloß Wilhelm , weiter in Prag
zu verbleiben .
Der unglückliche Krieg von 1809 hatte dem österreichischen
Minister des Auswärtigen , Grafen Stadion , die Stellung
gekostet und diesen ausgezeichneten Mann und erbitterten
Gegner Napoleons für einige Jahre ins Privatleben zurück¬
gezwungen . Mit dem 8 . Oktober 1809 war Gras Clemens
Metternich an seine Stelle getreten . Der Wechsel in der
Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreichs hatte
eine vollkommene Umkehrung der bis dahin befolgten Richt¬
linien zur Folge . Mit Gewalt war gegen Napoleon nichts
auszurichten . So versuchte es Metternich auf andere Weise .
Aus der Ehe mit Josefine hatte Napoleon keine Kinder .
Seine Verbindung mit einer kaiserlichen Prinzessin konnte
ihm nach außen noch größeren Glanz und den ersehnten
Erben geben . So fanden sich die bisher feindlichen Staaten
durch eine Ehe zusammen , und im Januar 1810 ließ Oester¬
reichs kaiserliche Familie Napoleon wissen , daß seine Wer¬
bung um Marie Louise , die achtzehnjährige Tochter des
Kaisers nicht abgelehnt werden würde . Schon am 7 . Februar
darauf war der Ehevertrag unterschrieben .
schäftes machte ,
um sie zu fleißi¬
ger Arbeit anzuregen . Er interessierte sie an dessen Gedeihen
nicht nur indirekt , sondern auch direkt . Aeußerlich kam dies
darin zum Ausdruck , daß der Firmenname von nun an
„ Meyer Amschel Rothschild und Söhne " lautete , was Roth¬
schild allen seinen Geschäftsfreunden in einer gedruckten Note
mitteilte , in welcher er ausdrücklich betonte , daß er seine
drei Söhne nunmehr zu der Fortführung seines seit vierzig
Jahren betriebenen Handelsgeschäftes heranziehe .
Es fällt auf , daß in dem Gesellschaftsvertrag der in Eng¬
land weilende Nathan , obwohl er mit dem Vaterhause
in ständiger Geschäftsverbindung und bestem Einvernehmen
stand , nicht einbezogen und scheinbar ganz auf eigene Füße
gestellt war . Denn von den fünfzig Teilen , in die der Ge¬
winn bzw . Verlust des Geschäfts geteilt wurde , gehörten vor¬
läufig nach dem Vertrage für die nächsten zehn Jahre vier¬
undzwanzig dem Vater , je zwölf Amschel und Salomon und
je einer Karl undJames . In Wirklichkeit aber hatte Meyer
Amschel nur vor der Oeffentlichkeit die Nathan zugedachten
zwölf Fünfzigstel auf sich genommen , da ja vor der Welt , der
Herrschaft der Franzosen wegen , die Verbindung mit dem
in England wohnenden Nathan geheimgehalten werden
mußte .
Meyer Amschel vergaß nicht , oie alten Beziehungen , die
ihm der Kurfürst durch seine hohe Verwandtschaft erleichtert
hatte , zu pflegen und für sein Haus auszunutzen . Während
er bisher vornehmlich der Vermittler zwischen dem kurfürst¬
lichen Darlehensgeber und Dänemark gewesen , bot er schon
im Dezember 1810 dem Grafen Schimmelmann , dänischem
Finänzminister , aus eigenem ein Darlehen von 400 000
Talern an , das nicht mehr der Kurfürst , sondern Meyer
Amschel Rothschild und Söhne leihen wollten .
Mit Aufmerksamkeit beobachtete Rothschild die allgemeine
politische Lage .
( Fortsetzung folgt . )
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