Gujl 2 ) öet GebcfoLcfeie dei dßouubei 9MW & L & ?
12 ]
Von EGON CAESAR CONTE CORTI
( Copyright 1987 by Insel - Verlag , Leipzig )
Obwohl er persönlich sowohl in seinem Auftreten wie nach
& seiner Herkunft und seinen mangelhaften Sprachkennt -
nissen keineswegs die Eigenschaften haben konnte , die man
unter normalen Verhältnissen von einem Diplomaten ver¬
langt , besaß er dafür einen klug rechnenden Menschenverstand .
Und das war inmitten der damals politisch geradezu auf
den Kopf gestellten Welt besonders vorteilhaft . Man mußte
wirklich ein geriebener Diplomat sein , um ferne Handels¬
geschäfte fortzubetreiben und doch weder bet ven Franzosen
noch bei den von ihnen niedergehaltenen Gewalten anzu¬
stoßen . Eine große Gefahr bildete z . B . der Warenhandel
oder deutlicher Schmuggel von und nach England . Auf Be¬
fehl aus Paris war eine allgemeine Hausdurchsuchung nach
versteckten englischen Fabrikwaren in Frankfurt angeordnet
in Atem gehaltem Abgesehen von den eigenen Geschäften
waren alle ihre reisefähigen Mitglieder fortwährend in der
Postkutsche , um die großen Transaktionen für den Kurfürsten
an Ort und Stelle persönlich zu besorgen .
Buderus bemühte sich unaufhörlich , die Familie Roth¬
schild in den Augen des Kurfürsten immer von neuem zu
erhöhen und alle anderen Handlungshäuser als unzuverlässig
und weniger entgegenkommend darzustellen .
Indessen war einer der jungen Brüder Rothschild ( wahr¬
scheinlich Karl ) mit einem genauen Bericht von Buderus in
Prag eingetroffen , in dem der Beamte seinem Herrn drin¬
gend zusprach , doch nicht so gut im Gange befindliche Geschäft
mit den englischen Papieren weiter zu gefährden . Der junge
Rothschild bot überdies auch seine ganze Ueberredungskunst
Vori ^
Der Landgraf von Hessen übergibt Mayer Amschel Rothschild seinen Schatz zur Verwahrung
Roch einem Gemälde von Mvrih Oppenheim
worden . Frankfurt wurde nun in argen Schrecken versetzt .
Man stellte ein Verzeichnis von zweihunderrvierunddreißig
Kaufleuten auf , welche für die Vorgefundenen Kolonialwaren
den für diese bestimmten hohen Zoll nachzahlen mußten . In
diesem Verzeichnis stand Meyer Amschel Rothschild an 68ster
Stelle mit einer Zahlung von 19 348 Francs .
Inzwischen hatte der Kaiser der Franzosen eben eine der
glücklichsten Stunden seines Daseins erlebt . Marie Louise
hatte ihm am 20 . März 1811 . den heißersehnten Sohn und
Thronerben geschenkt . Mit noch nie gesehener Pracht wurde
das Kind Frankreichs , in der Wiege schon König von Rom ,
getauft . Aus aller Herren Ländern strömten die Fürstlich¬
keiten zu dem Feste herbei , die die Gelegenheit nützen wollten ,
dem übermächtigen Monarchen ihre Ergebenheit zu Füßen
zu legen . Auch der Eroßherzog von Frankfurt , Dalberg ,
wollte sich zur Huldigung nach Paris begeben , aber er hatte
nicht genug Geld , um in Paris als Großherzog mit ent¬
sprechendem Aufwand aufzutreten . Meyer Amschel erbot sich
aus freien Stücken , ihm die Summe zu 5 Prozent vorzu¬
strecken . Nun konnte sich Dalberg nach Paris begeben . Hatte
Rothschild bei Dalberg schon immer in Gnade gestanden ,
so trug ihm diese kluge Tat vollends das Vertrauen des
Großherzogs ein .
Die Familie Rothschild war damals bis zum äußersten
auf , um den Kurfürsten zur Zurücknahme seiner Zahlungs¬
verbote für die englischen Stocks , die dieser in seinem Aerger
kürzlich verfügt hatte , zu veranlassen . Er glaubte auch durch¬
gedrungen zu sein und schrieb Buderus aus Prag , der Kur¬
fürst habe die fernere Verwendung der in London eingehen¬
den Stockszinsen zu neuen Kapitalsanlagen wieder gnädigst
zugestanden . Buderus setzte daraufhin sofort wieder mit
Zahlungen kurfürstlicher Gelder an Rothschild ein , bis er
einen Erlaß seines Herrn erhielt , der vom 9 . Dezember 1811
datiert war und die voreilige Nachricht Rothschilds nicht
bestätigte . Da unternahm es Buderus nochmals , eindring¬
lichst seinem Herrn nahezulegen , wie es doch in dessen höch¬
stem Interesse liege , sein Zahlungsverbot endgültig wieder
auszuheben .
Endlich gelang es dem nach London gereisten Rothschild ,
ein Zertifikat über 189 500 Pfund Sterling von England nach
dem Kontinent zu schmuggeln , worauf es sofort dem Kur¬
fürsten zuging . Nun bewilligte dieser wieder die Verwen¬
dung der Zinsen seiner Kapitalien zu Neuanschaffungen , nicht
ohne mit Genugtuung zur Kenntnis genommen zu haben ,
daß das um die Weiterführung des ganzen Geschäftes höch¬
lichst besorgt gewesene Haus Rothschild die Bedingungen
herabgesetzt und erklärt hatte , die Stocks nun zum Preise
von 70 Prozent liefern zu wollen .
Verantwortlicher Redakteur : Dr . Heinz Caspar ! . Druck und Verlag : M . Lehmann , Hamburg 36 .
Kam » «
Bez » ,
Das „ Israelitische Familtenblat
Gesamtausgabe , b ) der Ausga
c ) der Ausgabe für Groh » Berlin
Bostümter » » angenommen .
Bestellgeld , AuslandS - Postbez
Dänemark , Estland , Finnland ,
Litauen , Luxemburg , Memelgebi
Schweden , Schweiz , Tschecho - Sloi
für Deutschland , Oesterreich . Sag
gebiet : Mk . 2 . 1S pr . Mt . ' , - für

Erscheint wöchentllü
Die vorliegende , am Dienstag ,
V
Dummer enthält 18 Seiten
„ Indische Bibliothek der Unte
einzeinummern dieser Zeltur
Zusendung im Inland 50 \
Voo den jomlm n
( Aus kleinen und kle
Der nachfolgende Auf ^
noch nicht amtierenden
einem der schwierigsten
handelt sich für uns nichll
Autor in diesem oder sei
hier einen „ RichtungSstreitH
vielmehr , daß alle , die
d a h überhaupt etwas P o |
schielst . In diesem Sinne
verantwortsmgSbewußten
In wenigen Wochen werdei
feiern . Wenn wir auch wisser
groß ist , die das Gotteshaus
Tagen aufsuchen , so können wi
religiöser Renaissanceerscheinui
sie sich uns erfreulicherweise
ohne allerdings einen übersteig '
fertigen . Als Teilerscheinung
ziehenden religiösen Wie
im folgenden beschriebene Situ
und der Wunsch , daß alle Hin ,
räumt werden , die diese Kein
e r st i ck e n drohen , ist der And
Es ist nichts Neues , festzu
blühende jüdische Gemeinden
des flachen Landes das physis
des städtischen Judentums bild
jüdische Leben dieser ehemals o
die schließlich aus begreiflicher
ner und nur allzu häufig auch
religiöse Leitung anvertrau «
völlig erstarrt . Nicht
wortungslose Vorsteher das ih
über alles zu ziehen , was mit
menhang steht , eine Decke , di «
Feiertagen " zu lösen sch ei
der übrigen Zeit leerstehende ,
Synagoge Licht und Wärme ein
nur - an diesen wenigen Tagen
— wäre , denen etwas zu geb
geben vermögen .
Wie aber sieht demgegenii
aus , wie sie sich dem aufmerkfa
nicht überall , doch in den versck
ckies darbietet ? Der zu diese
Borbeter „ dawnet " , dem tradi
mit mehr oder minder wohlkli
gebrachten Gebete vor . In P ,
auch in der Art des ästhetisch
für den größten Teil der Westjr
das nur Böswilligkeit als mcf
des Religiösen gehörig bezeichn «
will , entgegen allen Behauptun
der noch so mustkliebende Ir
„ geboten " haben . . . Die Geb
weitaus größten Zahl der Besuc
sich die städtische von der länd
inhaltlich leider unverständ
schwierigen Stil der zahlreichen
nicht selten angewandten aramö
nicht anders sein kann . Die vi «
Aebersetzung der Gebete ist nur
für den wahrhaft betenden Me ,
Trieb in dem Einzelnen so stark ,
lichen Verständnis strebt und zü
in die deutsche Uebertragung iw
Jude nicht selten enttäuscht un
sehen muß , daß bisweilen hin
aramäischen Gewände der Gebe
birgt , der dem unwissenden Bet
zwingt , die aus seinem Munm
Sofern er nicht weiß , daß die S
poetischen Einschaltungen Prof
Zeiten sind , denen es sonderbar ^
war , Gebete hinzuzufugen undl
— ein Recht , das in unbegreifli