Ssndor Jarai veranstaltete kürzlich nach seiner Rückkehr ans
Palästina in Berlin eine interessante Atelier - Ausstellung .
@ anbor Inrai , der noch Menzel kannte , kam auf selt¬
samem Umweg zilr Bildhauerei . Er begann als Schüler
von Prof . Zumbusch an der Akademie der bildenden Künste
in Wien , ging aber bald darauf als Schauspieler
nach Berlin . Als solcher hatte er bereits beträchtliche
Erfolge , als er , der nebenher sich weiter der Bildhauerei
widmete , für eine Plastik den Michael Beer - Preis ( eine
jüdische Stiftung ) erhielt . Das mir
diesem Preis verbundene einjährige
Rom - Stipendium und seine Reise dort¬
hin führt ihn nun vollends zur bilden¬
den Kunst , für die er sich in Rom end¬
gültig entschied . Seine Beziehung und
jüdische Sportvereinigung „ Hakoah " eine Fahrt nach Palä¬
stina unternahm , ergriff er die willkommene Gelegenheit , sich
anzuschließen und aus eigenem Erleben das Land kennen¬
zulernen . Seine Herzl - Büste , die er damals gestaltet
hatte und mitnahm , stiftete dann die „ Hakoah " der Univer¬
sität Jerusalem , in der sie aufgestellt wurde . In Palästina
schuf Jarai dann aus dem unmittelbaren Erlebnis den
zweiten , ganz anders gearteten Entwurf des Herzl -
Denkmals . Hier sah er , daß nicht die Alten die Führer sind ,
sondern die Jugend , eine neue selbst¬
bewußte Jugend , die , körperlich ertüch¬
tigt und gestählt , seelisch und geistig
frei , zielstark am Werk ist und aufbaut .
, So setzte er Herzl und dem Schöpfer des
Reuen , dem Ehaluz , zugleich ein Denk -
Sundor Jarai / Hermann Cohen - Büste
Theodor Herzl
spielern zeigt , sondern auch die Tatsa
erste deutsche Aufführung von T
Jude n " im „ Kleinen Theater " zu
Judentum und jiidischen
Problemen galt von je des
Künstlers Interesse . Er hat
immer wieder jüdische Por -
trätköpfe geformt und sich
dabei in das Studium der
jiidischen Psyche vertieft . Als
er in Wien während des
Krieges das Zurückströmen der
jiidischen Flüchtlinge aus dem
Dsten mit ansah , schuf er aus
diesem Erlebnis seinen ersten
Entwurf zum Theodor
H e r z l - D e n k m a l in Pa¬
lästina . Die Tragik und die
Sehnsucht des Judentums
wollte er damit gestalten . Das
vertriebene , gedemütigte Bolk ,
das keine Ruhe findet in der
Welt und das ein propheti¬
scher Führer ( es ist eine Ge¬
stalt , die an Moses erinnert
tind erinnern soll ) einem
neuen Frieden und Land ent¬
gegenführt Diese Fragen
ließen den Künstler nun nicht
mehr los , und als die Wiener
Reigung zum The¬
ater aber hat er
niemals ganz auf¬
gegeben , wie nicht
nur die große
Reihe seiner Por¬
trätköpfe von be¬
rühmten Schau -
che , daß er 1908 die
ch i r i k o s f s „ Die
Berlin veranstaltete .
mal , stellte den
Jüngling , die Ge¬
genwart , die Tat
von heute , in den
Mittelpunkt . So
entstand im Gegen¬
satz zu der alten ,
gedrängten , massi -
Gustav Mahler
ven Gruppe , die vielmehr das Leid und das dumpfe , noch
zweifelnde Suchen verkörperte , diese neue , viel freiere , ge -
strafftere Gruppe , die einfacher , rhythmischer , zwingender und
mit verjüngtem und sieghaf¬
tem Gefühl den Herzl - Gedan -
ken gestaltet .
Jetzt lebt Sandor Ja ^ ri
wieder in Berlin und
arbeitet gegenwärtig an Por¬
trätköpfen , die , stark in Form -
gefllhl und Charakterisierung ,
das Können des > Künstlers
auch auf diesem Gebiet zeigen .
Die Porträtbüste Gustav
Mahlers , des großen jüdi¬
schen Komponisten , den Jarai
noch in seinem letzten Lebens¬
jahr nach dem Leben model¬
lierte , zeigt die gute Ein¬
fühlung des Künstlers . Ein¬
prägsam sind diese markanten
Züge , die wunderbar anstei¬
gende Stirn und der Wille ,
der im Antlitz sich wider¬
spiegelt . Von anderen jüdi¬
schen Köpfen , die Jarai schuf ,
seien genannt der Dichter
Peter Altenberg und
Hermann Cohen , der große
jüdische Philosoph .
„ Nach Zion "
Will Pleß - Berlin
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