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N eujakrsbotschaft des Sckl emiel.

Die Austrittsbewegung aus dem Judentum beobachte ich mit großer Genugtuung; jedoch wünschte ich ihr ein rascheres Tempo. Da ich als fanatischer Minimalist nur einen kleinen Teil des jüdischen Volkes nach Palästina retten kann, frage ich mich schon längst voll Kummer, was mit dem Rest geschehen solle. Die Austrittsbewegung kommt mir bei der Lösung des Problems zu Hilfe; aber leider vollzieht sie sich nicht mit der lauten, unwiderstehlichen Kraft der zionistischen oder der sozialistischen Bewegung, sondern sie hat einen schleichenden Charakter. Die Austreter schleichen sich auf weichen Katzenpfötchen aus dem Judentum hinaus, ganz still und geheim, so etwa, wie sich die Japaner bei Beginn des Krieges aus Deutschland hinausschlichen. Ich bedauere diese Methode; sie genügt mir nicht.

Es gibt freilich Leute, die um jeden ausgetretenen Juden jammern; ich aber sage, daß Abfälle in einer anständigen Küche nicht gebraucht werden, sondern in den Müllkasten gehören. Und jeder Gärtnerlehrling wird bestätigen, daß ein Obst­baum um so schönere Früchte trägt, je sorgfältiger man den Stamm von morschen und unnützen Zweigen befreit. Also muß die Austrittsbewegung im Interesse des Judentums und zugunsten meines minimalistischen Prinzips gefördert werden. Es erscheint mir daher wünschenswert, die Austrittsbewegung in eine Fußtritts­bewegung umzuwandeln. Man versteht, was ich meine. Durch'das energische Verfahren würde die Genesung des Judentums rascher erfolgen. Nur eins ver­gesse man nicht: Wenn alles hinaus ist, muß desinfiziert werden!

Noch eine andere Erscheinung erfüllt mein Herz mit großer Befriedigung: Es wird den Juden in Deutschland jetzt leicht gemacht, ihre antisemitischen Namen gegen gut germanische einzutauschen. V?ie wichtig das ist, lehre folgendes Beispiel: Wahrend der Okkupationszeit geschah es in dem Städtchen V?lodawa, daß ein Landsturmmann in eine Kognakflasche Wasser füllte, sie kunstgerecht ver­siegelte und einem Juden für zehn Rubel als Branntwein verkaufte. Welchen Dank hatte der brave Landsturmmann für die Bekämpfung des Alkoholismus unter den Juden? Der Zehnrubelschein war gefälscht. Da dieser Jude den Vornamen Chaim trug, änderte der Zahlmeisterstellvertreter Chaimsohn seinen Namen mit Recht in Chason. In ähnlicher Weise läßt sich ein Mosessohn in Mosson, ein Lazarussohn in Lasson umwandeln, und wer gestern noch Lewy hieß, wird heute schon von seinen Freunden mit dem Verse begrüßt: »Ist der holde Lenz erschienen ?«

Schiller wäre in großer Verlegenheit gewesen, wenn er in seinem Gedichte statt Lenz hätte Lewy sagen müssen.

Nun, das Schicksal ist uns gnädig und wendet alles zum Guten.

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