Adolf Kober . Oie deutschen Kaiser und die Wormser Juden
mochten weiterhin die Stadt und noch später der Kurfürst von der Pfalz mit
ihren Ansprüchen hervortreten , so behielt der König doch das Judenregal
in seiner Hand . Im Reichssteuerverzeichnis des Jahres 1241 steht die
Wormser Judengemeinde mit der Summe von 130 Mark Silber nach der
Straßburger Gemeinde , die 200 Mark zahlte , an erster Stelle . Um die
Mitte des 13 . Jahrhunderts zählt daher Worms wie vor dem ersten Kreuz¬
zuge zu den bedeutendsten Gemeinden der Rheingegend . Bald beginnen
die Vergabungen von den Einkünften der Wormser Juden .
König Wilhelm von Holland gibt 1255 dem Wormser Rate die Zu¬
sicherung , er wolle alle Rechte der Wormser Juden beachten .
König Richard von Cornwallis ( 1257 — 1272 ) hat die Wormser Juden
dem Bischof Heinrich von Speyer übergeben , anscheinend aber ohne Erfolg .
Derselbe König weist im Jahre 1268 der Stadt Worms einen einmal zu ent¬
richtenden Betrag auf die Judensteuer an und im folgenden Jahre dem Rau¬
grafen Ruprecht , dem Bruder des Wormser Bischofs , 20 Mark aus der Jahres¬
steuer der Wormser Juden .
Rudolf von Habsburg ( 1273 — 1291 ) beansprucht auf Grund der
Kammerknechtschaft im Jahre 1286 alle unbeweglichen und beweglichen Güter
der Juden aus Speyer , Worms , Mainz , Eppenheim und der Wetterau , die eigen¬
mächtig ausgewandert sind . Zum Lohn für treue Dienste hat König Hein¬
rich VII . ( 1308 — 1313 ) dem Ritter Wipfelin von Rosengarten 10 Mark Silber
jährliche Reichseinkünfte von den Wormser Juden geschenkt .
Am 15 . Juli 1315 bestätigt Ludwig der Bayer ( 1314 — 1347 ) diese Schen¬
kung und teilt es den Wormser Juden mit . Die Stadt empfängt 1315 : 300 Pfund ,
die sie zu Lebzeiten des Königs Ludwig einnehmen soll , im Jahre 1316 weitere
100 Pfund , ferner Kuno von Lanmersheim 15 Pfund . So ergeben denn die von
Ludwig dem Bayern in den Jahren 1315 und 1316 verpfändeten und verliehenen
Steuerteile von den Wormser Juden die Summe von 176 Mark Silber . Die Höhe
des bis zum Jahre 1335 bei dem Reiche verbliebenen Restbetrages der Steuern
ist uns unbekannt . Am 10 . August d . J . versetzte Ludwig der Bayer dem Pfalz¬
grafen Ruprecht anstatt einer für gute Dienste versprochenen Belohnung von
5200 Pfund Hellern eine Anweisung auf die nicht anderweitig vergebenen
kaiserlichen Einkünfte von den Juden zu Speyer , Worms und Ladenburg . Am
1 . Mai 1338 teilt Ludwig der Bayer dem Wormser Rat mit , daß er mit den
Juden zu Worms ihrer — nicht naher erläuterten — Brüche und Schuld wegen
und auch zur Förderung seiner Fahrt gegen Frankreich übereingekommen sei ,
daß sie ihm 2000 Gulden zahlen sollten . Er fordert Rat und Bürger der Stadt
auf , das Geld nötigenfalls mit Gewalt von den Juden einzutreiben . Ludwig der
Bayer führte auch 1342 eine neue Steuer von jährlich einem Gulden , den
„ goldenen Opferpfennig “ ein , den jeder Jude und jede Jüdin über 12 Jahre und
mit einem Vermögen von mindestens 12 Gulden , wo und unter welchem Herrn
sie immer saßen , zahlen mußten . Am 3 . November 1346 versetzte Ludwig
seinem Vetter Ruprecht wiederum die Juden zu Speyer und Worms um
2000 Mark Silber und stellte noch am selben Tage eine Urkunde aus , in der er
Ruprecht alle Rechte auf die Juden zu Speyer und Worms auf 6 Jahre und
dann auf Widerruf erteilt So sind die Juden unter Ludwig dem Bayern ein Aus¬
beutungsobjekt geworden , aus dem man möglichst viel Kapital zu schlagen sucht .
Nicht anders war es unter dem geschäftstüchtigen Karl IV . J1347 —
1378 ) . Auf ihn geht jene Urkunde zurück , die im 17 . Jahrhijndert zumal
eine traurige Rolle spielen sollte .
Am 4 . Januar 1348 überläßt er angesichts der drohenden Judenverfolgungen
wie auch anderswo den Bürgern von Worms die Juden mit ihrem Leib und
Gut und allen Nutzen und mit allen Rechten , die er an den Juden zu Worms
bisher gehabt und weiterhin haben möge ( „ mit irme übe und gude und mit allen
nutzen und rehten “ ) . Nach Hereinbrechen der Katastrophe über die Wormser
Judengemeinde wird deren hinterlassenes Gut von Karl IV . der Stadt zur Ent¬
schädigung überlassen ( 29 . März 1349 ) . Die erstgenannte Verleihungsurkunde
Karls IV . wurde im 17 . Jahrhundert von der Stadt Worms als rechtliche Be -
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