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„ Sein spezielles Arbeitgebiet ist das im Tale östlich von Bethlehem auf dem .
Felde der angeblichen Verkündigung der Geburt Christi liegende Dorf Beth - Sahur .
- Seine Einwohner hatten sich der Verkündung des Evangeliums bis dahin ver¬
schlossen . Es waren bereits 20 Jahre früher von Bethlehem aus , wo bereits ein
deutsch - evangelischer Geistlicher tätig war , Versuche gemacht worden , den Ein¬
wohnern von Beth - Sahur durch Predigt und Schulunterricht das Evangelium zu
bringen ; aber ohne Erfolg , weshalb die Versuche wieder aufgegeben worden
waren . Sie wurden vor etwa 5 Jahren wieder aufgenommen , als einzelne Leute
- aus jenem armen Volke , das zumeist dem griechisch - katholischen Bekenntnis an¬
gehört und in völliger geistiger Stumpfheit dahinlebt , den Weg in die evangeli¬
schen Gottesdienste zu Bethlehem fanden . Der daselbst wirkende Pastor Böttcher
benutzte diese Anknüpfung , von Zeit zu Zeit nach Beth - Sahur zu gehen und die
Verbindung mit den suchenden Seelen fester zu gestalten . Daraus ist die kleine
Gemeinde auf dem Hirtenfelde entstanden . Ganz ohne Kampf sollte das hoffnungs¬
volle Werk allerdings nicht bleiben . Als die Griechen sahen , dass die Evangeli¬
schen solchen Zulauf hatten , hetzten sie die mohammedanischen Regierungs -
• beamten auf und suchten die Schliessung der Schule , die für die Kinder von
Beth - Sahur in einem geeigneten Hausgrundstück eingerichtet worden war , herbei¬
zuführen . Mit Hilfe des deutschen Konsuls aber w r urde der Sturm glücklich
überstanden . Die Gemeinde Beth - Sahur ist nun das Pflegekind des „ Sächsischen
Jerusalems Vereins u geworden . Von diesem wurde zunächst ein Grundstück mit
über 4000 qm angekauft , auf welches das Missionshaus zu stehen kommen soll .
Die Pläne für dasselbe sind von dem deutschen Architekten Palm er in Jerusalem
ausgearbeitet worden . Zunächst sollte der östliche Flügel ( Schul - und Betzimmer
mit Lehrerwohnung ) , danach der westliche gebaut werden . In der Mitte ist dann
die Kapelle mit Turm gedacht . Nach dem letzten Jahresbericht des „ Sächsischen
Jerusalemsvereins " erforderte der Bau des Schulhauses im Rayon des Missions¬
hauses von Beth - Sahur die Summe von 23 000 M . Da nur 7500 M . zur Verfügung
standen , so mussten 15 500 M . geliehen werden . Durch das Darlehen wurde
das selbständige Vorgehen des Vereins gewahrt , und es konnte das Schulhaus
am 17 . Januar d . Js » seiner Bestimmung übergeben werden . Die Schule wird
rsehr gut besucht , und die Bewegung geht trotz der nahezu fanatischen Gegen -
►arbeit der griechischen Priester vorwärts . Für spätere Zeiten ist die Anstellung
• eines sächsisch - evangelischen Geistlichen in Beth - Sahur in Aussicht genommen . "
Archäologisches .
Die Ausgrabungen der Deutschen Orient - Gesellschaft
Wir entnehmen der neuesten Nummer der „ Mitteilungen " der D . O . G .
►die Darlegungen der Herren Kohl , Watzinger und Hiller über die Ergebnisse
ihrer im Auftrage der Gesellschaft in diesem Frühjahr unternommenen Expedition
. zur Erforschung der Synagogenruinen Galiläas . Da diese kultur - und bau -
. geschichtlich wichtigen Denkmäler Palästinas leider einem schnellen Verfall unauf¬
haltsam entgegengehen , weil die zerstörende Kraft der Natur durch die noch
schneller arbeitende , des Menschen unterstützt wird , so hat sich die Gesellschaft
mit dieser Unternehmung , die Ernest Renan bereits vor mehr als 40 Jahren
als eine dringende Aufgabe der Forschung bezeichnet hatte , ein neues grosses
Verdienst um die Wissenschaft erworben . Wie hohe Zeit es war , dies Werk in
Angriff zu nehmen , zeigt der Umstand , dass manche von anderen Reisenden noch
vor wenigen Jahren an Ort und Stelle gesehenen Bauteile heute verschwunden