Zeitschrift der im Kartell - Conuent der Verbindungen deutscher Studenten

Bezug nur gemeinsam mit den X, c.-Mitteilungen. Bezugspreis halbjährlich 2.50 Mark.

judiSchen Glaubens vereinigten Korporationen,

Bnzeigen-BnnaHme durch den Verlag.« Preis 0,50 M. für die einftch gefpattene I Zeile. Bbonneinentsbeßellungen durch I den Verlag und das K. C.-Büro. I

Die Verbindungen im K.L. stehen auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschast mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Der K. L. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Juoenftage außerhalb Deutschlands ab. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhall» des Judentums nehmen die Verbindungen im K. L. keine Stellung, soweit dies nicht durch Absatz * und 2 bedingt ist."

14. Jahrgang

Danuar April 1924

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t. lieft

Nachdruck unserer Aussätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen vermerk gegen Nachdruck geschützten, unter

Quellenangabe gestattet.

Snhait: Motive und Fragmente I. S. 1. Zum 200. Geburtstage Kants <5.2. Gegenwartsaufgaben des K. C. S. 6. Resonanz S. 7. Unsere Sommerarbeit S. 9. Akademische und allgem. Nachrichten S. 10.

Inserate S. 11.

Mölme und Fragmentes.

Von Dr. Fritz Freund (Vav.)

I.

Wir haben BeethovensFünfte" gehört, die Schicksals-Synphonie in e-moll. In tiefster Seele erschütterte uns der Kamps eines Meisters mit sei­nem Schicksal, und ehrfurchtsvoll und beklommen sahen wir einen Titanen sich zum Lichte ringen. Die letzten sieghaften Odur°Kläge erfüllen noch das Ohr und das übervolle Herz. s

Wir schreiten heimwärts. Mählich löst sich die innere Spannung, und wir beginnen, das Ganze zu überschauen. Das Einzelne tritt zurück und ent­schwindet dem Gedächtnis, aber es hastet ein star­kes Erleben, und es hasten Motive und Frag­mente.

Wir sind in den Krieg gezogen, jung und gläu­big und voller Begeisterung. Viele von uns deckt fremde Erde.

Es kam die Niederlage. Cs reckte sich der 'Auf­ruhr hoch, und die russische Welle begrub den Nest von Vernunft und Zucht, der sich noch erhalten hatte. Damals schrieb Walther Rathenau*):Im Innern, im wahren Innern des Volkes hat sich gar nichts geändert. Nur die Disziplin ist gebrochen, und die Schlagworts sind neu. Eine Revolution ist nicht gewesen, sondern ein Krawall mit Aufseher- flucht. Die Menschen sind die gleichen wie 1914,

nicht selbständiger, nicht steier, nicht unabhängiger; wer damals sagte: feste druff, sagt heute: alle Macht den Räten. Und wir Heidelberger K.C.er? Wir gingen mit den anderen Kommilitonen in die Re- gierungswehren, die der ungefestigte Staat rasch zur Abwehr gegen die Räteenthusiasten bildete und gegen das, was hinter ihnen her lief und sozusagen auch enthusiasmiert war, freilich nicht allein für das Rätesystem..

Aeber das Reich ergoß sich aus trüben Quellen eine ungeheuere Papierflut, Papier in allen Farben, zetteilt in kleinste Stücke und bedruckt. Das be­druckte Papier ward nächtlicherweile angeklebt und schtte einen grenzenlosen Haß heraus gegen die Ju­den, den Abschaum der Menschheit, gegen dieses treulose, habgierige, freche, anmaßende, volksfremde charakterlose Pack. And Zettel waren darunter, auf denen stand zu lesen, wie die Juden den Bolsche­wismus gemacht hätten, um die Staaten zu zer­stören. Manchmal ttffen wir die Zettel ab, und die amtlich gestempelte Armbinde der Bürgerwehr stak dabei in der Bttestasche.

In freien Stunden saßen Gleichgesinnte zu­sammen und dachten über das jüdische Schicksal nach.

^Vorbemerkung der Schttstleitung.

Dieser Auffatz stellt die Einleitung einer Abhandlung dar, in der der Verfasser sich mit einer Reihe aktueller Probleme und Fragenstellungen beschäftigen wird. Die Fortsetzung wird in der nächsten, Anfang Juli erscheinen- . den, Nummer der K. C.» Blätter veröffentlicht werden.

\ *) Autonome Wirtschaft, Diedrichs, Jena 1919.