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Höinr PAhn
HsIüz Warschauer
Parole und Wirkung
Die politischen Geschehnisse der letzten
Zeit haben die deutschen Juden immer
stärker aus der Fiktion gerissen , „ als ob * *
sich eigentlich gar nichts geändert hätte ,
in der viele vorher gelebt ' haben . Jetzt
tritt das . Missverhältnis zwischen formaler
Gleichstellung und faktischer Sonderstellung
immer krasser zutage . ln dieser Lage
scheint der Versuch verdienstlich , die Stei¬
lung der Juden innerhalb dieser veränderten
deutschen Umwelt zu überprüfen . Dr . Alfred
Marcus will in zwei Aufsätzen „ Xcn - Coo -
peraLTon ? “ und - „ Cooperation ! “ ( „ Jüdische
Rundschau “ Nr . 60 und 62 ) einen neuen Weg
aufzeigen . Er führt ungefähr aus :
Es bestehe in allen Richtungen der deut¬
schen Judeabeit die Tendenz, , die deutsche
und die jüdische Sphäre zu vermischen ,
deutschpolitisehe Stellung mit Jüdischen Mo¬
tiven und jüdische Stellung mit Motiven aas
der deutschen Politik zu vermengen . Hier¬
aus entstehe eine unheilvolle Verwirrung .
Für den grössten . Teil der deutschen Juden
bedeute dies die letzte Assimilationsphase .
Für die Menschen , die sich damit nicht ab ~
finden wollten , ergehe sieb die Notwendig¬
keit der Distanzierung von der deutschen
Politik . Darüber hinaus wäre diese Distan¬
zierung notwendig , weil wir weder die jetzi¬
gen Vorgänge in ihrer voiklichen Wurzel
begreifen , noch von einem ausschliesslich
deutschen Standpunkt her urteilen könnten .
Wir versuchten aber auch nicht wie die
anderen Religionen die deutsche Politik von
der jüdischen Religion her zu formen , son¬
dern fragten : Was bedeutet der Vorgang
für mich als Juden ? Die Folge wäre ^ ein
Opportunismus , der jede politische Haltung
zerbreche . Wir könnten in der nächsten
Zeit weniger denn je erwarten , dass sich
das soziologisch ganz anders geschichtete
deutsche Volk nach unseren Intellektuellen
Kaufmanns - und Grossstadtmassstaben richte .
Die einzige Möglichkeit , Orientierung zu
gewinnen , läge im Judentum , der einzig
gültige Massstab die Wirkung auf das Ge¬
samt Judentum . Das bedeute Abkehr von
der leidenschaftlichen Stellungnahme zu den
deutschen Vorgängen , Notwendigkeit der
Erziehung des Gesnm Judentums zur jüdi¬
schen Fol : Lik . „ Non - Cooperation “ bedeute
keine Aufgabe oder Vernachlässigung staats¬
bürgerlicher Rechte und Pflichten , " sondern
Distanzierung von Vorgängen , zu denen wir
keinen Zugang haben . — Der zweite Auf¬
satz zeigt die Konsequenzen dieser Stellung .
Die Arbeit der Eingliederung der Juden
in das deutsche Volk könne nur unter teil -
weisem Verzicht fortgeführt werden . Ein
Verzicht darauf , unsere Denk - und Hand¬
lungsweise als verbindlich für das deutsche
Volk über unseren Kreis hinaus zu be¬
trachten . Das wäre eine Bejahung des Pro¬
gramms des „ aufgeklärten Antisemitismus “ ,
etwa Sombar ! 3 . Notwendig wäre „ Coopera¬
tion “ , Sammlung nach innen und Anlehnung
an , das Ges & ai Judentum . Das hätte auch
kulturelle Konsequenzen und — nicht näher
ausgeführte ~ Verzichtnotwendigkeiten zu
bedeuten . Der Zionismus hätte diese Auf¬
gabe nicht erfüllt , von ihm sei die starke
Betonung der „ Golusarbelt “ , Initiative in
bezug auf die unmittelbare Erhaltung der
deutschen Juden und Pflege der Beziehungen
zur Gesamiiudenheit zu fordern .
Die schwerste innere Krise der Juden -
beit stänce uns noch bevor , wenn der zu -
säinmenhaltende Druck von aussen nachzu -
lassen beginne . Deshalb müsse mit der jü¬
dischen Cooperation bald begonnen werden .
Der Verfasser ist weiten Kreisen durch
sein Buch über „ Die wirtschaftliche
Krise des deutschen . Juden “
uni seine wiederholten Bemühungen um
Rerufsumschichtung bekannt Besonders die
jüdische Jugend dankt ihm wichtige
Hinweise auf ihre Lage . Gerade deshalb
muss gefragt werden , wie Dr . Marcus sich
die konkreten Auswirkungen
einer solchen Parole vorstelu . Es ist sicher ,
dass gerade in letzter Zeit die deutsch -
politischen Parolen der jüdischen In¬
stitutionen oft als verfehlt und unzureichend
empfunden wurden . Ebenso hat man fest -
stellen müssen , dass die zionistische
Presse trotz aller Polemiken gegen C . V .
und C . V . - Arbeit letzten Endes kaum etwas
Neues gesagt , und dass die „ Jüdische Rund¬
schau “ in dem Masse , in dem sie sieb
stärker mit dem praktischen Verhalten zu
einzelnen politischen . Ereignissen befasste ,
zu ganz ähnlichen Formulierungen
und Empfehlungen kam , wie sie die „ C . V . -
Zeitung “ seit Jahren gegeben hat . So
augenfällig das Ungenügen der bisherigen
Parolen ist so wenig ergibt sich daraus die
Folgerung , dass neue , weitergehende er¬
folgreicher sein werden . Es ist vielmehr zu
fragen , ob es heute noch möglich ist , solche
allgemeinen Parolen zu geben , soweit sie
über ganz praktische Hllismassnahmen w ' ie
Berulsumschichtung . Heime usw . hinaus¬
gehen . Ob die Einheit der An¬
geredeten nicht weithin eine Fiktion
ist und ob noch ‘ eine zentrale Stelle vor¬
handen ist , von der ein solcher Appell legi¬
tim ausgehen , könnte .
Zunächst ist zu klären , welche
Schichten der deutschen Judenheit von
solchem Ruf sich verpflichtet fühlen können
uni welche Wirkung eine solche Seibst -
distanzieruog auf ihre jüdische Stel¬
lung haben würde .
Da ist zunächst die Schicht von jüdischen
Intellektuellen , die in den sozialisti¬
schen Parteien und Gruppen , in der „ linken “
Presse uni Literatur tätig sind . Das ist
eigentlich die Gruppe , die den sichtbar¬
sten und angegriffensten Teil
„ allgemeiner Betätigung “ von Juden dar -
stellen . Es ist oft genug darauf hingewiesen
worden , dass gerade diese Menschen nur
zum kleinsten Teil sich ver . -
pflichtend , an die jüdische Ge¬
meinschaft gebunden fühlen , es ist fast
ausgeschlossen ; dass eine solche Parole hier
Gehör fände . Dann ist da die breite Schicht
des deutschjüdischeis Bürger¬
tums , die grossenteils im , C . V . ihre jü¬
dische Heimat hat Diese Schicht hat Ihren
politischen Ort mit der Demokrati¬
schen Partei — Siaalspartei —
im wesentlichen verloren . Dass sie ihn
im Zentrum oder in der S . P . D . wieder -
iinden wird , ist kaum wahrscheinlich . Es
ist natürlich , dass viele Menschen vom Ort
ihrer jüdischen Bindung , dem C . V . . ihren
politischen Weg gewiesen haben ' wollen .
Ebenso sicher ist , das3 der C . V . seiner
ganzen Voraussetzung und Kon¬
struktion nach einen solchen
Weg nicht zeigen kann . Noch
u n m ö g 1 i c h e r ist es aber , dass der C . V .
eine jüdische Parole wie die „ Non - Coopera¬
tion 4 * aufnehmen . könnte . Denn seine hohe
jüdische Bedeutung ist für einen sehr
grossen Teil seiner Mitglieder unlöslich ver¬
knüpft mit seinem Kampf für völlige Gleich¬
berechtigung . Dieser „ freiwillige Teil ver¬
zieht “ wäre nicht nur ein Preis geben
eines wichtigen Kampfmittels gegen die
völlige Entrechtung , sondern auch ein Ver¬
zicht auf einen grossen . Teil seiner Gefolg¬
schaft , der damit seine wichtigste jüdische
Bindung verlieren würde . Wer weiss , wie
hohe menschliche Reserven in
dieser Menschengruppe vorhanden
sind , wird solchen „ Sammlungs “ - Erfolg ab¬
lehnen , auch wenn er die dort vorhandene
Haltung bekämpft .
Es ist anzunehmen , dass Dr . Marcus vor
allem an die jüdische Jugend gedacht hat ,
in der allerdings das Durcheinander und
Ineinander jüdischer und allgemein - politi¬
scher Beweggründe und die Gefahr der Los¬
lösung vom Judentum besonders gross sind .
Diese jüdische Jugend bietet aber durch¬
aus kein einheitliches Bild .
Das öffentliche Gesicht der jüdischen Jugend
wird viel zu stark bestimmt von der hün¬
dischen Jugend , die nur einen geringen
Bruchteil von Menschen erfasst . Gerade von
der hündischen Jugend her muss sehr ernst
davor gewarnt werden , diese paar tausend
Menschen als repräsentativ für die jüdische
Jugend anzusehen . — Unseren Menschen
wird durch eine solche Parole nicht geholfen
werden . Wenn wir sie jüdisch zu erfassen
vermögen , dann wird sich das in der prak¬
tischen Gestaltung ihrer Stellung zur nicht -
jüdischen Umwelt erweisen . Wenn wir
nicht genug an jüdischer positiver Bindung
geben können , dann wird uns den drängen¬
den Forderungen der ökonomischen und
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In dieser Nummer ausserdem :
HEINZ COHN :
Zum Thema : „ Judentum
und Sozialismus / 4
HEINZ WARSCHAUER :
Planmässiger Aufbau von
Idee und Arbeit *