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Wmmehem MaximiiiM
nnd MiniiMiiiti
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Englischen Pressemeldungen zufolge ist am 3 . Januar abends eine Botschaft
des Kolonienministers Ormsby - Gore an den in den Ruhestand - tretenden
High Commissioner von Palästina , Sir Arthur W a u c h o p e , veröffentlicht
worden . Die Botschaft trägt die Form eines Weissbuches . Es kommt darin u . a .
zum Ausdruck , dass die Regierung zwar ihre allgemeine Zustimmung zu dem
Plan der Peel - Kommission gegeben habe , na « h dem eine Dreiteilung des Landes
das beste Schema darstelle . Der Kolonienminister betont jedoch ausdrücklich ,
dass sich die Regierung Sr . Majestät in keinem Sinne zur Billigung des Planes
verpflichtet fühle . So habe sie z . B . den Vorschlag der Umsiedlung von Arabern
aus dem jüdischen in den arabischen Gebietsteil noch keineswegs angenommen .
Wie bereits bekanntgegeben worden sei , werde eine neue Kommission für Pa¬
lästina ernannt werden . Schlussfolgerungen würden sich dann nach Vorlage in
Gen ! und nach einer weiteren Zeitspanne ergeben .
Wie schon in unserer vorigen Ausgabe
kurz angedeutet wurde , mehrten sich be¬
reits in den letzten Wochen die englischen
Stimmen , die von einer Aufgabe des Peel -
Planes seitens der britischen Regierung
wissen wollten . Nachdem zunächst „ E v . e -
i » i n g Standard " mitgeteilt hatte , dass
eine beachtliche Gruppe im Auswärtigen
Amt aus Besorgnis vor einer weiter fort¬
schreitenden Verstimmung der Araber dem
Teilungsplan entgegenarbeite , vervollstän¬
digte , ,D a i 1 y Her a 1 d " diese Informa¬
tionen noch nach der Richtung , dass meh¬
rere Mitglieder des Kabinetts in bezug auf
die Palästinapolitik einen radikalen Kurs¬
wechsel vorbereiten und sich bemühen , den '
Premierminister Chamberlain in ; diesem
Sinne zu beeinflussen . Unter den dissen¬
tierenden Kabinettsmitgliedern wurden
yor allem genannt : der Innenminister Sir
Samuel Hoare , Lord Winterton ,
der Earl of Zetland sowie Lord
Halifax . Als Inhalt des von dieser
Gruppe vorgeschlagenen Palästinapro¬
gramms wurde die Beschränkung des jüdi¬
schen Status in einem gesamtarabischen
Palästinastaat unter Ablehnung sowohl des
Teilungspians wie auch der Schaffung eines
Jüdischen Nationalheims genannt . Obgleich ,
wie es w y eiter hiess , Aussenminister Eden
trotz gewisser Bedenken , die auch ihm
hinsichtlich , des Peel - Planes gekommen
seien , die bisherige Linie des Kolonien -
ministeriums weiter zu stützen bereit sei ,
wurde doch ein Rücktritt des Kolonien¬
ministers Ormsby - Gore als Folge dieser
Differenzen für möglich bezeichnet .
In alle diese Kombinationen hat die
oben wiedergegebene . Kundgebung des
Kolonienministers zum ersten Mal einige
Klarheit gebracht . Es seheint danach fest¬
zustehen , dass die neue , in den nächsten
Tagen zu ernennende Kommission , die ur¬
sprünglich nur technische Funktionen in
Ausführung des Teilungsplanes durchzu¬
führen bestimmt war , wahrscheinlich mit
Vollmachten ausgestattet werden wird , die
so weit gehen , dass sie auch die Ausarbei¬
timg völlig neuer Lösungsmöglichkeiten um¬
fassen werden . Die Umstände , unter denen
diese schrittweise Abkehr von dem seitens
der Regierung zunächst mit so eiserner
In dieser Nummer finden unsere Leser u . a . :
Max Osborri : Wie die Kunstfälscher ar¬
beiten — Margarete Steinberg : Adolf
Goldschmidt 75 Jahre — Max Lieber¬
mann an „ Kind aus seiner Klasse " —
Eiias Hurwicz : Vom üebersetzen —
Julius Bab : Die Demütigen — Lutz Welt¬
mann - . Franz Molnar — Was wird aus
den rumänischen Juden ?
Die Beilagen :
Wirtschaft der Woche — Palästina - Um¬
schau — Sportblait — Schachecke
Von - jetzt an jede Woche
„ Gottesdienste in Berlin "
Energie vertretenen Programm vor sich
geht , geben zu der Besorgnis Anlass , dass
es sich um eine Kursänderung zu Un¬
gunsten der . jüdischen Interessen handeln
dürfte . Zwar wird . von bestimmter Seite
der Gesichtspunkt in den Vordergrund ge¬
schoben , dass die . Revisionsgedanken inner¬
halb der britischen Regierung ihren Aus¬
gang vom Kriegsministerium nehmen und .
dass - dort srrategisch ' e , also in ihrer Konse¬
quenz den Juden günstige Momente aus -
schlagebend seien . Es wird darauf hinge¬
wiesen , dass der kürzlich erfolgte Wechsel
im Generalstab insofern nicht nur einen
Wechsel von Personen , sondern auch der
prinzipiellen Strategie bedeute , als die
neuen Männer vor allem die Wertlosigkeit
der sogenannten „ Punktstrategie " , d . h . der
Festungen ohne Hinterland , betonten . Das
bedeute aber im Hinblick auf Palästina eine
möglichst weife Ausdehnimg des jüdischen
Hinterlandes von Haifa . Abgesehen jedoch
von dieser Einzelerwägung ist die Revisions¬
bestimmung ini allgemeinen so deutlich von
dem Wunsch getragen , die umworbene
arabische Welt endlich zu einem modus
vivendi zu bringen , dass es ein unverzeih¬
licher Optimismus wäre , von ihr eine Ver¬
besserung der jüdischen Chancen zu er¬
hoffen . Symptomatisch dafür ist vor allem
die Stimme der Zeitschrift „ Great B . ri -
ta in and th e Eas t " , die sich immer
für den Peel - Plan - stark gemacht hatte und
auch jetzt grundsätzlich noch daran festhält ,
die jedoch gewisse Modifikationen , mit
denen man - den Beschwerden der Araber
entgegenkommen könne , auch bei dieser
Grundhaltung durchaus als im Bereich des
Möglichen liegend betrachtet .
Angesichts dieser Situation ist es kein
Wunder , dass die Zionistischen Organisa¬
tionen und darüber hinaus die jüdischen
Kreise allerorten die Entwicklung mit
äusserster . Besorgnis betrachten . Die Eng¬
lische Zionistische Föderation hat in einer
unter dem Vorsitz von Lady Reading
stehenden Versammlung am 3 . Januar eine
Entschliessung angenommen , in der sie
sich feierlich jeder Lösung des Palästina¬
problems auf dem Status einer dauernden
Minderheit der Juden widersetzt , das histo¬
rische Recht des jüdischen Volkes auf die
Errichtung eines jüdischen Staates in
Palästina erneut feststellt und die Ein¬
verleibung des jüdischen Teils des Landes
in das Empire fordert . Weniger , erfreulich
als diese klare und selbstbewusste Er¬
klärung des der britischen Politik am
engsten benachbarten Teiles der Zio¬
nistischen Weltorganisation sind die
Plänkeleien , zu denen die neueste Entwick¬
lung innerhalb der jüdischen Reihen Ahlass
gegeben hat . In England haben offenbar
einige jüdische Finanziers , die dem Juden¬
staatsgedanken grundsätzlich ablehnend
gegenüberstehen , die entstandene Unklar¬
heit benutzt , um ihren Standpunkt in un¬
sachlicher Verallgemeinerung durch Füh¬
lungnahme mit den Teilungsgegnern inner¬
halb der Regierung in den Vordergrund zu
rücken . Dieses Verhalten , von dem nicht
entschieden genug abgerückt werden kann ,
ist allerdings nicht zu verwechseln mit den
Kräften , die angesichts der sich immer
schwieriger gestaltenden Allgemeinlage
immer noch und immer wieder darauf
hinweisen , dass eine eigentliche Lösung
■ nur von einer Kooperation zu erhoffen ist .
Der gegenwärtige Augenblick ist da¬
durch gekennzeichnet , dass die Teilung
Palästinas , zu der sich in Zürich die be¬
rufenen Vertreter der Judenheit nur teil¬
weise und unter stärkstem Zögern ver¬
standen haben , weil sie darin ein Minimum
des Notwendigen und Erreichbaren er¬
blickten , im Laufe der letzten Monate zu
einem Maximum geworden ist , um das
man heute schon schwer ringen muss , w r eil
es von einer weit ungünstigeren Alter¬
native bedroht erscheint . Diese Entwick¬
lung sollte zu denken geben . An anderer
Stelle dieses Blattes ist ausgeführt , dass es
drei Etappen jüdisch - arabischer Verhand¬
lungen gegeben hat : bei Ausbruch der
Unruhen wurde über einen Zehnjahresplan
verhandelt , an dessen Ende sich das
Zahlenverhältnis der Bevölkerungsgruppen
erheblich zugunsten der Juden gebessert
haben würde . Bei der Abreise der Peel -
Kommission wurde über eine Verständi¬
gungsbasis verhandelt , in deren Mittel¬
punkt die politische Parität " und die Auto¬
nomie der 3üc . vrhen Bevölkerung - stehen -
sollte . Auch heute ist wieder verhandelt
worden . Die Basis hat sich wieder ver¬
schlechtert , denn man spricht von der Ein¬
verleibung der Juden Palästinas in eine
arabische Staatenföderation . Aber es ist
auch davon die Rede , dass auf diese Weise
eine Million Juden in absehbarer Zeit nach
Palästina und eine weitere Million in die
arabischen Nachbarstaaten einwandern
könnten — wanderungspolitische Vorteile
immerhin , die in einer verriegelten Welt
ins Gewicht fallen . Auch wird in diesem
System wieder eine weitgehende Auto¬
nomie der Juden in Aussicht genommen .
Sämtliche Etappen solcher Verhandlungen
sind zur Zeit , als sie geführt wurden ,
dementiert und wohl auch als Defaitismus
verdächtigt worden . Auch heute wieder
jagt ein Dementi und eine unentwegte Pro¬
klamation die andere . Zuletzt hat der Vor¬
sitzende der Exekutive der Jewish Agency ,
Ben Gurion , wiederum erklärt , und zwar
in einer Versammlung , in der Beschlüsse
für die Schekelkampagne zum nächsten
Zionistenkongress gefasst wurden , dass die .
„ Feinde des Zionismus " ihr äusserstes tun ,
um den geplanten Judenstaat zu ver¬
hindern , dass es aber nur die Alternative :
Judenstaat in einem Teil des Landes oder
Minderheit in einem Araberstaat gebe .
• Uns seheint , dass mit derartigen starren
Festlegungen in einem Augenblick , in dem
unserem Einfluss entrückten geschichtliche
Kräfte die Entwicklung wieder ein¬
mal in Fluss gebracht haben , nicht viel
gewonnen ist . Die neue Unsicherheit ist
von jüdischer Seite nicht verschuldet wor¬
den . Sie wnrd als verhängnisvoll empfunden
und man strebt , sie so schnell wie möglich
zu beenden . Aber es müsste das Ziel einer
wahrhaft staatsmännischen Bewältigung
der neugeschaffenen Lage sein , sie nicht
unter unverhältnismässigem Kraftaufwand
schematisch auf eine Etappe zurückführen
zu wollen , die vor ganz kurzer Zeit noch
als schwer erträgliche Kompromisslösung ,
empfunden wurde . Die kurze , aber in
ihrer abgleitenden Kurve aufschlussreiche
Geschichte der jüdisch - arabischen Verhand¬
lungen sollte als Warnung dienen . Sie
weist dringend darauf hin , dass eine
Lösungsform gefunden werden muss , die
in den Interessen beider widerstrebender
Parteien so fest verankert ist , dass nicht
wiederum wenige Monate genügen , um
einen heute vielleicht noch " erreichbaren
Ausweg zu einer unerreichbaren Illusion
zu machen — immer vorausgesetzt frei¬
lich , dass die europäische Orientpolitik eine
Auflage überhaupt , ermöglicht . B . R . - J .
€ hron £ k
i .
A . H . Zu Beginn des sechsten Jahres
unseres Schicksalsweges um eine Gesamt¬
schau bemüht , sehen wir unser äusseres
Dasein in fast allen seinen Erscheinungs¬
formen der Zielsetzung immer näher , die
man sich für uns vorgenommen hat . Eine
Aufzählung dieser Entwicklung im ein ei¬
nen förderte aber nicht die Kräfte , die wir
um so stärker brauchen , je mehr wir ; uuf
uns selbst gestellt sind . Viel wichtiger ist
die Feststellung dessen , was aus eigener
Leistung noch zu tun bleibt oder neu getan
werden muss . Wesentlicher fast als die
schmerzliche Verringerung unserer Mög¬
lichkeiten in diesem oder jenem Sektor
wird da die Frage , wie wir der bedroh¬
lichen Verschmälerung unserer seelischen
Existenzbasis entgegenwirken können . Ein
unerwarteter Faktor ist dabei neu aufge¬
treten : Rumänien .
Es erscheint vielen fast als eine Bestäti¬
gung , unserer eigenen Situation , dass im *
Südosten Europas eine uns an Zahl vielfach
übertreffende , von kultureller und ma¬
terieller Tradition im Durchschnitt weniger¬
er füllte Judenheit auch te . einen dunkln
Strudel hinabgezogen zu werden - scheint .
Die eigene Erfahrung übernimmt vertraute
Symptome leicht ohne nähere Prüfung , und
sieht bereits den Ablauf , wo kaum erst ein
Anfang deutlich wird . 4 Es gibt eben keine
schlechteren Diagnostiker als Kranke , da
sie überall auf Anzeichen , ihres eigenen
Leidens zw treffen meinen . Gewiss , wenn
man liest , wie sich die Absichten der ru¬
mänischen Regierung äussern , fühlt man
sich zumindest berechtigt , nachempfinden
zu können , was in der Seele der rumä¬
nischen Juden vorgeht Aber vielleicht
stimmt auch das nur zum Teil . Denn was
dort genommen werden soll , haben die
meisten in Wirklichkeit kaum je besessen .
Und der aufmerksamere Blick findet Er¬
scheinungen in - und ausserhalb - der rumä¬
nischen Grenzen , die sich dem ungehemm¬
ten Abrollen der gegen die Juden gerich¬
teten Pläne entgegenstemmen könnten , und
die sorgfältiger Beobachtung bedürfen .
■ Wir merken gerade bei Gelegenheiten
wie dieser , was aus unserer Gemeinschaft
hier geworden ist , wenn wir uns vergegen¬
wärtigen , mit welcher Kraft und mit
welchem Erfolg in früheren Jahrzehnten
Juden unseres Kreises für die rumänischen
Schicksalsbrüder eingetreten sind — viel¬
leicht ist das das einzige , worin wir jenen
voraus sind , das stärkere Bewusstsein eben '
dieser Schicksalsbrüderschaft — , während
wir diesmal fast allein darum besorgt sein
müssen , dass die Parallelität dieser oder
jener Entwicklung nicht wechselseitig zur
seelischen Schwächung führt .
Es gibt - " Wenn es erlaubt ist , diesen
Begriff zu wählen — keine Konkurrenz von
Juden gegenüber Juden auf dem Markte ,
wo die Hilfe für Judennot notiert wird , so¬
lange sie als P a r t n e r der Hilfe auftreten
und an sich und auf sich halten , um nicht
ihr O b j e k t zu werden . Das Neuauftreten
von 800 000 Juden schwächt nicht etwa die
Hilfsfähigkeit der grossen jüdischen Hilfs¬
organisationen , oder müsste sie halbieren
oder dritteln . Wenn , was als dunkle Wolke
seit langem am jüdischen Himmel hing , die
Riesenmassen der östlichen Judenheiten in
Bewegung zu geraten drohen , so sind sie
nicht mit den Mitteln aufzufangen oder um¬
zuleiten , die , wie wir gesehen haben und
täglich wieder sehen , kaum für die wande -
rungsfähigen Menschen unseres Kreise ?