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10. Jahrgang
5683 ניסן —אייר
Marz—April 1923
Heft 3/4
Das Hohelied.
Von Dir. Dr. Joseph Carlebach.
Einleitung.
Unergründlich ״ wie die Liebe selbst ist das Lied der Liebe השיירים Ttr. Frommer Mund singt es Sehnsuchtstrunken, und er weiss nicht, was er singt. Wem der keuschen Liebe hohes Mysterium als Morgenröte des Lebens aufdämmert, dem flammt beim Lesen des Liedes hier und dort ein Wort oder ein Satz, entgegen, das sein Fühlen so vollkommen, so wahr und heilig ausdrückt, dass das Buch als geniale Schau eines Mysterien- ergründers ihm bezeugt ist, mag immerhin der Sinn des Ganzen ihm ein Geheimnis bleiben. Genug, dass Liebe als sein letzter Sinn und Inhalt ihm gewiss ist. Er singt das Lied, und er fragt nicht, was er singt. Wer wird eine Logik und Geometrie dieses Weltmysteriums fordern, wer die Geschichte und Entwicklung seiner Fleischwerdung in Salomo und Sulamifch verlangen? Wie wenn Du die Diamanten im Diadem eines fern von deinem Auge thronenden Königs funkeln siehst und seine Gegenwart ist dir dadurch verbürgt; wie wenn dem Wanderer in der Nacht von einer Stadt die Lichter entgegenflimmern und er fragt nicht mehr nach ihrem Umriss und Weichbild, so fühlst Du Dich gewiss über das Wesen Schir Haschirims, nachdem einmal aus einigen Versen die מ Gottesflamme der Liebe“ dir entgegenleuchtet und dein Innerstes ergriffen hat.
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