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Herrn , so weit es no ch beste ht , wird aufgehoben
u . s . w . " Nach diesen ersten , wenn auch ganz unvollständi¬
gen , Berbesserungsschritten ist nun für die Folge Besseres zu
erwarten , da die Israeliten doch nun nicht mehr Schutzjuden
sind , sondern als Bürger anerkannt werden . * )
Der Golem und hie Ehebrecherin .
Eine Prager Legende * * )
Was lauft der Bote hin und her ,
Was deutet wohl sein Schrei ' n ?
Die Zeit des Betens ist nicht mehr ,
Was Andres muß es sein ! —
* ) Mit den Verhandlungen über diesen Gegenstand in den han -
növerischen Kammern , die ohnedies in den Zeitungen , besonders in
der Leipziger Allgemeinen Zeitung , gar sehr ausführlich mitgetheilt
wurden , wollen wir die Leser unserer Zeitschrift um so mehr ver¬
schonen , als diese Kammererörterungen zu traurigen Betrachtungen
Anlaß geben . Bei so mancher Menschen - und judenfeindlichen Aeuße -
rung einzelner Kammermitglieder fragt man sich erstaunend :
Wohnen denn diese Männer wirklich in Deutschland und in dem
civilisirten Hannover ? — Wissen sie denn auch nicht , daß ihre
abgedroschenen Zweifel , Fragen und Aeußerungen schon bis zum Ue -
berdrusse langst erörtert , widerlegt , und zwar auch praktisch wi¬
derlegt sind ; daß z . B . auch in dem ihnen nahen Preußen die Juden
seit dreißig Jahren gleiche bürgerliche Rechte mit den Chri¬
sten genießen , und man also besonders dort solche für die Juden
nachtheilige Besorgnisse verschiedener hannoverscher Kammermitglie¬
der nur lächerlich finden mußte ? Mußten sie denn nicht schon
durch dieses Beispiel allein , so wie durch das anderer , nicht bloß
ferner , sondern deutscher Länder sich widerlegt finden ? Doch ge¬
nug über diesen fatalen Punkt , und statten wir lieber der königlich
hannoverischen Negierung unfern Dank dafür ab , daß sie die Ver¬
besserung des traurigen Zustandes ihrer israelitischen Unterthanen
begonnen hat .
* * ) Bekanntlich existiren in der Prager Jsraelitengemeinde viele
Sagen und Legenden , die besonders von der Zeit herrühren , in wel¬
cher der sogenannte „ hoche " Rabbi Lob ( aus Hoch ) dort lebte , von
welchem viele Wunderdinge erzählt wurden , die als Sagen noch im¬
mer im Volke fortteben / So soll denn dieser bekannte Kabbalist auch
einen Golem ( eine aus Lehm geformte männliche Figur ) besessen
haben , der ihm , nachdem er einige kabbalistische Charaktere und
Worte in sein Inneres gelegt , auf sein Befragen Geheimnisse entdeckt
habe . Bloß am Sabbath soll dieser Golem von ihm nicht benutzt und
vielmehr mit Fragen verschont worden sein . D , H .