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Im deutschen Reich.
historischem und rein theoretischen Charakter. Zeugen der betreffenden Unterhaltung von jeder nur wünschenSwerthen Respektabilität stehen zur Verfügung." — Die Freie Preffe bemerkt dazu: „Seine antisemitische Gesinnung stellt Herr Amtsgerichtsrath Sedl damit nicht in Abrede." — Gegen den bekannten antisemitischen Redakteur Ludwig Wengg hatten der Kaufmann Julius Meyer mit fünf Geschäftskollegen Beleidigungsklagen wegen der in der Beilage des „Deutschen Volksblattes" enthaltenen Aufforderung erhoben, Festgeschenke nur von Christen zu kaufen. Das Schöffengericht erkannte seiner Zeit auf Freisprechung, desgleichen das Landgericht München I als Berufungsinstanz, weil aus dem Inhalte der Flugschrift keineswegs eine beleidigende Absicht gegen bestimmte Personen abgeleitet werden könne. Das Flugblatt sei nur gegen die Juden im Allgemeinen, speziell gegen die Inhaber sogen. Schleudergeschäfte und Schundbazare gerichtet, die hauptsächlich aus Polen stammen, worunter zweifelsohne die sechs Privatkläger nicht gezählt werden könnten. Gegen das zweitinstanzielle Urtheil wurde von den Privatklägern durch Rechtsanwalt vr. Frankel Revision eingelegt, weil der Begriff der Beleidigung seitens der Vorinstanzen viel zu eng gefaßt worden sei und der Begriff „Kollektivbeleidigung" völlig verkannt wurde. Nach eingehender Berichterstattung seitens des Rathes Berghamer wurde die Revision von Rechtsanwalt Friedsam in Vertretung des Dr. Fränkel in ausführlichem Vortrage als begründet befürwortet mit dem Anträge, die sreisprechenden vorinstanzlichen Ur- theil§ aufzuheben. Redner betonte u. a., daß nicht die gesammte Judenschaft beleidigt sei, wohl aber die jüdische Kaufmannschaft Münchens, und eine Beleidigung allerdings vorliege, wenn es sich um einen Personenkreis handelt, der sich im Umkreise einer Stadt oder einer Ortschaft besindet. Die Revision wurde aber kostensällig verworfen.
Der Einladung des „Rektors aller Deutschen" zu einem Vortrag über „Das deutsche Volk im Kampf um seine Existenz" gegen 30 Pfg. Eintrittsgeld waren am 4. d. Mts. etwa 1500 hiesige Einwohner gefolgt. Redakteur Wengg eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er gegen die Judenpresse und das „Dreyfussyndikat" loszog, und dann sprach Ahlwardt unter Verwendung seiner bekannten Witze und Schimpfereien bis 20 Minuten vor 12 Uhr. Innerhalb dieser 20 Minuten sollte sich also die angekündigte „freie Diskussion" abspielen. Der Nürnberger Antisemit Wiesner pflichtete zunächst Ahlwardt vollständig bei, um sich dann gegen Wengg zu wenden, dessen Führung die Sache des bayrischen Antisemitismus aussichtslos mache. Die
