Vücherschau.
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aufgabe erkannt" hatte. Mit Freuden können wir solche Bundes- Henossin in dem schweren uns aufgedrungenen Kampfs begrüßen. Seit dem Erscheinen jenes ersten Buches ist Nahida Remy, welche vom Judenthum und seinen Bekennerinnen in uns zum Herzen gehender Weise zu schreiben wußte, selbst Bekennerin des Judenthums geworden. Wie dies gekommen, Lheilt uns das vorliegende Buch: „Ich suchte Dich" mit.
Gewiß ist das wahre Ziel aller Kulturreligionen, ihre Bekenner zu guten Menschen zu erziehen. Eine ganz objektive Abschätzung des Werths ihrer Dogmen und Moralvorschriften ist unmöglich, ganz davon abgesehen, daß die letzteren größtentheils übereinstimmen. Wenn wir auch subjektiv von den Vorzügen gerade unserer Religion überzeugt sein mögen, so müssen wir doch jedem Andersgläubigen dieselbe Ueberzeugung zugestehen und werden für jegliche religiöse Proselytenmacherei die Verurtheilung in Lessing's Worten ausgesprochen finden:
„Nun wessen Treu und Glauben zieht man denn Am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen?
Wie kann ich meinen Vätern weniger
Als du den Deinen glauben oder umgekehrt?"
Interessieren wird es uns aber jedenfalls, daß eine zugleich hochgebildete, geistvolle und tief religiös angelegte Persönlichkeit wie Nahida Remy die Uebereinstimmung zwischen Wissen und Glauben, den ihr ihre ererbte Religion nicht zu bieten vermochte, gerade im Judenthum gefunden hat, nachdem sie durch eingehende jahrelange Beschäftigung mit dem alten und neuen Testament und umfassende theologische Studien die verschiedenen Religionen kennen gelernt hatte. Der Religionswechsel unter solchen Umständen ist natürlich als Verwirklichung wohl „begründeter" persönlicher Ueberzeugung hoch zu achten. Mit dem Uebertritte zu einer fremden Glaubensgemeinschaft aus unlauteren Motiven hat er garnichts Gemeinsames und ist auch himmelweit verschieden von jenem scheinbar untadelhaften Glaubenswechsel, den heute, durch ihre Eltern veranlaßt, nicht selten jüdische Kinder oder junge Leute vornehmen. Wissen doch diese Konvertiten von dem Glauben ihrer Vorfahren garnichts!
In Bezug auf den Glaubenswechsel der Verfasserin des vorliegenden Buches sei noch Folgendes erzählt. Mit Sicherheit läßt sich aus ihren Mittheilungen ersehen, daß sie schon Anstalten getroffen hatte, sich in die israelitische Glaubensgemeinschaft aufnehmen zu lasten, ehe sie eine Ahnung davon haben konnte, daß „Gott sie
