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Freiheit geben". Wie sollte hier derMangel eines allgemeinen Programms" zu beklagen sein? Liegt denn nach Ansicht des Herrn Verfassers der Werth und Erfolg einer Arbeit durchaus in der All­gemeinheit der Aufgabe und nicht vielmehr in der Erkenntniß ihrer Sonderheit? Der Herr Verfasser tadelt und bedauert in seinen Aus­führungen mit gutem Fug, daß die Juden sich zu spät auf sich selbst besonnen uud die Dertheidigung ihrer Rechte zu lange andern über­lassen haben. Noch nie ist dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens das Verdienst bestritten worden, diese Unter­lassungssünde erkannt und Abhilfe geschaffen zu haben. Wir dürfen es als Anerkennung der angewandten Mittel ansehen, daß der Verein von Jahr zu Jahr an Boden gewinnt, und müssen bedauern, daß der Herr Verfasser deutlicher unsere Kampfesweisekleinlich und persönlich" nennt. Dadurch hat ja gerade der Antisemitismus überhand genommen, daß die Juden mit einer gewissen Vornehmheit ec für kleinlich hielten, jede auch noch so geringe Verdächtigung und Verkümmerung ihrer Rechte zu bekämpfen und die Scholle, die sie ererbt oder erworben hatten, zu vertheidigen. Gewiß muhten wir hierbei gegen einzelne Personen Vorgehen, ihre Ziele und unlauteren Mittel mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes und des Rechts enthüllen. Vielleicht haben wir hierbei das eine oder andere Mal einer geringfügigen Beleidigung zu großen Werth beigelegt, geschadet haben wir uns und unser» Glaubensgenossen nie. Wir haben uns dadurch vor dem verhängnisvollen Fehler geschützt, unsern Gegner zu unterschätzen und an maßgebender Stelle den Schein ;u erwecken, als ob wir den Rücken beugten und nicht die geballte Faust zu erheben wagten. Wir haben den Weg a rniaori ad maius eingeschlagen und werden den Boden, den wir errungen haben, behaupten.

Nicht weil wir gegen jeden Tadel empfindlich, sondern weil wir fm jede gute Anregung enrpfänglich und dankbar sind und in unsern Reihen jede Mißdeutung und jeden Mißton verhindern wollen und müssen, haben wir uns zu dieser Klarstellung veranlaßt gesehen. Wir sehen einer gerechten Beurtheilung mit Ruhe und Zuversicht entgegen.