Im deutschen Reich.

Ihre eigenen Freunde das nachsagen lassen? Nein, ein solches testi- ruomnm paupertatis wollen Sie ihnen im Ernste nicht ausstellen, und deshalb widerlegen Sie sich selbst wenige Zeilen später mit der zwar auch unsinnigen Behauptung:Das Judcnthnm ist kein Volk, sondern eine Klaffe, die Händlerklasse, bald Wucherer, bald Kaufmann." Wenn übrigens diese Behauptung in ihrem vollen Umfange heute zuträfe, wäre es Schuld des Judenthums oder derer, die auch heute noch am liebsten die hoffentlich endgültig gefallenen Ghettomauern wieder er­richten mochten? Aber sindJhnen wirklich dieVerdienste jüdischerMänner auf anderen Gebieten, als demjenigen des Handels, die Leistungen von Juden in Kunst und Wissenschaft gänzlich unbekannt, oder haben Sie den Muth der Gerechtigkeit, sie anzuerkennen? So ist man versucht zu fragen, wenn man Ihre Ausführungen über die Krämer liest, die doch immer Krämer bleiben werden, Werl ihnen auf dem Gebiete des Handels durch 1000jährige Vererbung eine so starke Ueberlegcnheit über die Mehrzahl der Mitbewerber garantirt ist. Wenige Zeilen später aber überkommt Sie wieder die Angst, daß gar diegeistige Führung im Vaterlande übergeht an Angehörige einer Kaste, die den einfachen und sittigenden Verhältnissen nicht eben nur des Ackerbaues, sondern jeder Ur Production nunmehr seit 2 Jahrtausenden entrückt sind." (Sittigend" ist wohl ein Product Ihrer Urprcduction?) Diele unlogischen Sprünge mitzumachen heißt den Lesern doch etwas viel zumutcn! Daß Sie damit nicht auf den Beifall gereifter Männer rechnen können, fühlen Sie selbst heraus, wie aus dom Schlußsätze hervorgeht:Die Studentenschaft wird das Banner des Kampfes auf akademischem Boden nicht niederholen, sondern es zum Siege führen, und wenn es nöthig ist, auch gegen die Sympathien der aka­demischen Lehrer und trotz der Universitätsbehörden." Nun, so lange Ihnen die Zustimmung dieser Kreise sehlt, haben wir keine Veranlassung, Ihre Eppectorationen gar zu tragisch zu nehmen.

Noch ein . Wort zur Nationalitätenfrage! Es heißt nicht weniger, als der Wahrheit Gewalt anthun, wenn von antisemitischer Seite und auch Verfasser stößt in dieses Horn immer wieder den Juden der Nationalcharacter ihres Vaterlandes bestritten wird'. Unsere Väter haben auf dem Felde der Ehre ihr Blut genau so opferwillig für das Vaterland verspritzt, wie Andersgläubige; unsere Muttersprache, unsere geistige und sittliche Erziehung, unser ganzes Empfinden ist deutsch, und wir werden uns den patriotischen Sinn nimmermehr verkümmern lassen trotz aller lärmenden Siegfriedskämpen.

Berlin.

Dr. Jos. Lewv.