Korrespondenzen.

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u. s. w. erheblich verletzt wurden. Die Schutzmannschaft leerte den Saal und nahm einige der Kämpfenden fest. Die ultramontane Presse weist alle Schuld an den Ausschreitungen von sich und macht nur die Christlichsozialen dafür verantwortlich. Thatsache ist, daß der Antisemit Wenng durch Flugschriften seine Parteigenossen aufgefordert hatte, statt in die übliche Monatsversammlung der christlichsozialen Ver­einigung zur Hoensbroech - Versammlung zu kommen und in Masse gegen den neuen Versuch, die Los von Rom-Hetze nach München zu tragen, energisch zu protestieren. Wenng hat auch persönlich durch förmliche Kommandorufe den Radau geleitet. Das Centrum, welches dafür jede Verantwortlichkeit ablehnt, weil hier weite Kreise über die Verwilderung der politischen Sitten durch den Antisemitismus ihre Entrüstung äußern, beruft sich dabei auf das Zcugniß des Rechtsanwalts Goldschmitt II., welcher die Versammlung leitete. Derselbe habe wörtlich gesagt:Ich ersuche die Anhänger unserer Sache, auch die Gegner vollkommen ungestört ihre Meinung zum Ausdruck bringen zu lassen. Ich betone wiederholt den hochachtbaren Standpunkt, den die Centrumspresse eingenommen, indem sie den Centrumsanhängern den Rath gab, den Redner des Abends anzu­hören und dann in der Diskussion vom Podium ihren Standpunkt vorzubringen. Das ist die Haltung eines ehrenhaften Gegners." Leider hatten die Anhänger des Centrums aber zur Bewahrung dieser Haltung nicht die nethige Energie, um ihren antisemitischen Troß im Zaume zu halten.

ft- Würzburg, 6. April. Bei dem diesjährigen juristischen Staatskonkurs in Bayern erhielt die einzige Notel Or. Otto Kahn aus Würzburg. Daß von den Kandidaten, die jüngst den bayerischen Staatskonkurs im Justizfach bestanden, die ersten fünf Juden waren, ist eine prächtige Illustration zu dem Anträge Heim und der angeblichen Stimmung der Bevölkerung, auf welche der bayerische Juftizminister Rücksicht nehmen sollte.

DerWürzburger General-Anzeiger" berichtet:Mit der Ein­führung der Schußmaske in Bayern beim Tödten des Viehes in dem hiesigen Schlachthof war der hiesige Magistrat bahnbrechend. Der hiesige Thierschutzverein, von dem die erste Anregung zur Einführung ausging, richtete diesbezüglich ein Dankschreiben an den Stadtmagistrat, fügte aber gleichzeitig die Bitte hinzu, den Mißstand des Schächteus abzuschaffen, eines Verfahrens, das den Prinzipien des Thierschutzes zuwiderlaufe. Man solle wenigstens das Schächten soweit einfchränken, daß man nur den jüdischen Metzgern das Schächten gestatte. Der Magistrat lehnte gestern, nach Vortrag und Antrag des Referenten Herrn Rechtsrath