Im deutschen
Zeitschrift
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Vrschrinl Mölfmal im Jahre .
XI . JcrHrrg . Berlin , September 1905 .
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Der Kamps um die akademische Freiheit .
Von Oi ' . im ' . Georg Zadig .
a Ls ist nicht das erste Mal , daß der Name der Freiheit als Deck -
K mantel für Bestrebungen benützt wird , welche in Wirklich¬
keit nichts weniger als freiheitlich sind . Die Parteien des Rückschritts
haben häufig genug unter der Flagge liberaler Schlagworte die
Kontrebande reaktionärer Tendenzen geführt . Man erinnere sich
daran , daß die sämtlichen rückschrittlichen Parteien Frankreichs , die
sich im Lager der Anti - Dreyfusards zusammengefunden hatten , die
Republikaner der Intoleranz und illiberaler Unterdrückung be¬
schuldigten und sich selbst als die Kämpfer für Recht und Freiheit
ausgaben . Auf einen ähnlichen Verdacht muß man unwillkürlich
kommen , wenn man den jetzt im Universitätsleben ausgebrochenen
Kampf um die sogenannte akademische Freiheit betrachtet .
Was bedeutet der Begriff „ akademische Freiheit " ? Er bedeutete
ehemals die Exemtion der akademischen Bürger von den ordentlichen
Gerichten . Nachdem diese längst gefallen ist , faßt man ihn gemeinhin
auf als die absolute Lehr - und Lernsteiheit für Professoren und
Studenten ; davon ist jedoch im vorliegenden Falle nicht die Rede .
Betrachtet man die Rechtsverhältnisse , welche auf Grund der einzel -
staatlichen Universitätsstatuten herrschen , so wird man allerdings
finden , daß die Freiheit , die der Student genießt , eine recht be¬
schränkte ist . Die akademische Gerichtsbarkeit ist aus einem
privilegium favoraMle ein privilegimn odiosum geworden . Sie hat
nämlich nur die unangenehmen Konsequenzen , daß der Student wegen
desselben Delikts zweimal bestraft werden kann , das eine Mal von
dem ordentlichen Gericht , das andere Mal noch obendrein von dem
akademischen Disziplinargericht , und daß er wegen verschiedener aka¬
demischen Verfehlungen bestraft werden kann , die nach dem Straf -