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Im deutschen Reich .
Ebenso wie der Jude ist auch der Preuße immer auf
den Profit aus . Während aber der Jude im allgemeinen
nur den Rebbach , der ihm Geld oder Geldeswert einbringt ,
sehnsüchtig wünscht , steckt ihn der Preuße in jeder Form
ein . Er wendet z . B . alle möglichen Schliche an , um Ein¬
ladungen zum Essen , zu Spazierfahrten , zu . Ausflügen ,
bei denen er natürlich freigehalten wird , zu ergattern .
Wenn er so etwas will , dann ist er für den ruhigen Beob¬
achter ein köstliches Objekt , weil er in - diesem Falle von
der spezifisch preußischen Liebenswürdigkeit , die dem ver¬
nünftigen Süddeutschen so läppisch und ekelhaft süß vor¬
kommt , nur so trieft . Mit Vorliebe spricht er dann im
Diminutiv , redet nur mehr von Kindchen , Herzchen , Väter¬
chen , Mütterchen , Schwesterchen , Tantchen , Onkelchen usw .
Und mag er sonst noch so schnodderig sein , sobald es umsonst
etwas zu essen und zu trinken gibt , wird er in der bewußten
Manier „ liebenswürdig " . Da wird auch der Bayer , den
er sonst nur als den inferioren Knödelbayern taxiert , zum
„ lieben Bayern " . Besonders heiter und menschenfreund¬
lich stimmt den Preußen die Aussicht auf geschenkten Sekt .
Dann wird er fast wie ein . Kater , der Baldrian riecht .
Auch hier ist eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Juden
vorhanden . Auch der Jude schwätzt , wenn er etwas pro¬
fitieren will , ununterbrochen drauf los ; nur lobt er nicht
den anderen , sondern sich selbst . Er versichert in einer
Minute zehnmal , daß er ein ehrlicher und rechtlicher Mann
sei und nur das Beste des anderen wolle .
Der Jude verachtet die Angehörigen anderer Religionen
und glaubt , daß er viel klüger sei als sie , und der Preuße
sieht auf andere Nationen von oben herab . Nur er ist nach
seiner Auffassung der Mensch in höchster Vollendung . Er
besitzt wenigstens in seiner Phantasie die grüßte Quantität
von Mut , Pflichttreue , Intelligenz , Fleiß und Patriotismus .
Und weil er sich das einbildet , glaubt er das Recht zum
Kommandieren zu haben und sieht in sich den Mittelpunkt
der Welt . Er hält sich — um ein militärisches Bild zu
gebrauchen — für den Feldmarschall der Menschheit ,
während er in Wirklichkeit nur der Feldwebel der Mensch¬
heit ist .