Der Verkehr mit Rußland .
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Juden nun auch noch in zunehmenden Maße ans der kauf¬
männischen Laufbahn verdrängt werden , so wirb notwendiger¬
weise ein Zustand eintreten , der im allgemeinen Interesse ,
nicht allein im spezifisch - jüdischen , ans das äußerste beklagt
werden muß .
Die konfessionelle Zersplitterung ist ein Unglück für das
deutsche Volk . Sie zu bekämpfen ist unter allen Umständen
verdienstlich .
Dabei soll gar nicht verkannt werden , daß es Firmen
gibt , die einen oder den andern Posten mit Christen besetzt
haben wollen , z . B . deswegen , weil sie der von uns nicht
geteilten Meinung sind , em gewisses MischungsVerhältnis im
Bekenntnis des Personals sei wünschenswert . In solchen
Fällen werden die Betreffenden aber niemals in einer
Zeitungsannonce das Wort „ Christ " besonders her -
v o r h eben , weil si e genau wissen , daß d u r ch
den in vielen Kreisen sanktionierten Sprach¬
gebrauch dieses Wort „ Christ " speziell den
antisemitischen Einschlag des Geschäfts b e -
io eisen soll . Wir veröffentlichen niemals eine Firma ,
ohne bei unseren lokalen Organisationen Erkundigungen ein¬
gezogen zu haben . Handelt es sich um Firmen , die aus
ihrem Antisemitismus keinen Hehl machen , so werden sie
sich nicht wundern , wenn auch die jüdische Kundschaft weg¬
bleibt . Solchen Leuten von jüdischer Seite noch Geld ins
Haus tragen , hieße ein Verbrechen begehen .
Wir sind überzeugt , daß bei objektiver Prüfung dieser
Verhältnisse unsere leidenschaftslose Stellungnahme auch zu
diesem Problem gebilligt werden muß .
Ludwig Holländer .
$
Der WerLeHr mit Hlußkand .
Von der Leipziger Zeitschrift „ Die Post reisender Kauf¬
leute " ist am 2 . März darauf hingewieseu worden , daß durch
eine Reihe von Exporteuren den Aeltesten der Kaufmann¬
schaft in Berlin Klagen über die schikanöse Behandlung von
Geschäftsreisenden jüdlschens Glaubens durch russische Be -