Briefkasten.-
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Br. S. Br., LNünchen. Der oft angeführte, oft mißdeutete und von antisemitischer deckte gern verdrehte oder gefälschte Ausspruch von Br. Walther Nack Henau über die „300 Männer", die unsere „Geschicke lenken", findet sich in einem Aufsatz, der vor Jahren in der „Neuen Freien Presse" erschien. Gr handelte vom Nachwuchs im W- i r t s ch a f tsleben und es war da gesagt, was ja den Tatsachen entspricht, daß. die Entscheidungen innerhalb der .Großwirtschaft von einem Kreise vonj etwa 300 Männern in Europa getroffen werden. Nach und nach hat mau durch immer weiter um gestaltend es Zitieren den ,Satz soweit frer 1 * stümmelt, daß es bei einiger Verdrehung den Ansch>ein gewinnt, als solle oder wolle er besagen, die ganze Welt wird von 300 Juden beherrscht. Wo die Mißdeutung oder der .Gedächtnisirrtum aufhört und etwa die Fälschung anfängt, ist schwer zu entscheiden.
<£mll VO . . 7 .r., Breslau. Muten Sie uns nicht zu, uns
mit den üblichen Erzeugnissen der Anekdotenfabrik von Noda-Noda im Ernst zu beschäftigen. Im übrigen ist dieser vielgewantzte und begabte Herr gewiß kein Antisemit. Er wird auf Bestellung auch judensreundliche Witze liefern.
Herr M. K., LUagöeSurg. Besten Dank für den Hinweis auf die bessere Einsicht, die jetzt in dem pormals antisemitisch gesürbtenj „Sachsenspiegel" so erfreulich und frisch zum Durchbruch kommt.' Wir haben auf -diese Läuterung in den Anschauungen des Herausgebers Herrn Faßhauer, bereits hingewiesen. Auch im Himmel ist ja mehr Freude über einen reuigen Sünder als über zehn Gerechte. Der hat nie eine vernünftige Meinung gehabt, der nicht gelegentlich seine Meinung durch gereistere Einsicht und durch Erfahrung berichtigt oder geändert hat.
Fr. Br. €. D . . . r, Breslau. Besten Dank für den Hinweis auf den Artikel des Herrn Kriegsgerichtsrat Friese, der ein Fräulein Katz als den guten Geist, als die Seele eines Muster-KrankenhausLs schildert. Ls ist nicht nur der allerdings schwere Raummangel, der uns in dieser Zeit der PapiernoL den Abdruck verbietet. Bnseres Erachtens bedarf es keineswegs besonderer Hervorhebung, wenn eine Jüdin in der Krankenpflege Opfermut, Anermüdlichkeit, Organisationstalent, in den Dienst der Allgemeinheit stellt. Das tun Tausende. Auch Fälle besonderen Heldenmuts jüdischer Krieger erwähnen wir sehr selten und auch nur dann, wenn sie durch eine Besonderheit Beachtung verdienen — gleichviel, welchen Glaubens die handelnde Person ist.- Das Judentum hat es — auch in diesen Tagen erneuter, giftiger Anfeindung — wahrlich nicht nötig, für seine guten Eigenschaften oder für die Verdienste Einzelner „Reklame zu machen".
Herr Bf. Detmold. Vielen Dank für den freundlicher: Hinweis auf den Artikel „Politik und Kanzel"' des Herrn Abg. Prof. Br. N e u m a n n - H o f e r in der Lippischen Landeszeitung. Wenn es dem Herrn Pastor Ruperti zu Lüdenhausen Freude macht, auf der Kanzel und in einem Blättchen: „Schütz dich Gott, Heimatgrüße den Soldaten der Gemeinde Lüdinghausen" alldeutsche Politik zu treiben, so wollen wir ihm seinen derben Spaß nicht ber- derben. Auch daß er sich gegen die Sommerzeit auflehnt und die Turmuhr seines Ortes nicht vorrücken ließ, geht uns nichts an — dergleichen hat die Zeit nie verstanden und war stets wehr für ihr Zurückrücken. Aber daß der Herr Pastor auch mit den Antisemiten gemeinsame um nicht zu sagen gemeine Sache macht und im Heugabelstile ins Leere hinein fabelt „das Volk konnte
