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ui einzelnen Fällen durch die derzeitigen Druckschwierigkeiten -stark verzögert.
Herrn K—r, Luöwigshafen a. Bh. Ihrer Gewissenhaftigkeit und der Ihrer Freunde ist es in dankenswerter Weise geglückt, fest- zustellen, buh unter den bayerischen Walzschiebern denn doch ein Jude sich befand, den Sie uns nennen. Wir stellen es hier^ ausdrücklich fest, denn wir wollen uns nicht einer Rebertreibnng schuldig machen und die Sache erfordertes auch gar nicht. Wir wollen sogar gern die Möglichkeit zugeben, daß ihrer mehrere vorhanden sein könnten. Es wird schwerlich eine Konfession oder eine Partei das Vorrecht auf Malzschiebungen für sich allein in Anspruch - nehmen wollen. Wogegen wir uns wenden, das ist einzig die verleumderische Behauptung, daß es insbesondere Juden sind, die Lebensmittelwucher treiden.
B. W. Berlin. Der No man „Fm Schlaraffenland" ist eine wahrscheinlich längst bereute Jugendsünde von Heinrich Mann, Diesen inzwischen zu seltener Kraft 'und charaktervoller Eigenart gereiften Dichter nach jenem Erstlingswerk beurteilen, wäre unbillige Freilich ist in ienem durchaus unreifen Werke die jüdische KeseÜ.- vchaft Berlins. mit vlump entLellenöer Gehäsffgkeit geschildert, aber auch die übrige in dem Roman dargestellte Gesellschaft ist Glicht besser behandelt. Daß die inzwischen mit so -gutem Recht errungenen Erfolge Heinrich Manns nun auch jene armselige und Pres Verfassernamens rnnwürdiae Iugendpfuscherei wieder in Erinnerung und zu. Erfolg bringt, ist gewiß bedauerlich. Deshalb dgrf man aber Heinrich Manu doch rücht den Schimpf antuest ihn der antisemitischen Schriftstellern zuzuzählen.
Frau Gertrud D—e, Bremen. Es ist eine alte antisemitische Methode, der Unwahrheit, durch unermüdliche Wiederholung, den Schein einer anerkannten Wahrheit zu geben. Es ist und bleibt durchaus unwahr, daß Meyrink ein Jude oder vom Jüdischer Ab« stammung ist. ^eine Mütter, die geniale Schauspielerin Marie Meyer- war keine Jüdin. Im übrigen hat das Judentum einerseits kein anderes Interesse als das der einfachen Wahrheit, Gustav Meyrink abzuschütteln, der sicher ein sehr begabter Schriftsteller ist; noch weniger aber ist es unsere Aufgabe, für An einzutreten, da vielfach von jüdischer Seite starker Anmut "über die gehässige oder doch jedenfalls sehr verhäßlichende und entstellende Behandlung der Juden im Roman „Der Golem" sich regt.
Herrn Ernst H., Berlin. Besten Dank für die, unsere Feststellung bestätigende und ergänzende Nachricht, daß die Ausstreuung, Kerenski sei ein Jude namens Goldsarb, der sich erst nach der Revolution habe raufen lassen, eine plumpe Erfindung ist. Ihren ans Stockholm stammenden Mitteilungen entnehmen wir erst, daß diese Erfindung von seinen Gegnern, auch von denen in der Kadett en-Part ei, ausgeht, die mit allen Mitteln auf seinen Sturz hinarbeiten. Die berichtigende Notiz über Kerenski, die Ihnen in mehreren Blättern begegnete, stammte aus der von uns herausgegebenen Korrespondenz.
Herrn Herren Start., Hannover, derzeit im Kriegsdienst. Für Wortlaut und Geschmack einer Anzeige ist eine Zeitung allerdings nicht verantwortlich. Line Zensur zu üben ist nicht Sache der Annahmestelle, sofern der Wortlaut nicht unmittelbar gegen Gesetz und öffentliche Moral verstößt. .Wenn der betr. Anliquiiäwn- Händler es für „geschäftlich geboten" hält, sein Geschäft als „christliches" zu bezeichnen, weil man ihn „nach seinem Aussehen für einen Juden hält" und dies ihm die antisemitische Kundschaft ent-
