Personals — Bücherschau
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Personatta .
Der langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe Hanau
Herr Rabbiner Dr . Bamberger, ' i st u n e r w artetdahingeschieden .
Wir verlieren in dein Toten einen langjährigen treuen
Mitarbeiter , der sich mit seiner ganzen Persönlichkeit ,
mit hoch st em Idealismus , für unsere Sache eingesetzt hat .
Bamberger war mit der Idee und der Tätigkeit des
Centralvereins aus das innigste verknüpft . Vor no ' d )
n i ch t allzu langer Zeit erklärte er dem Schreiber dieser
Zeilen , daß der Centralverein ein Stück seiner selb st sei .
Seiner - Arbeit , die von echt jüdischem Geist getragen war ,
werdenwir ein st etes Andenken bewahren . L . H .
Am 29 . Oktober starb im 83 . Lebensjahre Herr Lehrer a . D . Ferdinand
Eppstein in . Hoppstädten . Mit ihm ist einer der ältesten , treuesten und unermüd¬
lichsten Mitarbeiter des Central - Vereins dahingegangen . Mit glühender Be¬
geisterung ist er einstmals als einer der ersten int Kampfe um unsere gerechte
Sache ausgetreten . Er hat die Fahne , die er ergriffen hat , nicht aus seiner Hand
gelassen , bis der Tod ihn niederwars . In unseren Reihen wird sein Name fort¬
leben , als der eines unserer Besten unvergessen bleiben .
Am 23 . Oktober verschied das langjährige Vorstandsmitglied unserer Orts¬
gruppe Marburg , Herr Justizrat Goldberg . Wir werden dem treuen und eifrigen
Mitarbeiter allezeit ein ehrendes Andenken bewahren .
Bucherfcha « .
Jüdische Geheimgesetze ?
Von D . Dr . Hermann L . Strack , Professor der Theologie , Berlin .
Verlag C . A . Schwetschke & Sohn , Berlin . Preis brosch . 2,50 M .
Der Altmeister der christlichen Talmudkenner hat uns in seinem letzten Buche
„ Jüdische Geheimgesetzck ? " ( D . Dr . Hermann L . Strack , Professor an der Universität
Berlin , Geheimer Konsistorialrat , Berlin 1920 , C . A . Schwetschke & Sohn ) eine
Schrift geschenkt , die weit über das Maß ihres Umfanges hinaus Bedeutung har .
Sie ist durch ihre Fülle von Material , wie durch ihre strenge ' Wissenschaftlichkeit in
hohem Matze geeignet , bei der Abwehr der immer neu ihr Haupt erhebenden Hydra
wahnwitziger antisemitischer Beschuldigungen unschätzbare Dienste zu leisten .
Die Geheimhaltung der jüdischen Gesetzbücher , die unsere Gegner jedesmal
als Fiktion benutzen , wenn sie mit „ Enthüllungen " und „ Lichtstrahlen " das
geistige Dunkel des Volkes sich zu verdichten bemühen , wird von Strack , aus ein¬
gehende Unterlagen gestützt , im Anfänge seiner Sch ! rift schlagend widerlegt . Es
gibt weder „ jüdische Geheimgesetze " , noch ist den Juden Geheimhaltung geboten ;
da eine solche auch unmöglich wäre , habe man sich bei den Juden auch nie darum
bemüht . Mit den Beschuldigungen über Scbulchan - Aruch und den Blutmärchen
räumt der Verfasser ebenso scharf wie geschickt auf .
Einen besonderen Vorzug der Schrift stellt es dar , Latz der Verfasser in
ihrem besonderen Teil aus die von antisemitischer Seite in letzter Zeit heraus¬
gegebenen Schmähschriften genauer eingeht . Rohling und sein „ Talmudjude " ,
Ecker , Dr . Justus ' „ Judenspiegel " , sie alle werden unter die Lupe des wahren
Wissenschafters genommen , und was da von ihnen übrigbleibt , ist lächerliche Un¬
wissenheit . Was Strack über Dr . Justus , Aron Briemann und seine Beziehung
zu Ecker schreibt , liest sich wie ein Witz .
Besonders liebevoll nimmt sich der Verfasser Dinters „ Sünde wider das
Blut " an . Jeder , der weiß , welch unheilvolle Wirkung dies Buch selbst in ge¬
bildeten christlichen Kreisen gehabt hat , wird Strack hierfür besonders dankbar sein .
Dieses Machwerk , dessen Zweck „ die Bekämpfung der Mischehen zwischen Deutschen
und Juden und die Bekämpfung des übermächtigen Einflusses der Juden in
Deutschland auf Presse , Handel und Volksleben " überhaupt ist , wird von Strack
als eine Sünde gegen Kunst , Wissenschaft und Vaterland bezeichnet . Strack zeigt
uns den Kunstwert des Buches , in dem der deutsche Held , der den „ prositgierigen
Judengott " schmäht ( eine gotteslästerliche Aeußerung . die Strack als christlicher
Theologe aufs schärfste rügt ) , sich nach der eigenen Schilderung Dinters als ein
Schurke darstellt . Herrn „ Dr . " Dinter wird bescheinigt , daß er „ sündhaft un¬
wissend " sei ( Seite 27 ) , ein Mann , „ der nicht einmal versteht , was er ab -
schreibt " ( S . 29 ) . . Was aber wohl auch Strack üm schlimmsten erscheint , das ist
die Sünde gegen das Vaterland . „ Und ich erkläre den unchristlichen Haß , den
A . Dinter verbreitet , auch hier als verderblich gegen unser Vaterland . Ich weiß ,
daß dieses Treiben das Ansehen Deutschlands im Auslande auch in solchen
Kreisen , deren Denken und Fühlen für uns nicht gleichgültig sein kann , sehr
geschädigt hat . Hunnen werden die Deutschen auch deshalb genannt , weil sie als
Antisemiten gelten . "
Im engsten geistigen Zusammenhangs mit Dinter stehen „ Die Weisen von
Zion " . . Es ist wohltuend , nach . den Phrafenwust der antisemitischen Presse in
diesem Buche Stracks gründliche und sehr treffende Abfuhr zu sehen .