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Im deutschen Reich
in ihrem Vermögen zu schädigen oder irgendwie ihren Schaden zu
suchen , der ist im Irrwahn und kennt die Wege Gottes nicht , denn
„ Gott ist gerecht in a6en seinen Wegen und Liebevoll in seinen Taten "
( Psalm 145 , 17 ) .
4 . In einem . Responsurn erörtert R . Eleasar Fleckels ^ ) aus¬
führlich aus den Quellen der Thora und der Ethik die Pflichten , die sich
auf das Verbot der Uebervorteilung , des Unrechts und ähnliches beziehen ;
und nachdem er bei diesen Vergehen festgestellt hat , daß kein Unterschied
obwaltet , ob sie gegen Juden oder Nichtjuden begangen werden , fügt er
noch folgende Mahnung hinzu :
„ Bisher habe ich nur Dinge untersucht und erörtert , die sich
auf Geld beziehen , und festgesteNL , daß bei ihnen kein Unterschied
zwischen Juden und Nichtjuden besteht . Doch wenn dich jemand
fragen sollte , ob es wohl erlaubt ist , im Herzen die Angehörigen einer
anderen Nation zu hassen oder zu verachten , so erwidere ihm gemäß
den Vorschriften der Thora und . auch der Lehre der Weisen : „ Verachte
keinen Menschen " ( Pirke aboth IV , 2 ) . Mit diesen Worten haben sie
ausdrücklich betonen wollen „ keinen Menschen " , gleichgültig , welchem
Volke er zugehört . Und ferner haben sie daselbst gelehrt ( II , 11 ) :
R . Jehuda spricht : „ Die Mißgunst , die Leidenschaft und der Haß
gegen die Geschöpfe bringen die Menschen aus der Welt " , und der
Rabbi braucht ausdrücklich den Ausdruck „ Geschöpfe " anstatt
„ Menschen " , um anzudeuten , daß alle Menschen darin eingeschlosfen
sind , als Geschöpfe von Gottes Hand . Lehrt dich dies nicht auch
deine Vernunft ? Es heißt doch in der Bibel : „ Haben wir nicht alle
einen Vater ? " ( Mal . II , 30 ) . Wie darf es da einem frommen Men¬
schen in den Sinn kommen , irgendwer : in seiner Ehre zu beeinträchtigen ,
, wer es auch sei ? Auch aus der Thora Mosis müssen wir das ent¬
nehmen . Es heißt V . Mose 23 , 5 : „ Du sollst den Aegypter nicht ver¬
abscheuen , denn ein Fremdling warst du in seinem Lande . " Und nun
Ziehe einen „ Schluß vom Leichten aus das Schwere ! " Wenn bei den
Aegyptern , die die Israeliten geknechtet und ihre Söhne in den Nil
geworfen haben , die Thora gebietet , sie nicht zu verabscheuen , nur
weil Israel dort einen Aufenthalt gehabt hat , um wieviel mehr gilt
das von den Völkern , in deren Mitte wir sicher und ungestört wohnen ,
die uns die Freiheit geben , die Gebote der Religion zu erfüllen ,
unserem Erwerb nachzugehen , Handel und Handwerk zu betreiben .
Nur ein einsichtsloser Tor könnte auf den Gedanken kommen , daß es
erlaubt fei , diese Völker zu schmähen und zu lästern . Das wäre nichts
als Herzensverderbtheit und ein Widerspruch gegen Thora , Gottes¬
furcht und Vernunft . "
Und der Verfasser fährt nachher fort : „ Sollte , nach alledem
jemand fragen : , wenn die Negierung zu irgendeinem Behufe eine allge¬
meine Steuer ausschreibt , darf dann ein Jude auf Schliche sinnen - um
sich persönlich dieser Steuer zu entziehen ? " , dann möge er lesen , was im
„ Choschen Mischpat " , Kapitel 369 , § 6 geschrieben steht : Wenn der
König eine Steuer ausschreibt und darin festsetzt , daß die Juden einen
höheren Satz zu zahlen haben , so ist das dennoch als eine „ allgemeine
Abgabe " zu betrachten , und es gilt der Satz : „ Staatsgesetz ist Gesetz . "
Wer sich also der Steuer entzieht , Übertritt das Verbot der Thora : „ Du
sollst nicht stehlen , denn er bestiehlt den Staat um den ihm gebührenden
Anteil "
5 . Höchst bedeutungsvoll und köstlich sör jede Seele , die nach
Wahrheit und Frieden strebt , sind die Worte des Tosafeth Jomtob * ) * * )
* ) Im 18 . Jahrhundert , Rabbiner in Prag und anderen Gemeinden . . .
* * ) R . Jomtob Lipmann Heller , Oberrabdiner zu Prag und Wien , um 1615 .