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Im deutschen Reich
AMschitm .
Die im Wassenring zusammeNgeschlosfenen Studenten¬
verbindungen haben beschlossen , jüdischen SLudentsnver -
binduugen mit der Waffe keine Genugtuung mehr zu
geben , da diese Korporationen eine Nachäffung des deutschen
Verbindungswesens darstellten ( kurz vorher hatten sich dis
Burschenschaften — wohlgemerkt die Burfchenschaftsn , dis einst¬
mals die Farben Schwarz - Rot - Gold erkoren hatten — wie auch
Teile der farbentragenden katholischen Verbindungen auf das
deutschvölkische Prinzip festgelegt ) . — Die „ Deutsche Zeitung "
stellt fest , daß ein von einem Bildhauer jüdischen Glaubens
entworfenes Denkmal , das in Frankfurt et . M . in Erinnerung
an die Kriegsopfer ausgestellt werden soll , nnmöglich sei , da
überhaupt ein Jude dem Gedenken an die Toten nicht im
deutschen Sinne Ausdruck geben könne . — In der rechtsstehen¬
den Presse gibt Herr Kunze , bekannt unter dem Namen
„ Knüppel - Kunze " , seine Absicht kund , ein „ Deutsches Witz¬
blatt " herauszugeben , das gleich seinem „ Deutschen Wochen¬
blatt " — manche hatten schon gemeint , dieses sei ein
Witzblatt — den Kampf gegen Juden und Judenknechte führen soll .
Drei Tatsachen , scheinbar zusammenhanglos und doch nur
Glieder einer großen Kette , die sich um die deutschen Juden zu
schließen droht . Seit Monaten weisen wir an dieser Stelle
imrner und immer wieder darauf hin — aus persönlichen
Gründen habe ich heute das besondere Bedürfnis , vor dieser
Gefahr noch einmal zu warnen — , daß die antisemitische Be¬
wegung nicht als Haß - und Neidakt des einzelnen gegen den
einzelnen angesehen werden darf , sondern daß die Einzel¬
erscheinungen sich verdichten Zu einer großen Campagne einer
Gesamtheit gegen die Gesamtheit .
Die Studenten wollen den Verbindungen der jüdif ^ en
Kommilitonen keine Genugtuung mehr mit der Waffe g, . mr .
Was das heißt , weiß nur der , der studentisches Leben kennt .
Bedeutung und Wirkung dieses Beschlusses interessiert uns in
diesem Augenblick jedoch weniger als die Begründung , die
allein symptomatisch ist . Jüdische Mudentenverbindungen sollen
eine Nachäffung deutschen Verbindungswesens fein ! In die
Sprache des politischen Kampfes übertragen heißt es : wir
Deutschen oder wir Arier stehen in allem , was wir tun , so
himmelhoch über Euch Semiten , daß Ihr nichts von unserem
Tun wiederholen , sondern uns höchstenfalls nachäffen könnt ;
die tiefe Kluft zwischen uns und Euch besteht ; sie soll und darf
durch nichts ' hinweggewischt werden . Jegliche Gemeinschaft ,
mag sie auch noch so äußerlicher Art sein , mag sie auch nur darin
bestehen , daß Ihr glaubt , uns gleich zu sein,muß abgelehnt werden !