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Fayum nehmen die mit Baumwolle bestellten Flächen alljährlich zu r
und manches frühere Zuckerrohrfeld wird jetzt zu dieser Kultur be¬
nutzt . Die Wahl wertvollerer Varietäten und die stetig verbesserten
Bewässerungsverhältnisse sind wohl in erster Linie als Gründe dieser
Ausbreitung des Baumwollbaues zu nennen . Die in Oberägypten im
Sommer extrem hohe Lufttrockenheit scheint die Baumwollpflanze :
nicht zu schädigen .
Noch weiter hinauf gen Süden , im anglo - ägyptischen Sudan , wird
die Einführung der Baumwollkultur in grossem Massstabe geplant , und
neue gewaltige Bewässerungsanlagen sollen dieselbe ermöglichen . Die
natürlichen Wachstumsbedingungen sind , wie die ehemalige lieber -
führung der Mako - Baumwolle zeigt , einem Gedeihen der Pflanze
günstig ; wenn die Projekte , woran nicht zu zweifeln ist , in naher Zu¬
kunft ausgeführt werden , so wird vielleicht schon im Laufe des nächsten
Jahrzehntes „ sudanesische Baumwolle " als beachtenswertes Erzeugnis
auf dem Weltmarkt erscheinen .
Ueberhaupt macht sich neuerdings bei verschiedenen europäischen
Kolonialmächten in zunehmendem Masse das Bestreben geltend , die
Baumwollkultur in allen nur einigermassen geeigneten Ländern zur
Einführung zu bringen . Die erste Anregung dazu ging wohl von
dem deutschen „ Kolonialwirtschaftlichen Komitee " in Berlin aus , dessen .
Leiter eine Expedition von amerikanischen Baumwollpflanzern nach ,
Togo aussandten .
Die nach dem Muster des Kolonialwirtschaftlichen Komitees, ,
allerdings nur zu einem Spezialzweck gegründete englische „ Cotton
Growing Association " versucht den Anbau der Baumwolle in den britisch -
westafrikanischen und - ostafrikanischen Besitzungen , sie unterstützt die
diesbezüglichen Bestrebungen in Westindien und hat für die Zukunft
wohl noch weiter ausgreifende Absichten . Auch die Franzosen und
die Holländer interessieren sich lebhaft für eine Ausbreitung der Baum¬
wollkultur in ihren Kolonien , und die Russen haben bekanntlich schon
vor Jahren dieselbe in Turkestan in mustergültiger Weise zur Ein¬
führung gebracht .
Es ist nun zwar nicht zu bezweifeln , dass manche der hier be¬
zeichneten Länder sich als wenig geeignet zu einer gewinnbringenden
Baumwollkultur erweisen werden , aber in anderen kann sie sich unter -
Umständen zu ungeahnter Blüte entwickeln . Die Grenzen der Anbau¬
möglichkeit , d . h . der Rentabilität eines Baumwollanbaues , sind da zu
ziehen , wo die mittlere Temperatur während der Vegetationsperiode
( 7 — 8 Monate ) nicht die zum Reifen der Früchte erforderliche Höhe -
erreicht ; dieselbe muss ungefähr 20 ° C . oder mehr betragen . In Unter¬
ägypten liegt das Mittel der Lufttemperatur in der Zeit vom März bis .