und dem 1 Zionismus günstig gesinnt ist , erfüllt werden wird . Auch in weiteren jüdi¬
schen Kreisen hatte sich diese Erwartung festgesetzt , und man nannte allgemein den
Namen des Generals Smuts . Statt dessen hat aber die Regierung einen anderen Mann
entsandt , der keine politische , sondern eine rein technische Aufgabe zu lösen hat ,
nämlich Sir John Hope - Simpson , einen früheren hohen Beamten des indischen Zivil¬
dienstes , der als Völkerbundkommissär zusammen mit Sir John Campbell mehrere
Jahre die Ansiedlung der repatriierten griechischen Flüchtlinge geleitet hat . Diese
Entsendung erfolgte am 1 . Mai , ohne daß dem Vertreter der Jewish Agency in London
die Möglichkeit gegeben wurde , mit Simpson in Verbindung zu kommen und ihm den
jüdischen Aspekt des Problems darzulegen . Die Regierung benützte die Entsendung
von Simpson dazu , um jede weitere Entscheidung vorderhand aufzuschieben . Da
Simpson vor allem das Bodenproblem und im Zusammenhang damit die Frage der
Aufnahmsfähigkeit des Landes für neue Einwanderer zu untersuchen hat , sollte vor
allem auf diesen beiden Gebieten der Status quo nicht geändert werden . Darum wurden
die provisorischen Einwanderungsbeschränkungen verhängt und gleichzeitig ange¬
kündigt , daß Maßnahmen zum Schutze der landwirtschaftlichen Bevölkerung in Vor¬
bereitung seien . Sir John Simpson ist inzwischen in Palästina an die Durchführung
seiner Aufgabe herangetreten und hat dort auch verschiedene Vertreter der Jewish
Agency empfangen , vor allem Dr . Ruppin , der ihm über die jüdischen Kolonisations¬
methoden und Kolonisationspläne Aufschluß gab .
Am 3 . Juni wurde in Genf die Tagung der Permanenten Mandatskom¬
mission des Völkerbundes eröffnet , die sich mit Palästina zu befassen hat . Die
englische Regierung hat der Mandatskommission eine Darlegung ihres Standpunktes
in Form eines Weißbuches überreicht . Darin wird nun zwar noch nicht die künftige
Palästinapolitik festgelegt , aber die Regierung erklärt , daß sie den von der Jewish
Agency so scharf angegriffenen Shaw - Bericht in denjenigen Teilen , die direkt mit den
Unruhen zusammenhängen , akzeptiert . Was die anderen Teile betrifft , so wolle die
Regierung die Expertise von Simpson abwarten . Durch diese Haltung der Regierung
haben sich die Beziehungen zwischen Jewish Agency und Mandatarmacht beträchtlich
verschlechtert . Die zionistische Bewegung und der Jischuw sind heute in großen
Teilen ausgesprochen antienglisch gestimmt , und in Versammlungen und Presse taucht
immer wieder der Gedanke auf , man müsse England der Verletzung des Mandats be¬
zichtigen und andere politische Freunde suchen . Diese , wie uns scheint , etwas an¬
fechtbare und jedenfalls keineswegs in allen Konsequenzen durchdachte Haltung findet
ein stimmungsmäßiges Echo bei den jüdischen Massen , die sich betrogen und ver¬
raten fühlen . Aber während früher die politische Leitung , vor allem der Präsident
der Jewish Agency Dr . Weizmann , solchen Auffassungen stets , trotz der damit ver¬
bundenen Unpopularität , mit starkem Realitätssinn entgegengetreten ist , ist diesmal
von einer derartigen Einflußnahme nichts zu spüren . Vielmehr hat man den Eindruck ,
daß der gegen die Mandatarmacht gerichtete Kurs , der deutlich und unzweideutig
durch die erste Anklagerede des Anwalts der Jewish Agency Sir Boyd Meeriman vor
der Shaw - Kommission initiiert wurde und die gesamte Kolonialbeamtenschaft ins La¬
ger der Judengegner gedrängt hat , offiziell weiter verfolgt wird . Man muß sich daräuf
gefaßt machen , daß dies jetzt die taktische Position ist , von der aus sich die weitere
Auseinandersetzung vollziehen wird .
Zur Sitzung der Mandatskommission hat die Jewish Agency außer ihrem alljährli¬
chen Arbeitsbericht diesmal noch ein zweites Memorandum in Form eines
Graubuches überreicht , das eine Antwort auf den Bericht der Shaw - Kommission dar¬
stellt . In dieser Antwort werden in geschickter Weise die Widersprüche aufgedeckt ,