die Stimmung in den arabischen Kreisen zeigen . Völlig unentschuldbar ist aber ,
daß er die drei Araber , die , mehrfach gemeinen Mordes an Juden überführt ,
von der Begnadigung ausgenommen und hingerichtet wurden , als Märtyrer
gelten läßt und die Proklamation , die diese Analphabeten angeblich vor ihrer
Justifizierung erlassen haben sollen , sich wörtlich wiederzugeben verpflichtet
fühlt , weil , wie er sagt , sonst das von ihm gezeichnete Bild ( das ist die
Wiedergabe einer feindselig tendenziösen Einstellung aller Tatsachen seitens
der arabischen Führer ) „ eine wesentliche Lücke aufweisen würde ! " — Wir
bedauern sehr , daß sich die Redaktion ( sie ist seit vorigem Jahr nicht mehr
in den Händen von Prof . Steuernagel ) dieser hochangesehenen wissenschaft¬
lichen und bisher objektiven Zeitschrift sich entgegen ihrer sonstigen Ge¬
pflogenheit einen einseitig parteiischen Berichterstatter bestellte und dessen
Entgleisungen nicht zensurierte . Das widerspruchslose Geltenlassen von Juden¬
mördern als Märtyrer der arabischen Nation könnte man höchstens bei anti¬
semitischen Hetzblättern begreiflich finden , nicht aber bei einem vornehmen
wissenschaftlichen Organ .
Adolf Böhm .
Erlösung durch Arbeit von A . D . G o r d o n , ausgewählte Aufsätze übersetzt
und eingeleitet von Dr . Victor Kellner , Jüdischer Verlag , Berlin ( mit
einem Porträt ) . 296 Seiten . — Diese Veröffentlichung , die eine Reihe von
Aufsätzen Gordons wiedergibt , erscheint als Band 1 des „ Zionistischen Bücher¬
bundes " . Von Gordon waren bisher nur einzelne Aufsätze ins Deutsche über¬
setzt worden . ( Eine kurze Würdigung seiner Bedeutung siehe in des Rezen¬
senten „ Zionistische Bewegung " , Band II . ) Viktor Kellner hat mit glück¬
licher Hand aus den fünf Bänden von Gordons gesammelten Schriften ( heraus¬
gegeben von der Zentrale des „ Hapoel Hazair " , Tel - Aviv ) eine Reihe der cha¬
rakteristischesten Aufsätze ausgewählt und ins Deutsche übersetzt . Eine solche
Uebertragung ist bei dem etwas weitläufigen hebräischen Stil und der eigen¬
artigen Ausdrucksweise des Autors keine einfache Uebersetzungsarbeit . Sie
ist Dr . Kellner vorzüglich gelungen ; die deutsche Diktion gibt die Originalität
des Denkens und des Schreibens Gordons getreu wieder , ohne ermüdend zu
wirken . Die Auswahl der zwölf Aufsätze und Briefe ist eine solche , daß die
wesentlichen Punkte der Weltanschauung Gordons zum Ausdruck kommen : das
Evangelium der Arbeit als einzige Möglichkeit , zur Umwelt und zum Transzen¬
denten eine persönliche Beziehung zu gewinnen , die Ablehnung einer abstrakten
Geistigkeit , die aus seiner Auffassung von der Einheitlichkeit alles Lebens
hervorgeht , die wunderbare organische Inbeziehungsetzung des Einzelnen mit
seinem Volke ( Am - Adam ) und darüber hinaus mit allen Völkern , woraus ein
wahrer , in Anschauung und Denken , im Fühlen und im Tun verwurzelter
Pazifismus quillt , eine Ablehnung jeder Gewalt als etwas äußerlichem , eine
positive Auffassung des Wertes jedes Volkes als einmalige original - schöpfe¬
rische Wesenheit und eine Auffassung des Sozialismus als Aufgabe der Seele
des Menschen und nicht als politische Kampfparole . Eine kurze Einleitung des
Uebersetzers zeichnet knapp und klar diese Züge der Weltanschauung Gordons ,
die er vorgelebt hat , einen kurzen Abriß seiner Biographie steuert Josef Arono -
witz bei . Man erfährt daraus , was nicht allgemein bekannt war , daß Gordon
bevor er als Fünfzigjähriger nach Palästina ging , um dort einfacher Land -