Die Krankheitskeime gelangen durch den Stich der Mücke
ins Blut und zerfallen in männliche und weibliche Formen .
Schon nach dem 2 . oder 3 . Fieberanfall bilden sich weibliche
Geschlechtsformen , und erhalten sich lange nach dem Schwinden
aller übrigen Formen in der Milz . Unter Umständen können sich
nun aus ihnen wieder junge Parasiten bilden , die in die Blut¬
körperchen eindringen und weiterwachsen . Auf diese Weise wird
das zirkulierende Blut wieder mit Parasiten angereichert ; es
kommt ein Rezidiv zu stände und damit wird eine Quelle für
den Wiederausbruch einer Epidemie geschaffen . Diese weiblichen
Formen stellen also die gesuchte Latenzform zwischen Erst¬
infektion und Rezidive dar . E . Körmöezi ( Ofen - Pesth ) wies
darauf hin , dass die Malaria zwei Höhepunkte zeige . Der eine
fällt in den Frühling , der andere in das Sommerende oder den
Herbstanfang . Letztere Epidemie ist mit der Moskitolehre sehr
gut vereinbar . Die Erklärung der ersteren ist viel schwieriger ,
da Ende März die reue Generation der Anopheles noch nicht
da ist , und es überhaupt noch wenig Anopheles gibt . Diese
frühzeitigen Malariafälle stellen die durch die weiblichen Para¬
sitenformen provozierten Rezidive dar . Diese Formen werden
von Chinin nicht angegriffen ; es gibt also keine Form
der Ghinintherapie , die bei Kranken , bei denen sie schon be¬
stehen , zuverlässig Rezidiv verhindern könnte . Da sie aber schon
nach dem 2 . oder 3 . Fieberanfall auftreten können , so muss die
Behandlung sehr frühzeitig einsetzen , wenn keine Rezidive auf¬
treten sollen .
Die Ghinintherapie setzt anderseits eine ständigeBereit -
schaft und Arbeit gegen die Malaria voraus ; sie
bekämpft die Malaria , sie tilgt sie aber nicht aus .
Sie führt den Kampf nicht bis zu einer Vernichtung der Malaria ,
sondern bis zu einem gewissen Gleichgewichtszustand
zwischen Menschen und Krankheit .
Dieser Gleichgewichtszustand bedeutet aber durchaus
nicht eine Anpassung an die Malaria . Die malarische In¬
fektionverleiht nicht eine Immunität gegen weitere Infektionen ;
sie schwächt im Gegenteil den Körper ; eine einzige Infektion
genügt , um den Organismus während des ganzen Lebens krank
zu machen . Theoretisch war eine kollektive oder Rassenakklima¬
tisierung in der Vergangenheit möglich , als die spezifischen Mittel
gegen die Infektion unbekannt waren , oder wenigstens als sie
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