Kette 10, &>. 5l.

Der JSraeltt.

Maiaz, 17- Dez. In der Nacht vom SamStag zum Sonntag ist Herr Justizrat Dr, Max Löb einem langjährigen schweren Leiden erlegen. Der Heimge­gangene entstammte einer alten Wormser jüdischen Familie, war hier aber ein Bterteljahrhundert als Rechts­anwalt tätig und erwarb sich durch feine bedeutenden Kenntnisse, durch feine außerordentliche Redegewandtheit und durch seine rasche Auffassungsgabe, die häufig Kolle­gen und Richter weit hinter sich ließ, das Vertrauen der veften Kreise der Mainzer Bürgerschaft, der Rus seiner Tüchtigkeit drang weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus. Diel zu verdanken hatte er seine Beliebtheit sein«« Bestreben, alle Streittgkeiten möglichst durch Ver­gleich« zu erledigen, wobei feine Uneigennütztgkett sich oft tm schönsttn Lichte zeigte. . Entsprechend dieser Tätigkeit wurde er zu den verschiedensten Ehrenämtern heranae- zogen, so gehbrte er dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde an, war mehrfach Präfident -er RhenuSloge, arbeitete in der Berliner Großloge und stand an der Spitze -er verschiedensten jüdischen Wohllättgkettsanstalten. Mn Amt in der Kommunalvertretung, wie ein solches als, Reichstags» und Lar.dtaaSabgeordneter mußte er wegen' ArbeitSüberhäufwrg ablehnen. Dagegen ließ er es fich ntcht nehmen, wenn fich ihm die Gokgenhett dar­bot, Angriffe auf die Gleichberechtigung setnen^GlaubenS- genosien energisch abzuaehrrn, sei eS in Zeitungen oder avf Versammlungen, und noch ist in aller Erinnerung die geistvolle und scharspotntterte Rede, die er vor einigen Jahr« auf dem Deutschen Jubentage in Frankfurt a.M. gehalten hat. Obgleich dem gefetzeStreum Judentum fernstehend, verstand er eS doch, ihm ausgezeichnete Dienste zu Kisten, zumal als Gefahr drohte, daß die GefetzeS- treüen durch eine hesfifchr Oberkirchrnbehbrde majortfiert werden sollten.

Politisch gehörte er der Richtung Naumann bezw. Sorell an und Naumanns ZeitschriftHilfe" verdankt so manchen ausgezeichneten und lichtvollen Beitrag seiner Feder. Seine letzte literarische.Arbeit, eine Art politi­schen Testamentes, legte er in der Logenzeiwng der 11. D. E. B. nieder, er stellte hier unter dem Rufe:Mehr Steifnacktgketz" Betrachtungen über die Affäre Wolf- Metternich an. Auch als Mensch und" Wohltäter der Armen wird Dr. Löb nicht vergessen werden. Schon heute sahen wir so manchen Bedürftigen ob des großen Verlustes bittere Tränen vergieße». Möge der Allgüttge die Gattin, die Töchter und den Schwiegersohn trösten.

Worms, 16. Dez. Herr Lehrer S. Rothschild wurde am Geburtstage de« Großherzogs von Hessen mit dem silbernen Berdtenstkreuz Philipp des Großmütigen mit der Krone ausgezeichnet.

Darmstadt, 15. Dez. Unerwartet verschied in der vorigen Woche Frau Rebecka Strauß, die Witwe des vor einigen Jahren verstorbenen I. Samuel Strauß In der Verstorbenen beklagt die hftstge Israelitische Reltgtonsgesellschaft ntcht nur ihr ältestes wetoltcheS Mit­glied, sondern auch eine hochherzige, durch zahlreiche Tugenden ausgezeichnete Frau. Mit ihrem Gatten hatte sie ein echt jüdisches Haus gegründet, welches, getragen von der innigsten Liebe aller Glieder, eine Stätte der lautersten Frömmigkeit, reichlich geübter Wohltätigkeit und edelsten Familiensinnes bildete. Das Andenken dieser wirklichen S'Pt NVA wird bet allen, die ste kann­ten, dauernd gesegnet bleiben.

Mergentheim, 4. Dez. Eine wahrhaft fromme Frau haben wir heute im Aller von 92 Jahren zur letzten Rühe bestattet. Frau Mtna Schloß senior hat an der Sette ihres vor 5 Jahren verstorbenen Gatten Herrn Jsak Schloß 61 Jahre lang ein müstergllttge«

jüdisches Haus geführt. Sie vereinigte alle erhabenen Tugenden in stch, welche eine jüdische Frau auSzuzetch- nen vermögen. Eine immer sorgende Gattin, Mutter, Großmutter und Urgroßmütter war fie ihrer Famllte In der Gemeinde war sie um ihrer Aufrichtigkeit und steten Hilfsbereitschaft willen hochan ge sehen. Ihre milde Hand war jederzeit bereit wvhlzutun, wovon zahlreiche Mit thxem Gatten errichtete Stiftungen Zeugnis oblegen. Roch mehr über werben viele Bedürftige die stille Wohltäterin jrtzt vermissen. Alle diese Vorzüge wurden gekrönt von einer rührenden Einfachheit, Bescheidenheit und Friedensliebe. Mn hohes und gesegnetes Alter hat ihr der Allgüttge zu teil werden lassen. Denn bis zu ihrem letzten, wenige Tage dauernden Krankenlager war ihr die volle Kraft deS Geiste» »«geschwächt erhalten geblieben. Ihr letzter Gruß an die Nachwelt, welcher bei ihren Tach- richim lag, war ein Frtedenswunfch. Ein FrtedenSgruß begleite ste daher anch in die Welt deS ewigm LichrrS.

xnn- roaun i

Homburg (Bayern), 4. Dez. Herrn Hauptlehrer Holland dahier wurde für 50jährige treue Dienst­leistung der LudwigSorden verliehen und wurde ihm diese wohlverdiente Auszeichnung am gestrigen Tage durch Herrn kgl. Bezirksamtmann Schlosser feierlich überreicht.

Vegesack, 10. Dez. Am 18. Marcheschwan starb hierselbsr in ihrem 81. Levensjahre Frau Harrh Wolfs. In der Entschlafenen hat eine selbstlose, edle Frau, wie fie leider immer seltener werden, eine im

wahrsten Sinne des Wortes, die sowohl viele Arme ohne Unterschieb der Religion alS auch viele WohltättgkettS- anstalten reich unterstützte, da- Zeitliche gesegnet. All?, die die Verewigte näher kannten, werden ihr ein geseg­netes Andenken bewahren. Herr Landrabbiner Dr. Grone mann aus Hannover und Herr Lehrer Heine­mann' aus Aumund widmeten ihr warme Nachrufe.

n'aaan.

Jerusalem, (>. Dez. Einen schweren Berlnst be­klagen mit den t ailverehrten Rabbiner Ehajim 2 i) n ne n f e l d alle hiesigen jüdischen Greift infolge des plötzlichen Todes seines Lohnes Rabbi Abraham Aron VX]. Denn weiten Kreisen der hiesigen Be- völkerung war der Verstorbene, der nicht nur über ein hervorragendes jüdisches Wissen verfügte, sondern auch eine ganz enorme soziale Tatkraft besaß, ein Helfer und Beschützer. Rabbi Abraham Aron Somtcnfelb war im Jahre 5638 hier in Jerusalem geboren und hat den ersten talmudischen Unterricht bei seinem Vater empfangen, den er während seiner ganzen Lebens­zeit als Muster und Vorbild vor sich hatte. Rach seiner Verheiratung im Jahre 5655 schloß , er sich der damals in Jerusalem entstandenen 1DV2 ' Rich ung nach der Methode des Rabbi Israel Galanter mit ganzem Herzen an nnb rnhtc nicht eher, bis er dieser geweihten Lchaar auch ein eigenes Heim für rnijSP 1 min gründete. Sein ganzes Leben widmete er seitdem der Thora und ihren Jüngern, die n auf verschiedene Art und Weise zu unterstützen wußte. Um seinen Drang, weite Tkreise zu belehren, zu stillen, errichtete er auch eine eigene Druckerei und gab mehrere Büct/er und halachische 'Zeitschriften unter Mit- wirlustg der bedeutendsten Rabbiner Jerusalems heraus. Vor etmch 4 Jahren gründete er eine Volks-' k ii che für arme T a l m n d t h o r a - I ö g l i n g e: das Unternehmen, bei dem er fein ganzes Vermögen verwendete, konnte sich, da es nicht genügend fun­diert war, leider nicht halten. Rabbi Abraham Aron Sonnenfeld V'äCT nahm mit zündender Begeisterung an allen Bestrebungen teil, Äe zur geistigen und wirt­schaftlichen Hebung des alten 312 ?' beitrugen, und so tvirch sein Tod nicht nur von seiner Familie, von seinem greifen Vater, sondern von den weitesten Kreisen der hiesigen jüdischen Bevölkerung schmerzlich empfun­den und aufrichtig betrauert. ,^ 73 ^ 2 ^ "ö 7'

Briefkasten.

Kr B. itt H. Wie uns von berufener Seite mitgrteilt wird, ist an dem im englischenStory Teller" erzählten und von vielen jüdischen Zeitungen eilig nach- erzähllen Abenteuer des Dr. Hirsch Hildesheimer Vvj kein wahres Wort.

t t G. W. DasWethnachtS"-gedicht eignet stch für unS nicht.

Lehrer O. D. in W. Wir werden Ihnen dem­nächst unsere Entscheidung Mitteilen-

S. B. itt A. Eignet sich ntcht zur Veröffent­lichung.

D. R. Wir nehmen hiermit, entgegen einer ander­weitigen Meldung in unserem Blatte davon Notiz, baß eS eine separate Orthodoxengemeinde in PartS nicht gibt und die rvnV2 - Institutionen dvrtfelbst teilweise zu wünschen übrig lassen.

H. H. in H. Die Notiz mußte mit vielen anderen wegen Raummangels zurückgestellt werden, hoffen aber, ste bald bringen zu können.

H. G. Natürlich ist der Satz im Lammschen Fa- mtlienkalenderBei Eintritt der Nacht zündet man das Ehanukah-Ltcht an" dahin richtig zu stellen, daß die

Ehanukahlichter schon vor J-QE7 angezündet wer-

den müssen. '

W. W. in H. ES ist bei unS nicht Üblich, der­artige Voranzeigen im redaktionellen Teile zu bringen. Nach stattgehabter Feier sind wir gern bereit, einen kurzen Bericht aufzunehmen.

F. L. Ist uns leider nicht bekannt.

Uereinskalender.

Verein Mekor Chajim. (BereinSlokal Lange­straße 18.) Freitag, den 22. Dezvr., abends nach Schluß der Synagoge im Hörsaale Friedberger Anlage Nr. 5; Mikro-Bortrag des Herrn Julius Levin.

Abends V,9 Uhr präcis im BereinSlokale: Zwang­lose Zusammenkunft. Chanukahfeier.

Gäste willkommen.

SamStag, 23. Dezbr., mittags 12 Uhr im Hvrfaale der Synagoge Friedberger Anlage: Professor A. Wehl: Vorlesung aus Sefer Schemukl.

Jüdische Frarrerrveremjgurrg e. B. Der

Bortrag des Herrn Rvbbiner Dr. Breuer fällt dwse Woche auS.

lamMennacdrlcdten.

v«l»rrrt«Z»: Einen Sohn: Moritz Posen (Seelig- mann) Berlin. Neuland (Schiff) Schwanenstr. 4. Eine Tochter: Louis Hamburger (Spitzer) Frankfurt a. M. Wolf (Stein) Frankfurt a. M., Nechnerstr. 12.

Verlobte : Betty Eisemann, Dr. Levy, Frank­furt a.M.«Fulda. Felice Feuchtwange r, Zahnarzt Alb. Schragenheim, Karlsruhe i. Bd.»Berlin. Rosel Wolf, Leopold Weinstein, Schlüchtern-Eschwege. Jda Ullmann,

LI. Dezember 1911

. I .1-.....T.C .. . -J f.

Berthold Dicfenbroenner» Würzburg-KarlSruhe. Elsa Hecht, Salomon Stein, Berkach-Frankfurt a. M. Cissy Banett, Juliu- Felsenstein, London.

Verstorbene : Helene Stein» Wallerstein. 7b Jahre.

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Scbabbos-Campe und IDenanrob.

inöerecke

In traulichter Fi eitag Abend-Stube Sitzen zwei Kleine, ein Mädel, eine Bube,

Ein gar niedlich Geschwisterpaar,

Zählen Beide fünf und ein halbes Jahr- Er lebendig, pausbäckig und sehr eouragiet- Sie sittsam, bescheiden, wies Mädelchens ziert - Sind ihrer Eltern einzige Sprossen,

Haben alles^. bisher gemeinsam genosien,

Lernten zählen sogar schon spielender Weis'

Und wissen Beide den Anfang vom Alef-Beis; Kein Apfel, den sie nicht redlich geteilt,

Wo das Eine ist, stets auch das Andere weilt. Aber jetzt hört nur, was heute geschehen:

Die Beiden können sich nicht verstehen - Und was sie bisher noch niemals taten,

Heut sind die Kleinen in Streit geraten.

Drum sitzen in der Freitag-Abend-Stube Durch Stühle getrennt heut' Mädel und Bube- Sprechen kein Wörtchen, die beiden Tröpfchen, Und senken gramgebeugt ihre Köpfchen. ,

Aber der Zank war auch wirklich zu schwer. Gretel ist neidisch", denkt grimmig er- Benno will alles haben allein".

Sinnt sie, und hüllt sich in Kummer ein. Wer hätte das heute morgen gedacht,

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