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De r Israelit

23. Februar 1926

gibt es Talmud-Thora-Schulen, die elementares jüdisches Wissen vermitteln.

Die jüdische Gemeinde von Kairo ist reich und sorgt ausgiebig, freilich in der etwas schwerfälligen und verknöcherten Art sehr alter Gemeinden, für ihre zahlreichen Anstalten; besonders die Wohl­fahrtspflege ist gut ausgebildet. Die Verwaltung liegt seit jeher in den Händen einiger alter Fa­milien, zu deren Tradition es gehört, die Ge­meindegeschäfte zu leiten: der Präsident wird auf Lebenszeit gewählt. Das Gemeindeleben ist hier differenzierter und lebendiger als in Alexandrien: es gibt eine besondere aschkenasische Gemeinde mit einem eigenen Rabbiner, die nur in losem Zusam­menhang mit der sefardischenHauptgemeinde steht, daneben noch einige andere landsmannschaft­liche Gruppierungen. Der Chacham-Baschi von Kairo ist heute der ehemalige Chacham-Baschi von Konstantinopel, Haim Nahum. Seine Wahl hat eine interessante Vorgeschichte, wie denn über­haupt Rabbinerwahlen in Kairo sensationelle An­gelegenheiten sind: der Streit, der vor Jahren die aschkenasische Gemeinde anläßlich einer Rab­binerwahl in zwei einander wütend bekämpfende Lager teilte, ein palästinensischer und ein un­garischer Kandidat standen sich gegenüber ist dort noch in frischer Erinnerung. Der Vorgänger Haim Nahums war der allerseits geachtete und beliebte Rabbi Aron ben Schimon, ein Mann von gediegener jüdischer und weltlicher Bildung, unter anderem Verfasser eines Refponfenwerkes Nachal Mizraim". Während sich R. Aron ben Schimon vornehmlich der gelehrten Forschung widmete, stand ihm in der Leitung der sehr aus­gedehnten administrativen Rabbinatsgeschäfte sein Bruder (und Schwiegersohn) Hai ben Schimon zur Seite. Der war nun weniger geachtet und be­liebt; im Gegenteil, man warf ihm Ignoranz, Habgier, Despotie und allerlei andere unschöne Dinge Dor, nc 0 Wn at/sr mit SWssicht ««f de« allen ChächäM gewähren. Als nun N. Aron ben Schimon, hochbetagt und fast erblindet, sich vom Amte Zurückzog, um seinen Lebensabend in Ruhe

auf palästinensischem Boden zu verleben, behielt Hai, in dem entstandenen Interregnum, die fak­tische unumschränkte Leitung des Rabbinats in der Hand. Bei der großen Machtfülle, die die Stellung des Chacham-Baschi in sich vereinigt, und die Hai übrigens' sehr gut zu gebrauchen wußte, trug das nicht gerade dazu bei, ihn in den Augen seiner Mitbürger beliebter zu miächen. Dann sollte Haim Nahum gewählt werden, Hai verstand es aber, durch ein Netz von Intrigen die Wahl lange hinaüszuschieben, und als die dann doch erfolgt war, deren Annahme durch Haim Nahum zu hintertreiben. Als dann aber das ganze verräterische Spiel ans Licht kam, und dabei auch die Mißbräuche, die Hai sich in seiner Amtsführung hatte zu Schulden kommen lassen, aufgedeckt wurden, stürzte sich Hai voll Scham und Verzweiflung eines Nachts aus dem Fenster; feine zerschmetterte Leiche fand man anderntags im Garten.

So erzählt man in Kairo.

(Fortsetzung folgt.)

Personalien.

Berlin, 22. Febr. Herr Rabbiner Dr. M. Petu- ch o w s k t feierte Sonntag den 7. Adar seinen sechzig- st e n Geburtstag. - : vrag.

. Berlin, 20. Febr., Der über die Grenzen Deutsch­lands hinaus berühmte Arzt und Chirurg, Professor Dr. James Israel, ist heute früh in seiner Berliner Woh­nung, Lützow-User 4, nach jüngerer Krankheit kurz nach Vollendung des 78. Lebensjahres gestorben.

Leipzig, 16. Febr. Rabbiner Dr. N e u h a u s, der früher als Rabbiner in Ostrowo fungierte und seit eini­gen Jahren als Religionslehrer und Schuldirigent in der Leipziger Gemeinde tätig gewesen ist, hat einsn Ruf als Rabbiner der Synagogengemeinde Mülheim a. d. Ruhr erhalten. Das Rabbinat in Mülheim a. d. Ruhr ist erst jetzt neu geschaffen.

Luxemburg, 22. Febr., Anläßlich des Geburtstages der Großherzogin von Luxemburg sind zwei unserer jüdischen Mitbürger, die Herren Rechtsanwalt Benjamin Bonn und Kunstmaler Guido Oppenheim durch DMihllNg B0S MltmsCrBniS

frone ausgezeichnet 'WSHSN. HSN! OppöNhölM ijt tftl EM-

neffr von Professor Moritz Oppenheim, dem Schöpfer derBilder aus dem jüdischen Familienleben".

Aftzlngen, 24.' Febr. DieZährzeit' des Rabbiner Adler -in 'Krtzingen crun n am; ist Freitag

ns -t>*v töa 0 Schülern, und Freunden mitgeteilt sei.

Vermischkes.

Frankfurt a. IR., 24. Februar. Wie wir von zuoer- | lässiger Seite erfahren, trifft die in den jüngsten Blättern «der Agudas Jisroel> gebrachte Notiz über, die Pa­lästina reise der Herren Dr. ' Siegfried Oppen­heimer und Dr. Jsaac Breuer nicht zu.

Berlin, 18. Febr. Vom Deutsch-Israelitischen Gemeinde­bunde wird uns geschrieben:Es fei nochmals mitgeteilt, daß mit Rücksicht darauf, daß der als Volkstrauertag ge­wählte Sonntag, den 28. Februar, mit unserem Purim­feste diesmal" zusammenfällt, das Andenken unserer Ge­fallenen bereits beim Sabbatgottesdienste am 27. Februar in schlichter Weise unter Hinweis auf den Volkstrauertag. geehrt werden soll. Auch am Volkstrauertage selbst wird der ernsten Stimmung des Gedenktages Rechnung zu tragen fein."

Beirut, 31. Jan. Der Oberrabbiner von Syrien, Dr. Tajer, wurde vom.französischen Oberkommissar für Syrien, de Zouvenel, zum syrischen Staatsrat ernannt und dem Zivil-Sekretär Pierre Alibes als politischer Rat­geber attachiert.

Berlin, 11. Febr. Anläßlich der 200. Wiederkehr des^ Geburtstages Moses M e n d e l s f o h n s im Jahre 1929- hat sich ein Komitee gebildet, das eine kritische Ge­samtausgabe der Schriften Moses Mendelssohns vorbereitet. Dasselbe bittet alle Besitzer von Handschriften, Erstdrücken oder Briefen Moses Mendelssohns um Nach­richt über, dieselben und um evtl, leihweise UeberlassUng. an die Adresse von Herrn Professor Julius G u t t m a n n, Berlin NW., Wullenweberstr. 2.

Briefkasten.

Treue Abonnentin. Wenn Sie das Heim von Frau Dr Ka llner in Bad Soden meinen, so kann dieses als sehr zuverlässig empfohlen werden- K. B. und Andere. Es empfiehlt sich, dieses Jahr mit Rücksicht auf den Volks trauertag. selbst­verständlich ohne im geringsten a-nis nnötf inner­halb des Hauses zu beeinträchtigen, die Kinder nicht maskiert auf die Straße gehen zu lassen.

Lehrer S. St. in M. Das Büchlein nvsin "iv.N N'Vvn ist, wie bereits an dieser Stelle mttge-

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gleich als solches Lrk«nnprn, Man fall Ue Annahme verweigern.

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