Personalien.

Rabb. Dr. John Cohn ^"ST«

Breslau, 30. Jan.

Schon wieder ist das deutsche thoratreue Juden­tum von einem schweren Schlage betroffen worden, insbesondere die Gemeinde, in der der Heimgegan­gene seine letzten Jahre verbracht hat.

Rabb. Dr. John Cohn ist am 3. Schwat, kurz vor Beendigung seines 75. Lebensjahres, nach langer Krankheit heimgegangen. Mit ihm ging ein Lamdon alten Schlages, wie sie die heutige Generation in Deutschland in dieser eigentümlichen Prägung wenig aufweist, von dannen. Der altehrwürdigen Gemeinde Altona entstammend, wohin sein Vater als junger Mann aus Marokko eingewandert war er wurde dort Klausrabbiner genoß der Verewigte seine erste Ausbildung bei den jüdischen Geistesgrößen dieser Gemeinde. Bis in sein spätestes Alter hinein be­trachtete er es als besonderes Glück, noch als Knabe zu Füßen des berühmten Altonaer Raws, R. Jokew Ettlinger des Oruch l'Neir gesessen zu haben. Nach Absolvierung des Gymnasiums zog er mit 17 Jahren an das Berliner Rabbinerseminar und wurde dort einer der Lieblingsschüler von R. Esriel Hildesheimer. Der Tod seines Vaters verhinderte die Vollendung seiner Studien in Berlin und rief ihn nach Altona zurück. Dort erhielt er von dem dama­ligen Oberrabbiner Dr. Löb, den er schwärmerisch verehrte, seine erste Hatoro, welcher später diejenige von R. Esriel Hildesheimer folgte. Von Altona wurde er auf seinen ersten Rabbinatsposten nach Wreschen berufen, von dort auf; nach Rawitsch, wo er mehrere Jahrzehnte bis zum * Kriegsende als das allverehrte Oberhaupt seiner Gemeinde wirkte. Darüber hinaus wurde er bald einer der bekanntesten geistigen Füh­rer des thoratreuen Judentums, wenger durch sein Auftreten in der Oeffentlichkeit, als durch seine Wirksamkeit im internen Kreise der deutschen Rab- bonim und seine wissenschaftliche Tätigkeit. Am meisten bekant ist er wohl durch seinen Anteil an der deutschen Mischna-Uebersetzung und Erklärung geworden. Er war der Kommentator der Ordnung Kodoschim" und führte später die von dem unvergeß­lichen Rektor des Berliner Seminars begonnene Ord­nungTaharaus" zu Ende. Seine Kommentare zei­gen sich ebenso wie durch leichte Verständlichkeit durch eine gründliche wissenschaftliche Grundlage und Durcharbeitung der Quellen aus. Sie fanden auch in der wissenschaftlichen Welt allgemeine Aner­kennung.

Noch in der letzten Zeit hatte er zwei andere größere wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Methodik des Talmuds vollendet, die hoffentlich recht bald der Oeffentlichkeit zugängig gemacht werden.

Ebenso groß wie als Wissenschaftler war er als Mensch. Als er nach Auflösung der Rawitscher Ge­meinde als Dajon nach Breslau berufen wurde, be­gann für ihn eine neue Tätigkeit auf dem Gebiet der praktischen Hut jüdischer Treue, indem er das Kasch- rus-Wesen unserer Gemeinde um- und ausgestaltete. Daneben war er an allen Einrichtungen, die dem thoratreuen Judentum dienten, führend beteiligt, sei es die Mittelstandsküche, die jüdische Schule, die Machsike-Thora. Bis vor einigen Jahren war er auch der Vorsitzende der Breslauer Ortsgruppe der Agu- das Jisroel, deren begeisterter Anhänger er von der Gründung an gewesen ist. Im Verbände der traditio­nell-gesetzestreuen Rabbiner Deutschlands, dessen Vorstand er angehörte, fiel wohl in letzten Jahren keine Entscheidung, bei der er nicht mitgewirkt hatte. Seine Persönlichkeit, in der die Würde des Talmid Chochom mit dessen Schlichtheit und Freundlichkeit gegen Jedermann gepaart war, zog alle in den Bann, die mit ihm in Berührung gekommen waren. Sein Haus war der Sammelpunkt geworden für diejeni­gen, die Lehre und Belehrung aus dem Munde dieses wahren Talmid Chochom suchten.

Die Beisetzung fand am Montag, den 5. Schwat in der Ehrenreihe des Breslauer Lohefriedhofes unter grgroßer Beteiligung statt. Rabb. Dr. Hoff mann gab der tiefen Trauer Ausdruck, die der Heimgang dieses Mannes in Breslau hervorgerufen hat. Rabb. Dr. Auerbach, Berlin sprach im Namen des Rab­biner-Seminars, sowie im Auftrage der Vereinigung traditionell - gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. Im Trauerhause wurden während der Schiwoh Hes- pedim abgehalten, bei denen Rabb. Dr. B i n e 11 e r im Namen der Agudas Jisroel-Ortsgruppe und zwei Schüler für den Kreis der verwaisten Talmidim und Freunde Dankes- und Erinnerungsworte darbrachten.

Mögen seine Verdienste seinen Kindern und sei­ner ihm gleichgesinnten Gattin, die es verstanden hatte, ihm das rechte Milieu für sein Wirken und Tun zu bereiten, beistehen,rT'axjn

Gladenbach, 29. Jan. Am Samstag, den 20. Ja­nuar verschied Frau Rosa Rosenzweig in Lim­burg, wohin sie vor einem Jahr zu ihren Kindern

übersiedelt war, nach kurzem Krankenlager in ihrem 75, Lebensjahre. Sie war die Gattin des vor zehn Jahren zur ewigen Ruhe heimgegangenen Lehrers und Kantors J. Rosenzweig, dessen 40jährige Wirk­samkeit in unserer Gemeinde heute noch unvergessen ist. Auf ihren Wunsch wurden ihre sterblichen

Ueberreste in der Heimaterde an der Seite ihres Gat­ten zur letzten Ruhe bestattet. Herr Prov.-Rabbiner Dir, C o h n , Marburg,; widmete der Verstorbenen einen Nabhruf, in dem die Vorzüge dieser edlen Frau in lebenswahrer Darstellung geschildert wurden. Im Namen der Familie rief der Schwiegersohn der r Ver­blichenen Worte des Dankes und der Liebe ihr nach. Das Andenken der Verstorbenen wird in der Ge-, meinde Gladenbach unvergessen bleiben.

Nürnberg, 16. Jan. In der frühen Morgenstunde des ns» 3"3 ist Frau Babeüe Sohn, geb. Ham­burger, nach kurzer Krankheit von dieser Welt ge­gangen. Einem altfränkischen Geschlecht der Ge­meinde Burgsinn entstammend, hat sie zeit ihres Le­bens die- Grundsätze echt jüdischer Lebensführung hochgehalten und in ihrem eigenen Leben verwirk­licht. Die Obliegenheiten der jüdischen Frau und Mutter hat sie mit ergreifender Innigkeit und dem strengen Ernst eines verantwortungsvollen Pflichtbe­wußtseins erfüllt. In den 45 Jahren ihrer Ansässig­keit in Würzburg stand sie unablässig im Dienst von O'Vin lipo, und *ion ' jt^'M. keine Tages- und Nacht­stunde scheuend, das heilige Amt auszuüben. Ein klarer Wirklichkeitssinn und die überlegene Art, die Dinge der Welt zu beurteilen und dem jüdischen Bewußtseinsinhalt einzufügen, ließen sie groß und verehrungswürdig erscheinen. Dabei war sie beschei­den und anspruchslos, eine Frau, die still durchs Leben zog und auch in den Jahren der Ruhe ein stilles Leuchten verbreitete. Sie hat das Leben ge­meistert; sie trug die starke nnas herüber von einem innerlich gefestigten Zeitalter in die Zeit, in der wir so vieles fest Geglaubte dahinschwinden sehen. Ihr r-YDT sei uns ein Helfer vor dem Allmächtigen.

rraxan

Fürth i. Bayern, 17. Jan. Am 1. Teweth verstarb hier, 62 jährig, Rabbiner Sandor Alexander Löwy. Sein Heimgang riß eine schmerzliche, schwer heilbare Lücke in den Kreis der hiesigen Gesetzestreuen. Sein Leben gab das seltene Vorbild einer ungewöhnlichen Thoraliebe, aber gleichzeitig auch ein erschüttern­des Beispiel des D'nan ">"f>nbn bv n?x- Vor ca. 40 Jahren war der scharfe ungarische Bochur von der Preß­burger Jeschiwo als Hauslehrer hierher gekommen. Obwohl mit. glänzender Hatara ausgestattte, Schüler des Putnpker Oberrabbiner Meir Tenenbaum, ver­diente er sich bald als Kaufmann sein Brot und hat bis an sein Ende das Doppeljoch von min und^s "]Tt in Ehren getragen. Lange Jahre fungierte er dabei als Rabbiner des Bikkur-Chaulim-Vereins; im Krieg diente er als österreichisch-ungarischer Feldrabbiner. Eine ansehnliche Zahl von Schülern, große und kleine, hat er aus dem reichen Schatz seines Wissens und mit der ganzen Hingabe seines taurohfreudigen Ge­mütes belehrt. Bei alledem fand er noch Zeit zu ge­diegener literarischer Tätigkeit. Er war Mitarbeiter des tiov Bj?^ v i und stand mit hervorragenden Tauroh­gelehrten seiner Heimat in Verkehr. Ein Kommentar von ihm zum"jvnimsD. speziell zum 2., noch nicht erschienenen Teil desselben, wurde von Rabbiner Salomon Breuer b"sir und vom Rektor des Rabbi­nerseminars David Hoffmann b'W' hervorragend app­robiert. (Die Herausgabe des Werkes aus der im Fa­milienbesitz befindlichen Handschrift seine erste Frau aboy-ip geb. Berlinger aus Berlichingen, stammte vom b"i i"v ab mißglückte leider mitten im Druck; so harrt das Werk noch des Erlösers!) Aus den um­fangreichen n"aj 'cm'n von der Hand bedeutender jzrnan ^nbri seiner schwiegerväterlichen Familie (R. Elieser, Rabbiner zu Schwabach, und R. Mausche, Rabbiner zu Trier, Schüler des Mainzer Gaon R. Hirsch Scheier) gab er in vorzüglicher Redigierung das pns rsi->i2nY>n-ISO heraus. Als reifer Nachlaß von ihm selber liegt ein wohl druckfertiger na/ri vor, D'ion m^m 's, das zahlreiche mm 'en-pn enthält und vor allem die gehaltvollen Mussarrederi, die er regelmäßig bei der Jahresß'udo der Chewro Kadischo, deren Mitglied er selber viele Jahre war, hielt. Den Ver­lust der ersten Gattin und zweier Söhne in blühen­dem Jugendalter, wirtschaftliche Not, Ungemach und Krankheit alles trug er in bewundernswerter Er­gebenheit als nans bv pno' Der Hesped des Herrn Rabb. Dr. Breslauer in der nsatp brachte das Wirken und Wollen des Verstorbenen vor einer gedrängten ergriffenen Trauerschar klagend und mahnend zu Bewußtsein, Möge ~"3pn seinen Kindern und seiner Witwe, der treuen Lebensgefährten seiner Leidens­jahre, Trost gewähren und Segen aus seinem r-iiar-

rraxjn

Aurich, 20. Jan. Am 3. Nissan begeht Herr Ben­jamin Baruch W o 1 f f , Lehrer i, R., in körperlicher Gesundheit und geistiger Frische seinen 8 0. Ge­burtstag. Ein Kind unserer Gemeinde, erlangte er seine Ausbildung in der früheren jüdischen Leh­rerbildungsanstalt in Hannover (1. 5,- 72 bis 1, 4, 75). Seine erste Lehrerstelle war Neustadt a. Rbge. (bis 1878), wurde dann von der Auricher Gemeinde (1, 7, 78) in seine Heimatstadt berufen, woselbst er erst als 2. Lehrer, später als 1. Lehrer und Prediger bis zu seiner am 1. 7, . 26 erfolgten Pensionierung tätig war. Ausgerüstet mit einem Außergewöhnlich reichen jüdischen Wissen und einer selbstlosen Hin­gabe und Liebe für seinen Beruf, nur strebend für nun und miay hat er ungemein segens- und erfolg­reich in unserer Gemeinde gewirkt. Ihm ist es in der Hauptsache zu danken, daß in der Auricher Ge­meinde echt jüdisches Leben pulsiert und hat er sich

im'mer mit seiner ganzen Persönlichkeit dafür ein­gesetzt, daß Sabbat und Festtage, nichts von ihrer alten^Heiligkeit und Weihe einbüßen. Wie Herr Wolff im, gesetzestreuen Judentum fest verwurzelt ist, so hat er es verständen, die ihm anvertraute Jugend lind Gemeinde im Sinne des traditionellen Judentums zu erziehen. Gemessen an deutschen Verhältnissen, verfügten unsere jüdischen Kinder beim Verlassen der Volksschule dank der Lehrtätigkeit des Herrn Wolff über ein gutes Thorawissen und hatten immer das Streben, es zu verwerten und zu vertiefen. Für die Erwachsenen richtete Herr Wolff Schiurim ein, und noch heute erfreut sich sein allsabbatlicher Raschi- Schiur reger Beteiligung, Herr Wolff begnügt sich nicht mit der einfachen Wiedergabe des Raschi- Textes, sondern er kündet mit jugendlichem Eifer und hinreißender Begeisterung seinen Hörern aus dem großen Schätze seines Wissens jüdische Lehren und Wahrheiten. Die Auricher Gemeinde darf stolz auf ihren pensionierten Lehrer sein, dem sie Liebe und Verehrung entgegenbringt. Sie feiert mit ihm seinen 80. Geburtstag und wünscht ihm

TUE? WWy) nKÖ 137

' . -v- W.

Dieburg, 30. Jan. Herr Lehrer David Kauf­mann feiert am kommenden mt? seinen 7 5, Ge­burtstag. Wir wünschen dem verdienten Manne weiteren heiteren Lebensabend im Dienste seines G'ttes und seiner Gemeinde, wy^ny-

Delmenhorst, 23, Jan, Eine wahrhaft fromme Frau ist in Vechta mit Frau Sofie G e r s o n dahingegan­gen. An dem ungewöhnlich großen Trauergefolge, in dem die andersgläubige Bevölkerung des Ortes einschließlich der Geistlichkeit beider Konfessionen, den größten Teil ausmachte, ließ sich die große Ver­ehrung erkennen, deren die bescheidene Frau in allen Kreisen sich erfreut hatte und die auch in den ztt Herzen gehenden Worten des Herrn Landrabb. Dr*. de Haas zum Ausdruck kam.rrasan ;

Zürich, 14. Jan, Am vergangenen ?"W haben Wir Chajim O 11 e c h , unseren allbeliebten Reb Chajim Schauchet, zu Grabe getragen. Wir können es noch, nicht glauben und fassen, daß wir diese ehrwürdige Patriarchengestalt, mit den gütigen weichen, nur Liebe und Güte ausstrahlenden Augen nicht mehr sehen sollen, daß wir diesen würdigenSchliach Zibbur", der uns noch an den vergangenen heiligen Festen die Gebete mit so viel Wärme und Hingebung vorgetragen hatte, nicht mehr hören sollten. Es trauert nicht nur seine liebe Frau, die mit ihm in mustergültiger 46jähriger Ehe verbunden war, seine Kinder, denen er ein zärtlicher Vater war, wir alle, seine Verwandten, Freunde und Bekannten' haben einen Verlust erlitten, der nicht zu ersetzen ist. Möge sein r-rot ihnen und uns allen beistehen,

n"3!t3n

Vermischtes.

Straßburg, 19. Jan. Herr Rabbiner E. Botschko, Rosch-Jeschiwoh von Montreux, hielt an einem der letzten Sabbate eine Droscho in der Synagoge der Ez-Chajim-Gemeinde. Im Lichte der Sidra entwickelte er in fesselnder Rede folgende Grundgedanken des Judentums: die Seele des jüdischen Seins ist die Thora; diese seine Seele zu erhalten ist die Pflicht, die Berufung des Juden. Der Einzelne muß Leiden ertragen, um ihren eigentlichen Sinn zu verstehen und durch sie zur* Einsicht zu gelangen, daß nur in der Welt der Thora die Welt der Freude liegt. In der Thora und nur in ihr liegt der Selbstzweck des Juden, und alles andere ist Mittel zu diesem Zweck, Und wenn die Juden die ewige ' Wahrheit wieder verstanden haben werden, wenn sie wieder zur Thora zurückgekehrt sein werden, dann wird auch Moschiach zur Erlösung der ganzen Welt kommen. Gespannt folgte das große Auditorium der Andächtigen den Ausführungen Rabbiner Botschkos. Es war der wür­dige Abschluß einer Reihe von Droschos, die der große Talmudgelehrte in privaten Kreisen gehalten hat, und die einen bleibenden Einrduck gemacht haben.

Lohdon, 17. Jan. Anläßlich der Jahrzeit Rabbi­ner Samson Raphael Hrischs s, A. veranstaltete die englische Agudas Jisroel in London einen Hirsch -Abend, der sehr gut besucht war, Red­ner waren die Herren Rabb, Dr. Eli Münk, Harry A, Goodman und Hermann Schwab.

Die Londoner Agudas Jisroel beabsichtigt im März-April eine Reise nach Erez Jisroel zu veranstalten. Es sind dafür 4 Wochen in Aussicht genommen einschließlich eines Aufenthaltes von 12 Tagen in Erez. Jisroel. Näheres wird noch bekannt gegeben. Indessen werden schön jetzt alle, die an der Reise interessiert sind, gebeten, sich mit dem Aguda- Office, London, Whitcchapel Road 1, in Verbindung zu setzen,

Tel-Awiw, 23, Jan. Die H i.s t a d r u t h - h a- Charedim veranstaltete zu Ehren Dr. Isaak Breuers einen Empfang. Die Rede des Gastes machte auf alle Anwesenden tiefen Eindruck. Es sprachen außerdem Josef Vetter, Saly Geis, E, Le- winski, Rabb, Wölk, Jacob Landau, Sanzer.

*