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bewies aus der Bibel die Unmöglichkeit der Beschuldigung und
fuhr fort : Nein ! die Anklage ist zu monstruös , als . daß jemand
daran glauben , und daß fie von irgend einem andern Motiv , als
dem fluchwürdigen Golddurste im Orient erzeugt sein sollte . - -
Wir Christen sagen , sie seien geldsüchtig ; aber sie opfern dies
Geld ja auch für die Betreibung ihrer Religion ! Geht am Sonn ,
abend in ihre Läden , und ihr werdet sie mit einer Pünktlichkeit
verschlossen sehen , die alle Christen erröthcn macht . Ich kann
nicht schließen , ohne auf die feierlichste Weise als ein römisch -
katholischer Priester meinen Abscheu gegen alle Verfolgung um
der Religion willen auszusprcchen , so wiegegen alle die Männer
aus früheren Jahrhunderten , welche , eS sei als Geistliche oder
als Weltliche , die Juden verfolgt haben .
Herr Alexander Munro , Pfarrer der Schottischen Peters¬
kirche , schloß sich dem vorhergehenden Redner mit vielen biblischen
Argumenten und Bildern an , und hoffte , daß dem verfolgten
Stamme Juda ' s endlich ein schöneres Morgcnlicht strahlen würde .
" Und außerdem hoffe ich , ihr werdet auch keine sonstige Gelegen -
heit versäumen , eure Stimme aus diesem Centrum des mächti¬
gen Englands für die unterdrückten Israeliten in allen Ländern ,
wo sie noch schimpflich behandelt werden , in Italien und in an¬
deren Ländern , zu erheben . "
Herr Samuel Stocks fand es sehr angemessen , daß Manchester ,
eine Stadt , die mit Juden in so mannichfacher Beziehung stehe ,
sich dieser Sache besonders annehme , und in dem ' Gefühl , daß
das alte und das neue Testament untrennbar Zusammenhängen ,
und daß der Heiland - selbst ein Jude war, ' unterstützt er mit Ver¬
gnügen alle in dieser Hinsicht zu fassenden Beschlüsse .
Herr John Birt , Prediger an der Baptisten - Kapelle , Zjork -
street , fand es minder angemessen , auf die besonderen Umstände ,
als auf das Prinzip der unverjährbarcn Rechte der Mensch¬
heit - im Allgemeinen und insbesondere der Glaubensfreiheit
Rücksicht zu nehmen , welche er in einem sehr liberalen und
beredten Vorträge vertheidigte . Ich habe besonderes Inter¬
esse für unserü Gegenstand gewonnen , als ich den Herrn , der
Herrn Montifiore auf seiner ruhmwürdigen Reise begleitet , vor
Kurzem in einer Versammlung über einen verwandten Gegenstand ,
die gänzliche Abschaffung der Sklaverei , reden hörte . Es war
Herr Cremieur , ein Mitglied des Pariser Advokatenstandes ,
der dort mit seinen Amtsgenoffen völlig gleich in Rang nnd in
Ansehen steht . Wir hörten eine so kräftige , pathetische und übcr -
zeugungsvolle Rede von ihm , daß wir alle erfreut waren , einen
solchen Mann als denjenigen zu sehen , jder seinen Brüdern im
Orient zu Hülfe eilt . Diejenige christliche Secte , fuhr er fort ,
zu welcher ich mich zähle , wav vor nicht gar langer Zeit von
allen Vertrauens - und Ehrcn - Aemtern ausgeschlossen . Wären wir
so stehen geblieben , so hätte es mich dennoch gefreut , unsere jüdi¬
schen Brüder völlig cmancipirt zu sehen . Aber da jetzt für uns
jene Beschränkung verschwunden ist , so würde ich dreifach erröthen ,
wenn ich nicht ernstlich die völlige Emancipation für die einzige
Klasse zn erstreben suchte , der der vollständige Genuß der britti -
schen Konstitution noch entzogen ist , u . s . w .
Herr John Mävicar glaubte nicht , daß in allen Landen Ihrer
Majestät eine einzige Person der bekannten Anklage den ge¬
ringsten Glauben beimeffe . M . H . , sagte er , ich habe seit Jah¬
ren mit vielen Juden Verkehr und Umgang gehabt , und kenne
sie als eine humane unv wohlthätige Ration . Ich habe
mich oft in Wohlthätigkeitsangelegenheiten an sie gewendet , und
immer mit reichlich so gutem Erfolge als bei den Christen dieser
Herr Abraham Warkin rief das Interesse jedes Engländers
für jeden Unterdrückten und Unglücklichen an . Unv mit wem
sagte er ferner , sollen wir hier sympathisiren ? Mit den Juden ,
den lebenden Abkömmlingen und Vertretern derjenigen , denen
wir unendlich verpflichtet sind ; mit den Juden — unseren
Nachbarcn und Freunden , mit denen wir leben ; mit den Juden ,
unfern Mitbürgern , die allen ihren bürgerlichen Pflich¬
ten streng genügen , und unter uns auf eine Weise leben ,
welche in Hinsicht jeder Art von Refpectabilität viele von uns
Christen beschämt . Fühle » wir mit denen , die mit uns fühlen !
denn zu welcher von den vielen Stiftungen in dieser Stadt sub -
ssribircn die Juden nicht mit Freigebigkeit ? Auch ich habe , wie
Herr Mävicar , mich oft - in Wohlthätigkeits - Angelcgcuheiken für
Christen an Juden gewendet , und immer reichliche Unterstützung
gefunden .
Herr W . Rayner Wood sprach sein . Bedauern aus , daß Eng¬
land je an Judenverfolgungen Theil genommen , und freute sich
der veränderten Zeit . Erhoffte , daß solche Versammlungen , wie
diese , die Negierung zur Aufbietung aller ihrer Kräfte zur Ver¬
wendung für die Leidenden ansporncn würden .
Nachdem die Versammlung die Veröffentlichung aller dieser
Beschlüsse nnd den üblichen Dank gegen den Vorsitzenden beschlos¬
sen hatte , ward sie aufgehoben . "
Ein Theil des schrecklichen Dramas ist . Dank der göttlichen
Vorsehung ! beendigt . Die Juden zu Rhodus sind durch den
Divan zu Konstantinopel von jeder Beschuldigung freigespro¬
chen worden .
Immer mehr sind die inneren Angelegenheiten unserer Glau¬
bensbrüder im Fortschreiten begriffen , und auch heute können wir
einige solche Beispiele namhaft machen :
In Lichtenstedt , in Böhmen , ist die Synagoge ganz
nach dem neuen israel . Tempel in Prag eingerichtet , nnd der
Gottesdienst wird mit Choral und Predigt unter stiller leiser An¬
dacht abgehalten . Der unanständige Mizwothverkauf ist ebenfalls
abgestellt , und ebenso sind alle für unsere Zeit unpassenden Piu -
tim beseitigt , oder modistzirt worden .
Nach diesem Borbilde wird auch in Königswart und selbst
in der kleinen , mittellosen Gemeinde Stein grab der Gottes¬
dienst gehalten .
Desgleichen wird aus einer anderen kleinen Gemeinde , Rom¬
rod , im Großherzogthume Hessen , der Act einer Confirmation
gerühmt , welchen der Lehrer A . Cahn aus Alsfeld zur allge¬
meinen Erbauung der israelitischen und christlichen Zuhörer in
der dortigen Synagoge gehalten .
Aus Aschaffen bürg berichtet die Didaskalia : In unserer ,
durch die Abreise des königl . Hofes und den Abmarsch der Gar -
nison in das Uebungslager ziemlich still gewordenen Stadt wurde
verflossenen Freitag ein seltenes Fest gefeiert : eine Synagogen -
Einwcihung . Nicht den hiesigen und den benachbarten Israeliten allein
galt dieses Fest ; denn fast die ganze christliche Bevölkerung Aschaf -
' fenburgs legte hiebei die wärmste und . auftichtigste Theilnahme
' an den Tag , durch die That beweisend , daß oft diejenigen am