DER FUENFTE ZIONISTEN - KONGRESS .
Eröffnungsrede , gehalten von Dr . Theodor Herzl .
Geehrte Kongressmitglieder !
Wir versammeln uns heuer zum fünftenmal
— zum viertenmal in Basel — wo unsere Be¬
wegung mit einem von uns aufrichtig bedankten
Wohlwollen angesehen wird . Es darf auch ge¬
sagt werden , dass die Gastfreundschaft für eine
Bewegung , welche Notstände lindern will , den
alten Ruhm dieser Stadt nur noch vermehrt hat .
Schon ist manches , was uns schwer war ,
halb vergangen und anderes halb erreicht . Eines
aber lassen Sie mich vor allem begrüssen : dass
wir - uns in Treuen wieder zusammenfinden , und
dass die Jahre unsere Begeisterung für ein
schönes Ziel nicht abgekühlt haben . Der Tod
hat uns manchen guten Mann fortgenommen .
Alter , körperliches Leiden oder Berufspfliehten
haben mehrere verhindert , aber auch sie sind
im Geiste anwesend . Die in anderen Weltteilen
Wohnenden konnten in dieser Jahreszeit nicht
leicht reisen , aber auch solche sind erschienen ,
und neue Mitarbeiter sind uns in erfreulicher
Weise zugewachsen , nicht nur Juden ! Es ge¬
schieht nicht in der Verblendung eines Partei¬
menschen , wenn ich sage , dass die aus anderen
Konfessionen und Nationen herankommenden
Helfer zu den Besten und Edelsten gehören . Es
sei gestattet , die Worte zu citieren , die der eng¬
lische Dichter Hall Caine vor kurzem in einer
Versammlung in London sagte : „ Wenn ich selbst
ein Jude wäre , so wäre ich auf diese Thatsache .
höchlich stolz — stolz darauf * zu einer alten
Rasse zu gehören , die einige der grössten Männer
hervorgebracht hat ; stolz auf eine Nation , die
- ' noch immer einen starken Anteil an den ' Welt¬
angelegenheiten hat , obwohl sie weder Thron, ,
noch König , noch Soldaten , noch , auch einen :