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Revue der Presse .
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dieser jüdischen Abgeordneten , Kapitän H ; M . Jessel , em
Sohn des verstorbenen Oberrichters Sir Georges Jessel , ist
einstimmig - zum Lord Mayor von Westminster gewählt worden .
Somit ist , wie die City , auch der vornehmste Stadtteil
Londons , in welchem das Parlament und die Ministerien
liegen , durch judische . Bürgermeister vertreten . Dem Bei¬
spiele der Hauptstadt ist das benachbarte Gravesend ( Kent )
gefolgt , wo unserm Glaubensgenossen H . S . Davis die
Mayors - Würde übertragen wurde .
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Dr « Bloch ' s Wochenschrift schreibt :
Vor kurzem hat die „ Vereinigung christlicher Frauen
Iilands " auf ihrer Jahresversammlung einstimmig folgende
Resolution gefasst : „ Die Versammlung der christlichen Ver¬
einigung irischer Frauen hat von der gegenwärtigen Be¬
handlung der Juden in Rumänien gehört und hat den
Wunsch , auf das ernstlichste und dringendste gegen eine
Fortsetzung dieser Verfolgung zu protestieren . Sie ersucht
den Vorstand der evangelischen Allianz , diese Resolution der
Regierung mit dem Bermerken zu unterbreiten , dass sie von
den Vertreterinnen von Tausenden von irischen Frauen an¬
genommen worden ist . " — Major Evans Gordon wurde nach
seiner Rückkehr von der Reise nach Russland , Rumänien
und Galizien von zahlreichen Journalisten , ersucht , seine Ein¬
drücke über die osteuropäischen Juden mitzuteilen . Major
Gordon lehnte einen ausführlichen Bericht mit der Begrün¬
dung ab , dass er im Begrifl stehe , das Ergebnis seiner Reise¬
studien in einer Broschüre niederzulegen , und dass es ihm
nicht angemessen erscheine , vor Veröffentlichung dieser
Schrift Einzelheiten in der Tagespresse zur Sprache zu
bringen . Er wolle nur bemerken , dass er in Bukarest , in
Kowno und Warschau jüdische Gelehrte , Schriftsteller und
Privatleute kennen gelernt habe , mit denen er sich aufrichtig
befreundet habe . „ Die Situation in Rumänien ist skandalös .
Jch habe die Absicht , hier im Unterhaus eine Debatte darüber
zu veranlassen , und ich halte eine solche Debatte für ausser¬
ordentlich wertvoll . Die Wirkung einer Parlamentsdebatte ,
in der mancherlei Dinge zur Sprache kommen , und für die
ich mich ganz besonders vorbereitet habe und hoffentlich auch
die rechten Worte finde , muss von grosser Bedeutung sein
und würde auch in Rumänien einigen Eindruck machen . Als
ich dort war , habe ich über d ese Dinge mit mehreren Staats¬
männern gesorochen , obgleich diese , wie ich wohl wusste ,
nicht gern kritisiert werden . Sie behaupten sogar , dass sie
materielle Schädigungen aus ausländischen Kritiken durchaus
nicht fürchten , sie scheinen aber zu vergessen , dass man
manchmal Freunde sehr nötig hat . Ich möchte gern wissen
wie unsere Regierung darüber denkt, ' und was . sie zu thun
beabsichtigt ; deshalb habe ich im Unterhaus die Anfrage
wegen der amerikanischen Note gestellt . " Im Laufe des Ge¬
spräches erzählte Major Gordon die Geschichte von einem
rumänischen Juden , der als Soldat im russisch - türkischen
Krieg mit grosser Tapferkeit seinem Vaterlande gedient
hatte und zur Belohnung dafür rumänischer Bürger geworden
war . Während Major Gordon in Rumänien war , hatte der
Sohn dieses tapferen Soldaten seine Naturalisation nachge¬
sucht und war abgewiesen worden . „ Das ist . was die
Deutschen „ gemein " nennen " , fügte der . Major hinzu . „ Und
haben Sie auf Ihrer Reise bestätigt gefunden, " fragte der
Besucher , „ dass die Juden eine Nation von Plutokraten sind ? "
Mit mitleidsvollem Lächeln erwiderte Major Gordon : „ Sie
sind das ärmste Volk auf Gottes Erdboden . "
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Soeben hat der Petersburger dirigierende Senat eine
Entscheidung getroffen , welche vielen jüdischen Handwerkern ,
wie die „ Nowoje Wremja " richtig bemerkt , das ihnen bisher
zuerkannte Wohnrecht in ganz Russknd endgülig abspricht .
Die Entscheidung des Senates lautet : „ Juden , welche das
Handwerk von Strassenpflasterern , Steinklopfern , Damm¬
gräbern , Zimmerleuten und Stukkateuren ausüben und von
den Zünften diesbezügliche Zeugnisse besitzen , dürfen sich
ausserhalb des jüdischen Niederlassungsgebietes weder nieder¬
lassen noch zeitweilig aufhalten . " Der Beschluss der Gou¬
vernements - Verwaltung von Kiew , jüdische Handwerker dieser
Kategorie aus Kiew auszuweisen , wurde vom Senate als ge¬
setzlich befunden . . .
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Wie der „ Minskij - Listok " meldet , wurde die jüdische
Bevölkerung von Sasslawl unlängst von den russischen
Rekruten der diesjährigen Einberufung überfallen , arg miss¬
handelt und ihr Hab und Gut verwüstet und geplündert .
Die Scheiben in den jüdischen Wohnungen wurden zer¬
trümmert , die Thüren erbrochen und das Hab und Gut der
armen Juden teils vernichtet , teils weggeschleppt . Zwei
Juden wurden von den Rekruten schwer verletzt .
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Leipziger Neueste Nachrichten . Leipzig , 24 . No¬
vember 1902 . Die Begründung einer jüdischen Universität
planen , so berichtete ein Londoner Blatt , die Führer der
Zionistenbewegung . Jüdische Geldleute sollen schon 1 000 000
Francs für die Kosten des Plans , der im ganzen 12 000 000
Francs erfordert , garantiert haben .
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