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Theodor Herzl .
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beitefs , der mitten in seiner Arbeit zusammen¬
brach ; in der Zeit des allseitigen Verrats und der
Fahnenflucht das Bild eines Mannes , der seinem
Volke sein Leben weiht , unerschrocken , un¬
verzagt , bis „ > : am letzten Atemzug aufrecht ,
hoffend , träumend , liebend — und darum im
Tode noch ein Wahrzeichen der unverwüst¬
lichen Lebenskraft seines Volkes .
REVUE DER PRESSE .
Im englischen Unterhause kam es völlig unerwartet zu
einer lebhaften Diskussion über das zionistische Ostafrika *
Projekt . Dqr Abg . Wason ( Ire ) protestierte gegen das
Projekt einer zionistischen Niederlassung in Ostafrika . Er
fürchtete , dass die Durchführung dieses Planes dazu dienen
könnte , Unruhen hervorzurufen . Die Bevölkerung des Landes
sei im höchsten Grade erregt über den Gedanken , dass das
Laud an russische und rumänische Juden ausgeliefert werden
solle . Die Folge werde wahrscheinlich ein Aufstand der
Eingeborenen sein . Keine der englischen selbstregierenden
Kolonien würde jemals die Errichtung einer Niederlassung von
solchen Leuten dulden , die weder die englische Sprache ,
noch die der Eingeborenen sprächen . Major Evans Gordon
erklärte , dass vorläufig diese ganze Niederlassungfrage noch
sehr schattenhaft sei . Vorderhand sei man überein¬
gekommen , an Ort und Stelle zu untersuchen , wie weit
die Idee einer Ansiedelung durchführbar sei . Die Schwierig¬
keiten seien jedoch so gross , dass es als fraglich bezeichnet
werden müsse , ob auch nur eine einzige jüdische Familie die
Ansiedelung versuchen werde . In dieser Ansiedelungsfrage
eine Bedrohung des Bestandes des englischen Weltreiches zu
erblicken , sei einfach lächerlich . Nachdem Sir Gilbert Parker
den Antrag Mr . Wasons , der auf blosses Gerede begründet
sei , „ frivol " genannt hat , ergriff Lord Percy das Wort , um
den Ahl rag , der auf durchaus falscher Voraussetzung beruhe ,
als einen Missbrauch der Geschäftsordnung zu bezeichnen .
Mr . Wason habe das Ostafrikaprojekt mit der Eingeborenen¬
frage verquickt und somit zwei Sachen zusammengebracht ,
die miteinander absolut nichts gemein haben . Als im
Juli vorigen Jahres ein Vertreter der Jüdischen Kolonial¬
bank sich bei Lord Lansdowne erkundigte , ob er einer
Landkonzession an die Juden in Ostafrika nähertreten
wolle , waren die Nachfragen nach Land in Ostafrika sehr
gering . Unter solchen Umständen konnte Lord Lansdowne
dem zionistischen Plane nicht anders als günstig sein , vor¬
ausgesetzt , dass sich ein geeignetes Territorium finden
und eine Einigung über die Prinzipien der Selbstverwaltung
erzielt werden wird . Indessen sind Vertreter der
Kolonialbank nach Ostafrika abgegangen , um das den
Juden zur Verfügung gestellte Territorium zu besichtigen .
„ So lange diese Pierren ihren Bericht noch nicht erstattet
haben , daif ich dem Hause keine Mitteilung machen . So¬
viel darf ich schon jetzt sagen , dafs weder die Rechte der
britischen Untertanen , noch die der Eingeborenen durch das
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ostafrikanische Projekt im . geringsten geschädigt werden sollen .
Den Interessen der britischen Untertanen ist insofern Rech¬
nung getragen worden , als das den Juden angebotene Land
durchaus nicht an der Eisenbahn gelegen ist . Dasselbe liegt
ferner in der Provinz Naivasha zwischen Victoria - und
Rudolf - See , wo es faktisch keinen einzigen Eingeborenen gibt .
Es ist ein absolut unentwickeltes Land , etwas von der Eisen¬
bahn entfernt , und die Juden werden dort mit den Europäern
kaum in nähere Berührung kommen können . Es muss aller¬
dings zugegeben werden , dass die Regierung sich keineswegs
ausschliesslich von finanziellen Motiven hat leiten lassen . Bis
zu einem gewissen Grade haben da auch die Sympathien
eine Rolle gespielt , welche jede christliche Nation , namentlich
aber die englische , für eine Rasse hegen muss , die während
einer viele Jahrhunderte dauernden Verfolgung mit wunder¬
barer Ausdauer an den Prophezeiungen ihrer Propheten
glaubte . " Redner ging dann näher auf die soeben erfolgte
Amtsniederlegung des Gouverneurs Sir Charles Elliot ein ,
welche wohl mit der Eingeborenen - Frage, - aber nicht mit
dem jüdischen Ostafiika - Projekt zu schaffen habe , und fuhr
dann fort : „ Seit Bekanntwerden der Verhandlungen der
Regierung mit der jüdischen Kolonialbank hat der Strom der
Ansiedler nach dem ostafrikanischen Protektorat , von dem
bis dahin niemand etwas wissen wollte , so grosse Dimensionen
angenommen , dass das ganze längs der Eisenbahn zur Dis¬
position stehende Land bereits vergeben ist , und die Regierung
sich genötigt sah , weitere Konzessionen in der Provinz
Naivasha zu verweigern , da man sonst den Interessen der
Massais nahetreten würde . Sir Charles Elliot war mit dieser
Bestimmung zum Schutze der Rechte der Eingeborenen nicht
einverstanden und legte sein Amt nieder . " Sir Edward
Grey : „ Mancher stösst sich daran , dass das Land gerade für
jüdische Ansiedler bestimmt ist . Wir alle wissen , was Anti¬
semitismus ist und was diesen Antisemitismus veranlasst hat .
Allein es gibt noch Menschen , die über die Juden anders
denken ! Es ist das ein Millionenvolk , dessen Angehörige
eine lange Reihe von Generationen hindurch über die ganze
Erde zerstreut sind ohne Heimat und ohne Hoffnung . Ich
sage es frei heraus : Jeder Versuch , diesem Volke innerhalb
der Grenzen des britischen Weltreichs eine Heimat und eine
Zuflucht zu schaffen , besitzt meine volle Sympathie . " ( Beifall . )
Der Antrag Wasons wurde ohne Abstimmung durch Ueber -
gang zur Tagesordnung abgelehnt .