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MAUSCHEL .
Von Benjamin Sei f . * )
Mauschel ist Antizionist . Wir kennen ihn schon
lange , und es hat uns auch immer der Ekel gehoben ,
wenn wir ihn ansahen , wenn uns das Leben in seine
Nähe oder gar in Berührung mit ihm brachte . Aber
zu dem Ekel , den wir vor ihm empfanden , gesellte
sich bisher immer Mitleid , wir suchten nach milden
historischen Erklärungen dafür , dass er ein so ver¬
kümmerter , verdrückter und schäbiger Geselle sei .
Und dann : er ist doch unser Volksgenosse — wenn
auch nicht die mindeste Veranlassung vorliegt , uns
etwas auf seine Genossenschaft einzubilden . Wir sagten
uns , dass wir ihn ertragen müssten , ja dass es unsere
hohe Aufgabe sei , ihn zu veredeln , dass wir alle an
dieser Aufgabe wachsen würden , und mit einer Art
von romantischer Zärtlichkeit oder Schwäche nahmen
wir uns seiner an , weil er ein Lump war . Wenn
Mauschel eine Gemeinheit beging , trachteten wir sie
zu vertuschen . Wenn Mauschel recht niedrig war ,
erinnerten wir die Welt an die Grossen unseres Volkes .
Wenn Mauschel uns alle kompromittierte , schämten
wir uns oder schäumten insgeheim — jedoch wir
schwiegen .
Da hat Mauschel endlich etwas getan , was Lob
verdient , was uns zur Ehre gereicht , und wodurch er
uns für manches entschädigte , das wir seinetwegen er¬
dulden mussten . Er hat sich von uns losgesagt . Mauschel ?
das ist ein schöner Zug !
— Aber wir sprechen
von Mauschel , ohne ihn
noch gebührend vorgestellt
zu haben . Wer ist denn
dieser Mauschel ? Ein Typus ,
meine lieben Freunde , eine
Gestalt , die in den Zeiten
immer wiederkehrt , der
fürchterliche Begleiter des
Juden und vom Juden so
unzertrennlich , dass man
beide miteinander stets ver¬
wechselt hat . Der Jude
ist ein Mensch wie andere ,
nicht besser , nicht schlechter ,
höchstens verschüchtert und
verbittert durch die Ver¬
folgungen und von einer
grossen Standhaftigkeit im
Leiden . Mauschel hingegen
ist die Verzerrung des mensch¬
lichen Charakters , etwas un¬
sagbar Niedriges und Widerwärtiges . Wo der Jude
Schmerz oder Stolz empfindet , hat Mauschel nur
elende Angst oder höhnisches Grinsen im Gesicht . In den
harten Zeiten richtet sich der Jude auf , Mauschel da¬
gegen verkrümmt sich nur noch schmählicher . Werden
die Zeiten besser , so ist es für den Juden eine Mahnung
zur Milde , zur Duldung anderer , zum Wirken für die
allgemeine Wohlfahrt ; Mauschel aber wird frech und
hochmütig . Der Jude trägt in seinem vielgequälten
Herzen eine unauslöschliche Sehnsucht nach der Er¬
reichung höherer Stufen der Kultur ; Mauschel betreibt
hinter dem Fortschritt wie hinter der Redaktion nur
seine eigenen schmutzigen Geschäfte . Der Jude er¬
trägt die Armut mit Würde und Gottvertrauen , im
Reichtum Öffnet sich sein Herz weit für die Mühseligen
und Beladenen , und er besteuert freiwillig sein Wohl¬
ergehen durch grosse Gaben . Mauschel ist in der
Armut ein erbärmlicher Schnorrer , im Reichtum ein
noch erbärmlicherer Protz . Der Jude liebt die Kunst
und gelehrte Uebungen ; diese waren oft und lange
sein ganzer Trost in der Abgeschlossenheit , die ihm
eine feindliche Gesellschaft aufzwang . Von Mauschel
werden selbst Kunst und Wissenschaft um des ge¬
meinen Vorteils willen betrieben . So konnte man in
unserm Volke zu allen Zeiten sogar Kaufleute und
Handwerker von tiefer , schamhaft verschwiegener
Bildung sehen — in solchen Gestalten trat der Jude
* ) Benjamin Seff ( dnt ] Wd )
war der hebräische Name Theo¬
dor Herzls .
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Dr . Bodenheimer ,
Rechtsanwalt .
Theodor Herzl .
Max Nordau . D . Wolfsohn ,
Direktor der jüd . Kolonialbank .