Herausgegeben unter Mitwirkung von Prof. Dr. Hermann Cohen * Prof. Dr. Ludwig Geiger # Prof. Dr. D. Joseph * Prof. L. Kellner * Prof. Dr. M. Lazarus * Prof. Mandelstamm # Prof. Dr. Martin Philippson * K. K. Baurat Wilhelm Stiassny (Wien) * Prof. Dr. Otto Warburg # Baron David Ginzburg * Mathias Acher (Dr. Nathan Birnbaum) * Dr. S. Bernfeld * M. Buber * Achad Ha'am * Dr. Heinrich Meyer Cohn * Dr. Moses Gaster # Robert Jaffe * S. Lublinski * Dr. Rudolph Lothar # Dr. Max Nordau * Dr. Alfred Nossig # Nahida Remy * N. Sokolow # Dr. Ernst Tuch *
Jacob Wassermann * Dr. S. Werner.
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Heft 7 Juli 1901
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Verlag von „Ost und West".
DAS JUDENTUM IN DER DEUTSCHEN LITTERATUR.
Von Dr. Hans Landsberg.
Eine deutsche Litteratur, die einigermassen im Bewusstsein, wenn auch freilich nicht in der Kenntnis und Anteilnahme des Volkes lebt, existiert erst seit Lessing. Klopstock, mit dem man immer wieder beginnen möchte, war schon zur Zeit dieses grossen Kritikers fossil. Er besitzt nur literarhistorisch eine Bedeutung dadurch, dass er sich nach einer langen Epoche schwerfälliger und verschlossener Gelehrsamkeit, nach Jahrzehnten einer angelernten, prahlerischen Ausländerei, als erster getraute deutsch zu sein und ein Dichter. Dieses berechtigte Deutschtum schlug sofort in Deutschtümelei, in Teutonismus um, wie wir das später noch einmal in der Zeit der Belreiungskriege und wieder in der unmittelbaren Gegenwart erleben. Dazwischen liegen starke kosmopolitische Tendenzen des deutschen Geistes. Nicht nur die germanischen Brüder zieht er ins Land zur Befruchtung seiner heimatlichen
Kultur, wie gerade jetzt die Geister des Nordens, wie ehedem den grossen Britten, der in Deutschland vielleicht der nationalste Dichter neben Schiller geworden ist, wie späterhin Lord Byron, dessen Werke und Persönlichkeit der weltschmerzlichen Epoche unserer Dichtung, also den dreissi- ger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, Farbe und Stimmung verliehen. Zugleich streckt der deutsche Geist seine Fühler nach romanischen Ländern aus. Die deutsche Novelle bildet sich an den klarleuchtenden, tiefinnigen italienischen Erzählern des Quattrocento, der deutsche Roman empfängt seine besten Anregungen nach einander von Rousseau, Diderot, der George Sand, Zola, Maupassant, wenn er auch früher und später manches vom englischen und slavi- schen Geiste Richardson's, Scott's, Tolstoi's annimmt. Das deutsche Drama lernt überall da von den Franzosen und Spaniern, wo es vor-
