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der Juden anzusetz ' en sek . ihr SchuWesen auf etne ganz
neue Grundlage gestellt . Mit der Erziehung und dem
Unterricht der jüdischen fugend sei ei , sagt da - S General -
Iudenreglement . zurzeit äußert schlecht bestellt . Die
meisten Eltern ließen ihre Kinder von Hauslehrern unter¬
richten . die selbst nichts anderes verstünden als ihre Theo¬
logie und jüdisch zu lesen und zu schreiben . Selbst die¬
jenigen Schüler , dje eine weitergehende Bildung erwerben
wollten , beschränkten sich darauf , bei Männern , die in dem
Ruse vorzüglicher Gelehrsamkeit stünden , die Subtilitäten
ihrer Religion und der damit verbundenen Zivil - und
Ritualgesehe zu studieren , womit sie weder sich selbst noch
der bürgerlichen Gesellschaft irgendwelchen wesentlichen
Nutzen schaffen könnten . Cs sollen daher , bestimmt daS
Gesetz , an allen Orten , wo sich Synagogen befinden , öffent¬
liche jüdische Schulen gegründet und die Lehrer vom Staate
angestellt und besoldet werden . Diese Schulen sollen unter
ebenderselben Aufsicht stehen , wie die christlichen Volks¬
schulen , jedoch mit Hinzuziehung der Rabbiner und der
jüdischen Stadtverordneten . Wo es an geeigneten jüdi¬
schen Lehrern fehle , sollen zunächst christliche Lehrer im
Deutschen . Polnischen und im Reckmen an den jüdischen
Volksschulen unterrichten oder die jüdischen Kinder in der
christlichen Volksschule an diesen UnterrichtSgegenständen
teilnehmen .
Es sind , wie man sieht , Gedanken von weittragender
Bedeutung . Der gemeinsame Unterricht der Kinder ver¬
schiedenen Glaubens in den profanen Unterrichtsgegen¬
ständen war eine Neuerung , die Keime fruchtbarer Ent¬
wickelung in sich barg . — Selbst vor dem Religionsunter¬
richt machte die Regierung in ihrem pädagogischen Resorm -
eiser nicht Halt . Es fehle , sagt das Reglement , den Inden
bisher an einem ordentlichen Lehrbuch ihrer Religion , das
man dem Unterricht zugrunde legen könne . Daher wäre
für die Abfassung eines Buches zu sorgen , das nicht nur
die eigentlichen Religionssätze , sondern auch die damit un¬
zertrennlich verbundenen und aus jÄer Religion fließen¬
den Pflichten enthalte , die man seinen Glaubensgenossen ,
der Landesherrschaft , sich selbst und allen Menschen
schuldig sei .
In den Schlußworten wurden Verbesserungen des
Reglements in Aussicht gestellt , wie sie sich aus seinem
Zwecke : der Ausbildung der Inden zu guten und nützlichen
Untertanen oder aus ihrer hinlänglich erreichten Kultur
ergeben würden . — Es waren Aufgaben von gewaltigem
Umfang , die der Staat somit einem großen Teile der
Juden gegenüber ans sich nahm : ihre Üeberführung nt
zum Teil ganz neue wirtschaftliche und kulturelle Verhält¬
nisse . Und zugleich waren damit Kosten verbunden , die
der wohlwollende Gesetzgeber wohl nicht so hoch ange¬
schlagen hat . wie sie sich bei der Durclisi ' chrung ergeben
mußten . Es versteht sich daher von selbst , daß diese Re¬
formen nur sehr allmählich durchgeführt werden konnten .
- Alles war somit ^ noch > im Iluß , als im Oktober 1806
der preußische Staat bei Jena zusammenbrach und der
Friede von Tilsit ihn der neuen polnischen Provinzen be¬
raubte . Aus ihren Trümmern stieg am 21 . Juli 1807
das Herzogtum Warschau , eine Schöpfung Napoleons ,
hervor . In dem neuen Staate wurde die ganze Napoleo -
msche Gesetzgebung eingeführt , die auch die staatsrechtliche
Gleichberechtigung der Juden ausgesprochen hatte . Aber
am 17 . Oktober 1808 wurde sie auf zehn Jahre sus¬
pendiert .
Noch war dieser Zeitraum nicht verflossen , als mit
der Niederlage Napoleons auch das Herzogtum Warschau
ein Ende nahm . Der Wiener Kongreß sprach bekanntlich
Preußen nur einen Teil seiner im Frieden von Tilsit ver¬
lorenen polnischen Besitzungen , das Großherzogtum
Posen , zu . Bei der Organisation dieser Provinz griff man
auf das General - Iudenreglement von 1797 nicht mehr
zurück . Aber auch das Edikt vom 11 . März 1812 , durch
welches die Inden der alten Provinzen zu Staatsbürgern
erklärt wurden , führte man mit Riicksicht auf die Zahl
und fetf Zuskariö Set Irrverr fm GwWerssvgium Posen
nicht ein . Man entschied sich im Jahre 1818 dahin , von
Fall zu Fall und von Person zu Person den einzelnen
Juden ie nach dem Maße ihrer AssimNierung die Zu¬
lassung zu den StaatSdürgerrechten zuzuerkennen . Zu¬
gleich wurde eine allgemeine Regelung des Iudenweseris
in der Provinz versprochen . Berge von Asien häuften sich
bei den Behörden , aber noch fünfzehn Iah « vergingen ,
ehe die versprochene allgemeine Regelung wirklich erfolgte .
Der einzige bedeutsame Fortschritt in der Zwischenzeit war .
daß die Bestimmungen de - allgemeinen preußischen Land¬
rechts . das in der Provinz eingefl ' chrt wurde , auch für die
Juden Geltung bekam . Fortan mußten , wie alle an öf¬
fentlichen Schulen anzustellenden Lehrer , auch die jüdischen
sich einer Staatsprüfung unterwerfen . Auch die Privat¬
lehrer . selbst wenn sie nur in der jüdischen Religion unter¬
richteten . waren davon nicht befreit . Vor allem aber
wurde das UnterrichtSwesen der Juden durch den Schul¬
zwang , den das allgemeine Dandrecht aussprach , aus eine
neue Grundlage gestellt . Wo ei keine öffentliche jüdische
Schule gab , hatten die jüdischen Kinder die christliche Volks¬
schule zu besuchen . Die zahlwichen jüdffch - tälnmdischen
Privatschulen wurden daher zu Winkelschulen , welche daS
allgemeine Landrecht verbot . Freilich blieb dieses Verbot
noch für längere Zeit in vielen Gemeinden nur aus dem
Papier bestehen . Ein großer Teil der Gemeindemitglieder
hielt mit Zähigkeit an den Talmudschulen fest ; überdies
waren die Kosten der Errichtung öffentlicher jüdischer
Schulen vielfach zu groß , die christlichen Volksschulen aber
zu klein , um eine größere Anzahl jüdischer Schüler mit
ausnehmen zu können . Dem gesetzlosen UebergangS «
zu stand , in dem sich die Juden seit der Neuorganisation
des Großherzogtums befanden , machte erst Flottwell ein
Ende . Seinen Standpunkt den Jude « gegenüber hatte
er bereits eineinhalb Iah « vorher bei der Einführung
der revidierten Städteochnung zum Ausdruck gebracht .
Der mit der Einführung betrauten Kommission bemerkte
er , daß es ihm billig und notwendig erscheine , bei Fest¬
stellung der Wahlfähigkeit die Juden , wenn auch deren
bürgerliche Verhältnisse in der Provinz noch nicht reguliert
wären , keineswegs zu übergehen , vielmehr für ihre ange¬
messene Vertretung in der städtischen Vettvaltung zu
sorgen . Der Mlnizipakrat erklärte sich jedoch gegen diese
Zulassung , und da dös Ministerium sich auf seine Seite
stellte , mußte Flottwell nachgeben , obwohl er , lvie er den
beschwerdeführenden Posener Gemrindenntgliedern schrieb ,
mit ihnen „ die Neberzengnng teile , daß in der hiesigen
israelitischen Gemeinde sich viele Mitglieder befinden ,
welche sich zur Teilnahme an den bürgerlichen Ehrenrechten
der Gemeinde eignen " .
Um so größere Sorgfalt verwandte er auf „ die vor¬
läufige Verordnung ivegen des Iudenwesens im Gro߬
herzogtum Posen vom 1 . Juli 1833 " , die er als sein
- eigenstes Werk ansah . Durch sie wurden alle Juden eines
' Ortes oder eines ' SynagostenbezirkeS zu einer Korporation
vereinigt . Alle männlichen volljährigen , unbescholtenen
und sich selbständig ernährenden Juden sollten auS ihrer
Mitte Repräsentanten und diese wieder Berwaltungs -
beamte wählen , die der Bestätigung des Staates bedürfen .
Ihre Rechte und Pflichten sind bis auf heutigen Tag ,
wo die Wahlordnung eine zeitgemäße Umwandlung er¬
fährt , die gleichen geblieben . Der Korporation und ihren
Beamten wurde die Selbstverwaltung auf finanziellem
Gebiete zngewiesen . Waren in dieser Beziehung alle
Juden der Provinz einander gleichgestellt , so machte die
neue Verordnung die Erlangung der sofartigen Naturali -
sation noch von gewissen Vorauss ^ ungen abhängig . Diese
waren : völlige Unbescholtenheit , Fähigkeit und Verpflich¬
tung , sich in alten öffentlichen Angelegenheiten . Willens¬
erklärungen . Rechnungen und dergleichen der deutschen
Sprache zu bedienen ( eine Bedingung , von der jedoch dis¬
pensiert werden durfte ) . Annahme eines bestimmten
Familiennamens und der Nachweis , sich selbständig aus
einer Wissenschaft oder Kunst , Bewirtschaftung eines länd¬
lichen GrundstÄ ^ S , eitlem namhafter , Wenden GeKetKe ,
Hausbesitz oder Kapitalvermögen unterhalten zu können .
Noch folgenreicher waren die Bestimmungen , welche
da - Schulwesen betrafen ; sie sind ein Markstein in der
kulturellen Entwickelung der Juden der Provinz Posen
geworden . Die Vorstände der Korporationen wurden da¬
für verantworttich gemacht , daß kein jüdische - Kind vom
s - chsten di - zum vollendeten vierzehnten Lebensjahre sich
dem Besuche einer öffentlichen Schule , einer irischen oder
christlichen , entziehe . Armen Schulkindern seien die
nötigen Kleidungsstücke , das Schulgeld und die sonstigen
Schulbedürfnisse aus Gemeindemitteln zu liefern . — War
schon dieser Wog » den Schulzwang durchzuführen und die
Winkelschulen zu beseitigen , neu und eigenartig , so wa « n
zwei andere Anordnungen geradezu Ausnahmebestim¬
mungen . freilich in derselben volkserzieherischen Absicht
erlassen , die wir schon im General - Iudenreglement von
1797 kennen gelernt hatten . CS wurde für die jüdischen
Kinder eine schriftliche und mündliche Entlasiungsprüfung
eingefl ' chrt , die von dem OrtSschulinspettor abgehalten
werden sollte . Wer die Prüflmg nicht besiehe , solle solange
in der Schule zurückbehalten werden , bis er in einer er¬
neuten Prüfung seine Reise nachgewiesen habe . Bor dev
endgültigen Entlassung jedoch hätten die Vorsteher die
Eltern oder Vormünder der Knaben vorzuladen und sie
darüber zu vernehmen , welchem Bemf sie ihre Kinder oder
Mündel zuzufiihven beabsichtigen . Die Vorsteher seien
dafür verantwortlich , daß kein Knabe zu einem Gewerbe¬
betrieb oder Handel im Umherziehen gebraucht werde ,
sondern einen nützlichen Beruf ergreife . Sollte zwischen
beiden Teilen kein Einvernehmen erzielt werden , so sei die
EntscheDung deS LandratS des Kreises anzurufen .
Besonder - die letzte Bestimmung , welche das Der -
fügungS « cht der Eltern über ihre Kinder so wesentlich ein¬
schränkte , mutet uns heute fremdartig an . Man stelle sich
vor , was es bedeutete , daß jetzt die Entwickelung jedes
jüdischen Knaben gewissermaßen amtlich beaufsichtigt
wurde . Aber es ist kein Zweifel , daß die Anordnung , kon -
fcqitertt durchgeführt , von segensreichsten Folgen sein
mußte . DaS empfanden auch die Juden der Provinz ,
denen der Posener Dolmetscher I . W . Eichborn die Ver¬
ordnung in zwei Schriften erläuterte . Der 2 . April 1834 ,
an dem die ersten Repräsentanten gewählt wurden . wurde
von ihnen festlich begangen . Man speiste die Armen und
kleidete die Waisenkinder imt ein . In Posen wurde die
Verordnung auf einem Sammetkissen durch die Juden -
strasre getragen , oberes war sie festlich beleuchtet . Die
Ausfiihrung der Verordnung wurde streng gehandhabt .
Die Listen der jüdischen Schulkinder mit dem Vermerk
über ihren künftigen Beruf mußten der Regierung , später
dem Oberpräsidenten selbst eingereicht werden . Dieser
kargte weder mit Lob noch mit Tadel . Den Vorständen
erwuchs , wie man sich denken kann , durch die Schulaufficht
und durch die Verhandlungen mit den Eltern und Vor¬
mündern der angehenden Schüler eine große Arbeitslast /
Im allgemeinen darf man jedoch sagen , daß sie gern und
willig getragen wurde . Charakteristisch für die vielen
Schwierigkeiten , die ihnen hierbei entgogentraten , ist ein
bei den Akten befindlicher Bericht des ersten Vorstehers der
Grätzer Gemeinde , Masse . über die dortigen Schulzustände .
ES geht daraus hervor , daß immer noch viele jüdische
Kinder eine Winkelschule besuchen , und zwar oft vom
vierten Lebensjahre an . Sie kämen frühmorgens in die
engen , dumpfigen Räume dieser Schulen und brächten fast
den ganzen Tag dort ' zu . Die Folge sei eine körperliche
Verkümmerung , so daß vierzehnjährige Kinder wie zehn¬
jährige aussähen . Eine weitere Folge , daß sie ihrer
Schwächlichkeit wegen zu vielen Handwerken ungeeignet
wären . Trotzdem gäbe cs in Grätz eine große Anzahl
jüdischer Handwerker , namentlich Schneider . Kürschner ,
Schuhmacher , Gerber , und die stattliche Zahl von fünfzig
jüdischen Lehriburschen beweise , daß der Sinn für die Wahl
eines stetigen ErweMzweiges reichlich vorhanden sei .
cScl ' luß folgt . ' )
Er fühlte eine brennende Sehnsucht , das Meer wieder -
znsehen , am warmen , sonnenübrrglänzten Strande zu liegen ,
das Rauschen der Wogen zu hören und in den blauen Him¬
mel zu sehen . —
Er schließt auf kurze Zeit die Augen und hört auf das
eintönige Poltern des Zuges . Sein ganzes Wesen gerät in
eine Verworrenheit , die Traumgesichte in ihm erzeugt . Vor
seinem geistigen Auge ziehen bunte Bilder vorüber , aber bei
allen sieht « r das Meer . —
Der Zug rollt weiter . Es ist schon spät am Nach¬
mittag . Die Sonnenstrahlen fallen schräg ins Coupe . Laut
kreischend hält der Zug .
Wenkenhagen ! Dis letzte Station vor Wollahn . —
Wieder dröhnen die Räder . —
Eine fiebernde Ungeduld hat Waller ergriffen . — Er
fühlt ein Zucken in den Schläfen und hört , wie ihm das
Herz pocht . —
Er reißt das Fenster auf . — und in vollen Zügen
atinet er eine kräftigere , würzigere Luft .
. . Das ist Meevwind ! " jubelt Walter und jetzt erblickt er
hinter einem langen , grünen Waldstrich . der eine sich weit »
hin dehnende Wiese abgrenzt , einen leuchtenden , dunkelblauen
Streifen — die Ostsee . — — . . .
Da fühlt er , wie ihm die Augen feucht werden . —
Der Zug hastet weiter . — Da , da ist die hohe Gneifenau -
schanze am Meer , — dort zieht sich der Stavtwald entlang ,
— . . . jetzt siebt Malter die ersten , roten Häuser von Wol¬
lahn nebst der kleinen zierlichen Kirche . —
Jetzt kann man den Leuchtturm sehen . . . Der war
früher anders : — aber daS entzückend gebaute Strandschloß ,
das , einem hübschen Kittderspielzeuge vergleichbar , wie hinter
einem glitzernden Bande liegt , das kennt er ! . . . Dott hat
er so manche scböne Stunde verlebt . — —
Und nun kann er ein großes Stück vom Meer lehen .
stahlblau hebt es sich vom Hellen Abendhimmel ab , und
Walter fetzt sich hin und stützt den Kopf in die Hände . DaS
Herz ist ihm zwn Zerspringen voll .
Di « Bremsen knirschen . Lanosam fährt der Zug in
den Wollabner Bahnhof ein und hält mit einem Ruck .
Draußen ein Auf « und Abfluten von Menschen . Ein
Bahnwagen wird vorbeigeschoben . Dtensüeute eilen herzu . . .
Walter nimmt sein Gepäck und steigt aus . Suchend
sieht er sich um . Der große , prächtige und moderne Bahn¬
hof ist neu . Früher war hier nur ein unansehnlicher Fach -
wettbau .
Er blickt den Bahnsteig entlang . Von der andern Seite !
eilt ein großer , gebräunter Mann mit klugem , offenem Ge - I
sicht . dunklem Vollbart und goldenem Zwicker ans ihn zu .
„ Walter ! " ruft Hans , und Mer dreht sich um und er¬
blickt seinen Freund ' er fühlt , wie eS ihm dunkel vor bcii
Augen wird und halt sich fest , um nicht umzustnken . —
Hans ist aber schon heran und umarmt ihn stürmisch .
„ Da bist Du ja , aller , lieber Kerl , schlecht siebst Du
aus ; das soll letzt anders werden , aber warum redst Du
venu nicht , was ist Dir , Du bist ja ganz weiß im Gesicht ! "
Der Angeredete steht noch immer unbeweglich da , plötz¬
lich jedoch kommt Leben in ihn , und er drückt HanS an sich .
„ Ich — freu ' — mich — nur — so ! " ftammeli er .
Tränen rollen ihm die Wangen herunter , und nur mit Mühe
gelingt es dem munter plaudernden Hans , ihn in eine bessere
Stimmung zu versetzen und ein Lächün auf fein vergrämtes
Gesicht zu zaubern .
Hans übergibt Walters Sachen einem Dienstmann , und
Arm in Arm gehen die Freund « durch den kleinen Park , der
den Bahnhof von der Stadt trennt .
Di « Bäume und Strauch « sind noch kahl ; — aber
überall deuten die Knospen auf daS große , kommende
Werdewunder .
Jetzt biegen die beiden in eirte schmale Straße , die
zwischen schmucken Villen hindurchführt .
Gin wunderseliges Lustgefühl ist über Walter gekom -
men ; es ist ihm , als erlebe er halb im Traum ein Märchen .
Gr blickt auf . — DaS Haus da kennt er doch so
genau ! —
» Wohnt hier noch der junge Laskes " fragte Walter , aus
« tue vom Garten umgebene Billa deutend .
„ Nun . so mng ist « nicht mehr " , erwiderte HanS und
zeigt « zum Fenster hinauf , an dem der ehemalige Schul -
kamerad stand .
» Wie groß der geworden ist " , sagte Walter staunend
und ste gingen dicht am Fenster vorbei . Der müßte van
oben herab , aber er grüßte bloß , den Doktor ; dessen Freund
blickte er groß an und erkannte ihn nicht .
Ste bogen um di « Ecke .
„ Wohnt hier noch Rtstow ? " forschte der jüngere vion
den beiden . —
Der Arzt wurde ernst .
„ Der starb vor vier Jahren ' , gab er zur Antwort , » er
hat schwer gelitten . "
Dann dem Gespräche eins andere Wendung gebend ,
zeigte Hans auf einen großen Gatten .
„ Erinnerst Du Dich noch , wie Du hier bei PahlowS
einmal Kirschen pflücktest und von der Leiter fielst , und wie
ich und Göttchen Pahlow Dich dann inS Haus trirgen . und
wie Du dann von dem Mädel einen Kuß haben wolltest ? "
Walter lächelte .
Die alten , lieben Jugenderinnerungen stiegen vor jhm
aus . —
Wie ander ? war er als Kind gewesen . . . Bei zedem
Schritt fast mußte er an ein Erlebnis zurückdenken .
Wie der Kopf eines Verstecken spielenden , neckischen ,
junaen Mädchens leise hinter einem Gebüsch heroorchuscht , so
erschienen ihm all die kleinen und großen Ereignisse , die er
dereinst hier in Wollabn erlebt hatte , und die nun schon so
weit zurücklagen . — — . . .
HanS und Walter gingen jetzt durch den Stadtpart , an
dem Warmbade vorbei , das zwischen Baumen versteckt , mit
seinem spitzen , kegelförmigen Turm einer alten , romantischen
Ritterburg glich . — Und als ste nun etwas bergan stie¬
gen , hötten sie ein tiefes , leises Rauschen . Eine süße , woh -
mütige Erinnerung ergriff Walter . —
Langsam stiegen die beiden höher , und mit einem Male
öffnete sich da - Gebüsch , — sie standen auf den Dünen und
sahen aus daS Meer hinaus . —
Sprachlos und aufs tiefste ergttsfen . stand Walter da .
Leuchtenden Anges betrachtete ihn sein Freund . Da lag die
unendliche , offene See ! . . . Vieles hatte sich in Wollahn
verändert , dis Menschen waren gealtert oder gestorben , aber
das Meer blieb jung , ewig jung in seiner herrlichen , und « »
gäuglichen Schönheit . — . . .
Soweit das Auge reichte , eine schimmernde , blaue
Fläch « , die sich , scharf vom Hellen Himmel abhob . Die Sonn «
stand schon tief und warf ihr volles Licht auf den breite « ,
weißen Strand , an dem man schon Steandkörbe und klein «
Fähnchen « blicken komtte . I » Wüter Ferne blitzte « einige
weiße Segel aus und die Rauchfahne des großen , nach
Schweden fahrenden Dampfers zog sich in einem langen
Streife « am Hottzont entlang . — Bon dem Dampfer war
fast nichts mehr nt leben —
Ein zitternd Grün flog über das Meer und zwischen
de « grünen Sündern blitzte eS weiter draußen dunkckviolett
auf .
Do « Stege her klang gedämpft da - Vellen eines
Hun des . < Fortsetzung folgt . )