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Nummer 2
Berlin , den 8 . Januar 1915
22 . Tebeth 5675
XX . Jahrgang .
Die Kraft der Organisation
״Die Kraft der Zionistischen Or -
ganisation liegt in der Einheit des jü -
disdien Volkes und im Willen der
zionistischen Bewegung , dein heimatlosen
jüdischen Volke die Heimat und « damit
die nationale Zukunft zu schaffen . “
Aufruf des Enteren Actions - Coinites .
Zum erstell Male seit Ausbruch des Welt -
krieges wendet sich das Engere Actions - Comite
der Zionistischen Organisation in einen ! Aufruf
an sämtliche Zionisten , sie zur Erfüllung der
grundlegenden zionistischen Pflicht aufforderud .
Sie hält den Zeitpunkt für gekommen , sie ernst
daran zu erinnern , daß der zionistische Gedanke
die Sicherung der Organisation verlangt , und
zum Ausdruck zu bringen , daß die Kraft der
Zionistischen Organisation ungebrochen ist . Und
wer von . uns allen hat daran auch nur einen
Augenblick gezweit ' elt ? In dieser Zeit , da der
schöpferische Aufschwung nationaler Energie
wieder einmal das Bild der Geschichte wandelt ,
fühlen wir stolz , daß sich in unserer Be -
vvegung der Lebenswille eines Volkes ver -
körpert , das in den wilden Wellen der Kultur -
volker an seiner nationalen Zukunft nicht
verzweifelt . , Das jü - bsche Volk lebt und will
leben . Und der Zionismus lebt und muß leben .
Die Zionistische Organisation aber ist
kein mechanisches Parteigefüge , dessen Dauer
au die Gunst der Verhältnisse gebunden wäre .
Der Zionismus selbst , der zum lebengestaltenden
Ideal für die Besten unseres Volkes geworden
ist , bürgt für die 0 rg a n i s a t i o 11 , mit der
er zu einer unauflöslichen Einheit verwachsen ist .
Darum gibt es keinen Zionisten , der die Zu -
versieht und die feste Hoffnung verloren hätte ,
wenn er , in diese ungeahnten Umwälzungen hin -
eingerissen , der Zukunft und der Arbeitsmöglich -
keiten der Zionistischen Organisation gedachte .
Von den weiten Schlachtfeldern Europas , aus
Palästina und von jenseits des Atlantischen
Ozeans , aus Lazaretten und verwüsteten Städten ,
aus dem Lager jüdischer Flüchtlinge und aus
der Mitte der in der Heimat zurückgebliebenen
Freunde finden die Zeugnisse eines glühenden
zionistischen Enthusiasmus , einer unerschöpf -
liehen Hingabe und einer ungebeugten nationalen
Zuversicht den Weg zur Leitung der Zionisti -
vchen Organisation . Wie eine unsichtbare Kette
schließt uns alle der nationale Wille zusammen
und wir fühlen freudig , wie stark unsere Entschei -
düngen und Entschließungen , unser Denken und
l ' un im Banne der Einheit unseres Volkstums
Gehen .
Und wir haben alle , alle wieder erfahren ,
daß wir ohne den Zionismus nicht leben können .
Er ist die Kraft , die uns über die erschütternde
Zerrissenheit liebt , in die das jüdische Volk ver -
fangen ist . Nur er pflanzt die Hoffnung in uns ,
daß auch unserer Volksgemeinschaft eine Er -
neuerung der schaffenden Volkskräfte gegönnt ,
ihren Gliedern ein restloses Aufgehen im lebeiis -
vollen Anschluß an sie beschieden ist .
Wir Zionisten erkannten in der Erschütte -
rung aller Bedingungen und Beziehungen des
Lebens , als der Einzelne vor dem Wirbel des
Neuen erschauerte , daß der Z i o n i s ! 1111 s für
uns die gestaltende Macht geworden ist , die
unseren Willen zur Ge m e i 11 s c 11 a f t ge -
formt hat . Wir Zionisten waren nicht mehr
ganz Isolierte , uns hatte schon unser Zio -
״Der Zionismus erstrebt für das
jüdische Volk die Schaffung einer öftenP
lieh ' rechtlich gesicherten Heimstätte In
Palästina . "
Baseler Programm .
Aufruf
Wir wenden uns in schwerer Zeit an alle
Mitglieder der Zionistischen Organisation mit
der Mahnung , durch Erfüllung der zionistischen
Pflichten für den Fortbestand der Organi -
sation zu sorgen . Der Ausbruch des Welt -
krieges mit allen seinen Begleitumständen hat
unsere Organisation selbstverständlich schwer er -
schlittert , aber ihre Grundlage hat er tinange -
tastet gelassen . Die Kraft der Zionistischen Or -
ganisation liegt in der Einheit des jüdischen Vol -
kes und im Willen der Zionistischen Bewegung ,
dem heimatlosen jüdischen Volke die Heimat und
damit die nationale Zukunft zu schaffen . Der
Zionismus , der in Hunderttausenden unserer
Volksgenossen lebendig ist , kann durch kein Er -
eignis entwurzelt werden , darum muß auch
d i e Z i o n i s t i s c 11 e O r g a 11 i s a t i o n , das
g r o ß e W e r k T h e o gi o 1 ־ H e r z 1 s , all e
( j e f a 11 r e n ü b c r d a u cm .
Gesinnungsgenossen ! In dieser schweren
Zeit bedarf es der äußersten Kraftanstrengung
aller Zionisten , wenn wir die Zionistische Organi -
sation als das Instrument erhalten wollen , durch
das sieb das jüdische Volk seine nationale Zu -
kauft erringt .
Darum fordern wir von jedem einzelnen Zio -
nisten , daß er seine zionistische Pflicht
erfüllt . Die Zionistische Organisation ist auf dem
Schekel aufgebaut . Wenn sie ihre Größe erhalten
soll , wenn sie nicht in einer Zeit versagen soll ,
in der ihr Aufgaben von weltgeschichtlicher
Bedeutung gestellt sind , muß jeder einzelne
Zionist dafür sorgen , daß die Z a 111 der
Schekel , die von der Größe unserer Organisa -
tion Zeugnis ablegt , auch unter noch ? 0 scinvie -
rigen äußeren Verhältnissen nicht sinkt . Wer
den Zionismus als Lebensnotweudigkeit des jü -
disehen Volkes fühlt , hört auf unsere Mahnung :
S a 111 in e 11 d e 11 S c 11 e k e I !
Wir fordern unsere Gesinnungsgenossen auf ,
unverzüglich alle rückständigen Schekel für das
Schekeljahr 5674 ( 1914 ) einzusainmeln und abzu -
liefern . Wo der Schekel für das Jahr 567 ! ( löl I )
schon abgeliefert ist , hat sofort die Sammlung
lies Scbekels für 5675 ( 1015 ) einzusetzen . Schekel -
bloeks werden auf Verlangen vom Zionistischen
Zentralbureau , Berlin W . 15 , Sächsischest ! ־ . S ,
/ ugesendet .
Das Engere Actions - Comite
der Zionistischen Organisation
nismus auf den Weg aus der Vereinzelung
geführt . Darum haben wir uns selbst nicht ver -
loren und uns die beharrende Kraft unseres
Wollcns bewahrt .
Die Kraft und Reinheit unseres Zionismus
aber , gestählt in der zielbewußten Arbeit vieler
Jahre , hat sich an all den Unzähligen bewiesen ,
auf denen der Bau unserer Organisation ruht ,
die die zionistische Bewegung sind . Mit stolzer
Genugtuung kann die Zionistische Organisation
ihre Reihen mustern . Unter den vielen , vielen
Tausenden , die den natioualbewußten Kern
unseres Volkes in einer politischen Einheit bilden ,
ist kaum Einer freiwillig verloren gegangen . Die
Treuen aber , die schon bisher dem Vaterlande
ihr Blut geopfert haben , sind mit dem stolzen
Schwur der Treue für Judas ' Volk gefallen . . .
״Der Zionismus , der in Hunderttausenden
unserer Volksgenossen lebendig ist , kann durch
kein Ereignis entwurzelt werden , darum muß
a u e 11 die Z i < > n i s t i s c 11 e ( > r g a n i s a t i o n ,
das g r o ß e W e r k T 11 e o d o r H e r z 1 s , all e
G e f a 11 r e n ii b e r d a u e r n . “
Uns allen aber ist die Verantwortung auf -
erlegt , aus ganzer Kraft zu tun , was die Or -
ganisation verlangt . Mit hundertfach gesteigerter
Hingabe muß jeder Zionist das Seine tun . Auf
jeden Einzelnen kommt es an , wenn das Ganze
dauern soll . Der Zionistischen Organisation ist ,
so wie es Her/1 verstanden hat , die nego -
tiorum gestio für das jüdische Volk auf -
erlegt ; in der Zeit der drängenden Gefahr muß
sie das Steuer führen , weil sie die einzige all -
umfassende nationale Repräsentanz des jüdischen
Volkes ist . Schon das ist ihre Legitimation vor
der Zeitgeschichte und ihre Vollmacht gegen -
über den Mächten , die an Volksgeschicken
schmieden . Die Zionistische Organisation , ihre
unerschütterte Einheit und ihr ungeänderter Auf -
tau , ! st ein kostbares Gut , für das wir dein jü -
disehen Volk für alle Zeit verantwortlich bleiben .
In jahrzehntelanger Friedensarbeit auigebaut , ist
sie , so wie sie ist , die einzige Verkörperung des
jüdische ! 1 Volkswillens . Darum wissen wir alle ,
wie groß unsere Pflicht ist , für ihre Integrität
zu sorgen . Jeder Zionist muß das fühlen . Eigen -
sucht und Passivität müssen sicli in der selbst -
losesten Hingebung an das Ganze , in rückhalt -
loser Einordnung in die Organisation auflösen .
Die Zeit duldet kein Ausweichen .
Das verstellen vor allem die deutschen Zio -
nisten . Der Gedanke der Palastinaarbeit , des
Einsetzens aller Mittel für unser Paiästinawerk
ist auch in anderen zionistischen Landesverbän -
den stark . Amerikanische Zionisten beweisen es .
Aber dem ( jedanken der Organisation ist
in Deutschland und Oesterreich die eigentliche
Heimstätte bereitet . Von hier aus haben wir
unter Iheodor Her/I die ( ) ! ganisation aufge -
baut . Von hier aus müssen wir sie groß und
stark erhalten .
Darum ist kein Zweifel möglich , daß die
d e u t s c 11 e n Zionist e n dem Aufruf des
Engeren Aetions - ( . omites der Zionistischen Or -
ganisation unverzüglich und bis zum letzten Manu
folgen werden . Wir wissen und erw arten , daß in
der kürzesten Zeit alle S e 11 e k e I ans Deutsch -
land eingegangeii sein werden . Keine Ortsgruppe
wird versagen , kein Zionist wird bei der Arbeit
fehlen . Wir verlangen selbst für die im Felde
stellenden Zionisten den Schekel !
Aber die deutschen Zionisten können es
nicht bei der Erfüllung ihrer S c 11 e k e i - R f I i e 111
bewenden lassen . I ) ic L a n d e s o r g a n i s a -
tion muß arbeitsfähig erhalten werden . Ihr ist
im Rahmen der Oesamtorganisation und bei der
Arbeit für die Zukunft des deutschen Judentums
eine große Aufgabe gestellt . Kein deut -
sc I ! er Zionist wird sich an diese Aufgabe
erinnern lassen , ohne zu seinem Teil ihre Ver -
wirklich « ng zu ermöglichen .
Darum verlangt die Zionistische Vereinigung
für Deutschland auch den L a n d e s beit r a g .
Die Zionistische Organisation wird arbeits -
fähig erhalten werden , L . H .