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ffr. IS / Jahrgang 40 Preis 23 Rpf-

JUDISCHE RUNDSCHAU

fchriftHltroj, Varia» ArualiniTMwaltanz t Barlln W15, MelnakMtr.l«

Famrui: Sammal-Nr.l 1 Bldmurck 3161/82,7165/70.7240/42. - Beiu(;«prei« je Moli« RM 2,-, Je Vierteljahr RM 5,75. - Poatacheck-Konteo der Vertrieb«. Abladung: Berlin 71573 (för GroS-Berlin), Berlin 17392 (für da« übrige Reich). Aualanda- berog in jeweiliger Landeswahrung. - Erscheint Jeden Dienstag and Freitag.

BERLIN

rrsnn tjk ro DIENSTAG, 19. FEBRUAR 1935

Anzalganprelallata Nr. 1 gfllUg. Di« 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf, für Stellengea. 10 Rpf, für Familiennachrichten 15 Rpf. Einzclanteigen nur gegen Vorauszahlung ata Schalter oder auf Postscheck-Konto Berlin 71618 Montag bis Donnerstag 9-18 Uhr, Freitag 9-15 Uhr. Annahmeschlufi für die Dienstag.Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familicnanzeigen bis Donnerstag 10 Uhr)

Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaltung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm)

Ahasvers Ende

Das Ahasver-Motiv, die Sage vom Ewigen Juden, spukt in den Köpfen der Menschheit seit vielen Jahrhunder- ten. In ihr klingt ein Grundmotiv des menschlichen Erlebens überhaupt an: Der Oedanke von dem Fluch der Heimat­losigkeit, der all denen als ein Schrecknis vor Augen steht, die selbst im Heimatboden wurzeln. Der Ausgestoßene, der vogelfrei ist, der nicht in, der Gemeinschaft lebt, die durch Raum und Zeit verbunden ist, wird bei allen Völkern zugleich Gegenstand des Mitleids und der Furcht.

Dieses Motiv hat sich im Bewußtsein der europäischen Menschheit mit dem jüdischen Volke verknüpft. Religiöse Motive haben hierbei ebenso sehr mitgewirkt wie das konkrete Erlebnis des Juden, mit dem man au einem Orte zusammen­lebte und von dem man doch streng geschieden war.

Heute wird in der Diskussion über die Judenfrage dieses Motiv sehr oft so umgewandelt, daß man das jüdische Volk nicht nur als ein Wandcrvolk in dem Sinne ansieht, daß die geschichtliche Entwicklung ihm ein solches Schicksal für Jahr­hunderte und Jahrtausende auferlegt hat, sondern man ver­sucht, aus seinem Volkscharakter heraus die Notwendig­keit seines unsteten Lebens zu erklären, und will ihm die Fähigkeit zur Seßhaftigkeit, zum produktiven Aufbau eines Gemeinwesens auf eigener Scholle aberkennen. So schreibt der Völkische Beobachter", München, am 13. Februar unter der UeberschriftDer ewige Jude":

Pas Judentum ist sich im Laufe seines wenig rühmlichen geschichtlichen Auftretens immer gleich geblichen: Ein ruhelos wanderndes Parasiten volk! Während sich die anderen Volker früher oder später im Raumkampfc der Völkerwanderungs- zeit zur Seßhaftigkeit zwangen und als erste Zeugen einer höheren Kultur ihr täglich Brot in Wut und Schweiß der errungenen Scholle abkämpften, blich der Jude nach wie vor Nomade, unstet und unnahbar. Ueberall dort gab er zunächst unmerklich, dann alxr herausfordernd seine Visitenkarte ab, wo die Kräfte der Zerstörung die überhand gewonnen hatten und ihm damit Gelegenheit gegeben war, im trüben Pfuhle menschlicher, vom Juden selbst aufgeputsch­ter Leidenschaft zu fischen. So wurde die ganze Welt zur ,Heimat' cles Judentums," da ihni jedwede staatshildendc Befähigung und vor allem der Wille zu einem sozialen Zusammenschluß auf staatlicher Grundlage fehlt. Die dem kaltbercrltncndcn Geschäftsdrange des Juden am meisten zusagende Lebensform ist im Anarchismus zu suchen. Damit kann der Semite auf Grund seiner soziologischen Einstellung niemals ein förderndes Mitglied eines geordneten staatlichen Gemeinwesens sein. Es zieht ihn instinktiv dorthin, wo anarchistische Mißwirtschaft die Materie über den Geist siegen Heß."

In dieser Stellungnahme zeigt sich deutlich die oben er­wähnte Meinung; man vergißt dabei völlig, daß das jüdische Volk seit Jahrtausenden keine Möglichkeit hatte, auf eigenem Boden seine staatsbildende Befähigung zu erweisen. Wenn der Verfasser dieser Glosse die jüdische Geschichte in ihren Einzelheiten kennen würde, dann würde er bemerken, wie stark der Wille der Juden war, die Kräfte der Gemeinschaft in ihrem eigenen Kreise wachzuhalten. Man hat das Ghetto mit einem treffenden Ausdruck als einentragbaren Staat" bezeichnet, der seit dem Untergang des antiken jüdischen Gemeinwesens es den Juden ermöglichte, die sozia­len Funktionen, die zur Erhaltung ihrer Gemeinschaft not­wendig waren, mit Leben zu erfüllen. Nicht weniger stark als in dieser Tatsache drückt sich der Wunsch des jüdischen Volkes danach, wieder eine eigene Gemeinschaft zu bilden, in einem Grundmotiv aus, das sich durch seine ganze Ge­schichte hinzieht: Der m e s s i a n i s c h e Gedanke, der untrennbar mit der Hoffnung auf die Rückkehr nach Erez Israel verbunden ist, birgt die Idee eines Gottesreiches auf Erden in sich, das auch dem jüdischen Volke wieder die Möglichkeit einer eigenen staatlichen Gemeinschaft bieten wird. Die Zionsschnsucht, die hierin ihren Ausdruck findet, hat in allen Jahrhunderten immer wieder zu realen Versuchen der Juden geführt, auf dem Boden Palästinas Lebensmöglich- keiten für sich zu schaffen und so eine Verwurzelung in der alten Heimatertie herbeizuführen. Aus ihr wird auch der moderne Zionismus gespeist, der ein grandioser Ver­such des jüdischen Volkes ist, mit den Mitteln unserer Zeit einen sozialen Zusammenschluß herbeizuführen und ein ge­ordnetes Gemeinwesen aufzubauen. Wenn heute Millionen von Juden in aller Welt ideell und materiell mit diesem großen Unternehmen verbunden sind, so zeigt diese Tatsache deut­lich, daß der Wille der Juden selbst gewiß nicht darauf ge­richtet ist, das Wanderschicksal als Fatum hin­zunehmen, sondern daß sie gerade auf Grund dieses Schicksals und der damit verbundenen Nöte und Sorgen in der Gegenwart danach streben, seßhaft zu werden, die Juden- frage von Grund auf zu beseitigen und damit auch das Ahas­ver-Motiv vom jüdischen Volke wieder abzulösen.

Dieser Wille ist nicht zuletzt auch im deutschen Ju­dentum äußerst lebendig, obwohl der äußere Anschein viel­leicht dagegen zu sprechen scheint. Zchntausende deutsche Juden sind in den beiden vergangenen Jahren aus Deutsch­land seit Jahrhunderten oder mindestens Jahrzehnten ihrer Heimat ausgewandert, weil die im Gefolge der politischen Umwälzungen für sie 'eingetretenen wirtschaftlichen Verhält- "'sse sie zur Auswanderung' vcranlaßten. Dieser Vorgang ist no ch nicht abgeschlossen, und'besonders die junge Generation W|f d Jahr tun Jahr einen großen Teil ihrer Angehörigen ins Ausland entsenden müssen. Der Prozeß unterscheidet sich jedoch von sehr vielen Wanderungsvorgängen bei anderen Völkern und auch von manchen Ereignissen dieser Art im

Gegen große Aerzte

Die von Julius Streicher herausgegebene Zeitschrift Deutsche Volksgesundheit aus Blut und Bo­den" enthält in ihrer neuesten Nummer einen Aufsatz von Karl Holz, dem Schriftleiter desStürmer", über dieVer­schwörung wider das Blut". Es heißt in dem Artikel u. a.:

Wer den Juden kennt, der weiß, daß sein ganzes Sinnen und Trachten nicht, nur auf Reichtum gerichtet ist, wie viele noch meinen, sondern darüber hinaus auf ürhirrschutig, Schädigung und Vernichtung aller Nichtjuden. Die jüdischen Gesetze, der Talmud und der Schulchan Aruch, gebieten dem Juden nicht nur den Nichtjuden zu betrügen und zu berauben, sondern ihn zu töten, wo und wie er nur kann. So erfüllt der Jude nur sein Gesetz, und erwirbt sich das Wohlgefallen seines Gottes, wenn er einen Ritualmord begeht. In gleicher Rich­tung ist der Jude ununterbrochen tätig, indem er versucht, die nichtjüdischen Völker in Kriege gegeneinander zu hetzen, damit sie sich selbst gegenseitig ausrotten...

Es ist schlimm genug, wenn jüdische .Juristen', jüdische Journalisten', jüdische .Politiker' jahrzehntelang ihr Gift in da» deutsche Volk spritzen konnten, ehe sie unschädlich gemacht wurden. Tausendmal schlimmer aber muß das Unheil werden, wenn Juden und Judenknechte die .Methoden' schaffen, nach denen das deutsche Volk sein höchstes Gut, die Gesundheit, erhalten soll. Nicht durch Kriege, nicht durch wirtschaftliche Knechtung konnte man die Deutschen besiegen. Aber hier, in der Heilkunst, da ist eine der verwundbarsten Stellen des deutschen Siegfried, liier kann man an das Ein und Alles von Gesundheit und Kraft, an den Brunnen des körperliclx-n und seelischen Lebens heran­kommen und ihn vergiften: das Blut!"

Der Aufsatz kommt sodann darauf zu sprechen, daß der Jude sich restlos die medizinische Wissenschaft der Gegen­wart unterworfen habe. Alle gegenwärtigenAutoritäten" müßten auf die Lehren einiger wenigerGanz-Großen" der Medizin schwören und auf ihnen aufbauen.

Diese wenigen .Ganz-Großen' sind: Rudolf Virchow, Robert Koch, Paul Ehrlich, Emil von Behring, NcisWr und Wassermann fast ausnahmslos Juden (nur Virchow war Nichtjudc, dafür aber Judenknecht). 'Robert Koch und Emil von Behring hatten Jüdinnen zur Frau und sind "daher der jüdischen Rasse zuzuzählen.

Das sind die Schöpfer und Beherrscher der modernen medizi­nischen Wissenschaft! Sie waren alle vom gleichen Geiste be­seelt, nämlich vom jüdischen. Sie haben offenbar alle, nach einem einheitlichen Plan zur Erfüllung ihres Talmud gearbeitet: denn alle ihre Lehren gipfeln darin, dem deutschen Blut irgendeinen artfrem­den, giltigen Stoff durch Einspritzung usw. zuzutühren. Sic konnten ihre Verbrechen dadurch tarnen, daß sie die Methoden .exakt- wissenschaftlicher Beweisführung' schufen, nämlich die Tier- und Reagenzglas-Experimente, welche in Beziehung auf den Menschen betrügerisch sind." r

Der Aufsatz sagt schließlich:

Wir hätten vergeblich gekämpft und geopfert, wenn wir dem Juden die Domäne seiner größten Raub- und Mordzüge ge­gen das deutsche Volk, wenn wir ihm die Medizin lassen würden. Sie muß ihm genommen und denen übergeben werden, die einzig dazu berufen sind: den deutschen Aerzten und Heilkundigen." In derDeutschen V o 1 k s h c i 1 k tt n d e", der Bei­lage zurDeutschen Volksgesundheit aus Blut und Boden" findet sich weiterhin ein Aufsat/ überGrundsteine der Deutschen Volksheilkunde". Der Aufsatz wendet sich u.a. gegen die Schöpfer der Grundlagen der Schulmcdizin, gegen Rudolf Virchow,der selbst wie ein Jude aussah", gegen den Entdecker der Tuberkclba/illus Robert Koch, der mit einer Jüdin verheiratet gewesen sei und einen jüdischen Assistenten gehabt habe, gegen den Juden Paul Ehrlich, der das Salvarsan erfand und die Chemotherapie begründete, welche dem Judentum viele Milliarden deutschen Volks­vermögens zuführte und Millionen deutscher Volksgenossen zu Siechtum und Tod verurteilte", gegen Emil von Beh­ring, den Mann einer Jüdin, gegen den Juden Wasser­mann, gegen den Juden Ncisscr.Die .Werke' dieser ,Größten' können ohne Ausnahme ausgelöscht werden. Es ist nichts Gutes daran! Sie sind in den Mantel .exakter Wissenschaft' gekleidete Methoden ungestraften jüdischen Raubens und Mordens'"

Wir haben über eine Stellungnahme der Deutschen Aerzteschaft gegen die in einer Werbeschrift dieser Zeit­schrift vertretenen Anschauungen bereits in Nr. 13 vom 12. Februar berichtet. Es scheint uns undenkbar, daß die in dem erwähnten Blatt vertretenen Ansichten von irgendeiner ernsten medizinischen Seite akzeptiert werden können, da sie sich gegen die Grundlagen der modernen Medizin überhaupt wenden. Wenn in diesem Zusammenhange anti­semitische Angriffe von kaum mehr zu überbietender Schärfe gegen das Judentum und die jüdischen Mediziner erhoben werden, so werden wir Juden uns bei ihrer scharfen Zu­rückweisung in der Gesellschaft aller befinden, die die Errungenschaften der Wissenschaft schätzen, ob diese nun von Juden oder Nichtjuden herrühren mögen.

In den zitierten Aufsätzen wird gegen uns Juden die Anschuldigung des Raubens und Mordens erhoben und die Ritualmord-Beschuldigung aufgestellt. Das ist eine Beleidigung des Judentums und seiner Religion; solche Anwürfe bedürfen keiner sachlichen Entgegnung von jüdischer Seite.

Wir sind überzeugt, daß Millionen Deutscher auf Grund ihrer eigenen Erfahrung anerkennen, daß jüdische Aerzte, schon im Mittelalter wegen ihrer Geschicklichkeit berühmt und gesucht, ihre Tätigkeit mit aller denkbaren menschlichen Hingabe und mit dem Willen, den Kranken zu helfen, aus­üben und sich darin von den Aerzten anderer Nationalität und Herkunft nicht unterscheiden.

Maimonides-Institut in Cordova

Für die Wissenschaft des Judentums und Orients

Jerusalem, 17. Februar.: (JTA.) Abraham E 1 m a I e h, stellvertretender Vorsitzender des Waad Leumi, ist von dem mit der Leitung der staatlichen Maimonides-Feier in Spanien beauftragten Regierungskommissar "'eingeladen worden, im Rahmen der Feierlichkeiten, die anläßlich des 800. Geburts­tages des Rambam in Cordova stattfinden sollen, einen Vor­trag über Maimonides zu halten.

Während der Maimonides-Feier in Cordova soll die Grün­dung eines Instituts liir die Wissenschaft des Judentums und des Orients erfolgen, das den Na­men Moses Maimonides' tragen wird. Die spanische Regie­rung hat Preise für die drei besten Werke über den Ram­bam ausgesetzt.

Die Jerusalemer Hebräische Universität beabsichtigt, zwei Vertreter zur Maimonides-Feier nach Cordova zu entsenden.

Völkerbund und Auswandererhilfe

London, 13. Februar. (JTA.) Die Aufgaben des Völ­kerbundes in bezug auf die Probleme der Aus­wandererfürsorge bildeten den Gegenstand der Be­ratung auf einer in London abgehaltenen Tagung des S t ä n d i g e n K o m i t e e s bei m C) b e r k o m i s s a r i a t des Völkerbundes für A u s \v andererfür sorg e.

Der Vertreter F r a n k r e i c Ii s und Oberkommissar James G. Mac Donald schlössen sich der von Viscount Cecil, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Internationalen Auswandererhilfswerks im Oberhaus (s.jüd. Rundschau" Nr. 14) geäußerten Anstellt an, dal! die gesamten Aktionen und Bestrebungen zugunsten der Ausgewanderten unter der unmittelbaren Leitung des Völkerbundes zu konzentrieren wären. Mac Donald stellte fest, daß eine internationale Verant w ortungspflicht betref­fend Versorgung und Seßhaftmachung der Ausgewanderten besteht und daß dem Völkerbund diese Verantwortungs­pflicht zufalle.

jüdischen Volke durch eine grundlegende Tatsache: Soweit die Auswanderung nach Ländern außerhalb Europas erfolgt, richtet sie sich in erster Linie auf Palästina. Gewiß führen hierzu insbesondere praktische Gründe, weil die übrigen Auswanderungsländer in Uebersee nur eine sehr beschränkte Zahl von Einwanderern aufnehmen können oder wollen. Aber es ist nicht zu verkennen, daß bei der jungen jüdischen Gene­ration Deutschlands auch der freie Entschluß des Ein­zelnen hierzu führt; Tausende und Zehntausend^ unserer Jugendlichen blicken nach Palästina als der Hoffnun'g für ihr zukünftiges Leben. Sie glauben, dort eine Eixstenz finden zu können, die sie von den Auswirkungen der Judenfrage befreit und ihnen ein Leben in Freiheit und Sicherheit ge­währt. Mit dem Akt ihrer Uebersiedlung nach Palästina und der hierfür erforderlichen beruflichen Vorbereitung wollen sie nicht nur sich selbst diesen Weg in die Zukunft bahnen, sondern empfinden sich als einen Teil der Bewegung, die darauf abzielt, dem jüdischen Volk als solchem eine Heimat zu schaffen und ihm zur Seßhaf­tigkeit zu verhelfen. Dieser Grundgedanke des Zionis­mus hat sich in der jüngsten Vergangenheit in immer weiteren Schichten des deutschen Judentums durchgesetzt. Gewiß stehen ihm aus der alten Parteigliederung der deutschen Juden noch Gegner gegenüber, die zwar Palästina als Einwanderungsland anerkennen müssen, aber nichts davon hören wollen, daß dort ein Prozeß der grundsätzlichen Umwandlung der jüdischen Lebensgrundlagen vor sich geht. Auch über diese Gegnerschaft wird die Zeit hinweggehen. Je größer die Zahl

der in Palästina lebenden deutschen Juden ist, je stärker ihr Anteil an der Formung des jüdischen Gemeinwesens im Lande wird, um so mehr muß sich die Erkenntnis von der umwan­delnden Kraft Erez Israels durchsetzen.

Heute besteht naturgemäß noch die Aufgabe, diese Er­kenntnis zu verbreiten und die praktischen Beziehungen zwischen dem deutschen Judentum und dem Jischuw in Pa­lästina in eine geistige und organisatorische Kraft umzu­setzen.,* Es genügt nicht, wenn sich das Palästinainteresse in einer' Unverbindlichen Anteilnahme äußert, sondern es muß gelingen, diese Anteilnahme zu organisieren und so Tausende und Zehntausende der täglichen Arbeit für Palästina und die zionistische Idee zuzuführen. Dies geschieht gerade in diesen Wochen in vielen Gemeinden durch die von den zionistischen Institutionen durchgeführten Palästinawochen. Sie wer­den über ihren praktischen Zweck hinaus, von Palästina zu berichten und neue Menschen der Zionistischen Organisation zuzuführen, bedeutungsvoll bleiben als Versuch, einen immer weiteren Kreis deutscher Juden unter den Lebensbedingungen, die in der Galuth gegeben sind, in der jüdischen Gesamtheit fest zu verwurzeln.

Das jüdische Volk als Ganzes will keine Heimatlosigkeit, es will kein Wanderschicksal, es weiß, daß ihm dieses Schick­sal von der Natur so wenig beigelegt ist wie anderen Völkern auch, und es wird dazu fähig sein, in unserer Ge­neration die Grundlagen für den Aufbau der eigenen Gemein­schaft zu legen, K. L,