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JODISCHE RUNDSCHAU
Nr. 15, 19. IL 1935
DAS BUNTE LEBEN
Merkwürdige jüdische Begebenheiten
Das Amulett
TFL-AWIW
Bürgermeister D l z rn g o f f genießt in seiner Stadt Tel- Aiviw eine ungeheure Popularität. Als er im Januar d. J. schwer erkrankte, nahm buchstäblich die ganze Stadt Anteil an seinem Befinden. Große Menschenmengen standen vor seinem Hause attf der Straße, der Autoverkehr wurde umgeleitet, das Rahhinat ordnete Bittgottesdienste an, die besten Aerzte der Stadt machten Dienst a>n Krankenlager, darunter aus Deutschland stammende Kapazitäten, wie Dr. Marcus und Professor Zondek. Dreimal mußte eine Bluttransfusion vorgenommen werden. Die ausgegebenen Bulletins ließen das Schlimmste befürchten. Da, mitten während der Krise, erschien plötzlich im Hause Dizengofls ein alter Jude, namens Samuel Rodheim, und verlangle, zu Dizcngaff geführt zu werden. Man konnte seinen Wunsch nicht verweigert. Der Mann übergab dem kranken Bürgermeister ein Amulett, das er von dem Zadik lieb Chaim Sanadjer erhalten hat und nun seit 60 Jahren bei sich trägt. Dieses Amulett habe bei frühe: an Gelegenheiten bei vielen Patienten seine Heilkraft erwiesen. „Ich seihst", so sagte Rodheim, „bin 93 Jahre alt und brauche das Amulett nicht mehr. Nun soll es unseren Bürgermeister, der für die Stadl so wichtig ist, am Lehen erhalten." Der kranke Dizengoff dankte für die Gabe und legte das Amulett lächdinl unter sein Kopfkissen, Er ergriff die Hand des vor ihm strhcntlen Greises und sagte: „llof- jentlich werden wir ciiumder unter glücklicheren Umständen wiedersehen." Dann sunk er wieder zurück. Lautlos Verließ der Alte das Krankenzimmer.
Am selben Abend konnte das ärztliche Bulletin verkünden, daß die Temperatur des Patienten etwas gefallen sei und .vi'i'/i Zustand nicht mehr so hoffnungslos scheine wie bisher. Im nächsten Tage war am einer „leichten Besse- rang" die Rede.
Kui zv Zeil darauf hat Dizenguff das Bett verlassen und seine Arbeit wieder aufgenommen. Selbstverständlich wird seine Genesung nur seiner kräftigen Konstitution und der Kunst der Aerzte zugeschrieben. Aller das Amulett bewahrt Dizengoff als Erinnerung an eine Episode, die, wenn nicht mehr, so em rührendes Erlebnis war. e.
Das jüdische ,,Bcacon"
LONDON
Der junge jüilische Transporlntinistcr des englischen Kabinetts, Mr. H o r c - B e l i s h a, ist gegenwärtig einer der populärsten Männer in London, Und das Wort „Belisha Beacon" ist der neueste Modi'ausdruch der englischen Sprache, der durch seine Symhtdkraft für eiele Witze und Vergleiche herhalten mußte, während der Gegenstand, den dieser Ausdruck beschreibt, eine hell gelb leuchtende Kugel auf schwarzweifiem Stab, nicht nur ah allgemeines Kennzeichen für „Sicherheit" dient, sondern seinerseits in zahlreichen Abbildungen in den Zeitschriften und Schaufenstern das Auge erfreut.
Was hat es damit auf sich?
Mr. Belisha eröffnete einen erbitterten Fvldzug gegen die hier grassierende Epidemie der Straßenunfälle, für den er von allen erdenklichen Mitteln Gebrauch macht, die einem modernen Minister zur Verfügung stehen.
Zur Sicherheil der Fußgänger an den Strafienübergängen übernahm er die Pariser Methode, daß an gewissen Stellen das Publikum jederzeit freie Passage hat und die Autos
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pArfästitä-lÜtoUe
Breslau, KffnigMherg. Itruthen, Stettin
Bi&stau
im Großen I essingsaal, Agnosstr. 5 Dienstag, den 19. Februar, PO 1 ... Uhr
Die Zukunft Erez Israels
Palästina 1900 - 1935 - 1950 Dr. MICHAEL 7RAUB Sonnabend, den 23. Februar, 20'1 Uhr,
Zion — Zwei Jahrtausende jüdischer Sehnsucht
Ein Oneg Schabbst: Rabb. Dr. EMIL BERNHARD-COHN Montag, den 25. Februar, ?n> , Uhr
Prüfung und Bewährung
Zwei Jahre deutsch- AI nah in Palästina Dr, FRANZ MEYER
MÖHtysbeiQ.
Donnerstag, den 21. Februar,
Im Alten Schut/etibnus, Schiit/nnstraBe 8
Prüfung und Bewährung
Zwei Jahre deutsch» Aii|di in Palästina Dr. SIEGFRIED KANOWITZ, TEL-AVIV Sonntag, den 24., bis Dienstag, den 26. Februar,
Im Büro der K, 2. V., Synar)on.enstr. 14/15
Palästina-Schau
Eröffnung; S. TSCHERTOK Anschließend: Gruppenverbartdstag für Ostpreußen
ObvutUlesieH
Donnerstag, den 21. Februar, in Gtelwlts
Größe und Gefahr der Stunde
Kundgebung zum Erwarb der Hule-Konzession Sonntag, den 24. Februar, in Boiathün
Die neue jüdische Welt
Gegon Irrwege der Assimilation Dr. FRANZ MEYER
Stettin
Sonnabend, den 23. Februar, 20"/ 2 Uhr, In der Synagoge
Prüfung und Bewährung
Zwei Jahre deutsche Alliah in Palästina Dr. SIEGFRIED KANQWITZ, TEL-AVlV
Zionistisch« Vereiniguno f. Deutschland
sich danach zu richten haben. Um diese sehr zahlreichen Stellen für die Verkehrsmittel zu kennzeichnen, ersann er jene „Belisha Beacons", wie sie der Volksmund nennt. Grelle, orangefarbene Leuchtkugeln, etwa von der Größe eines Kürbis, die auf schwarzweißen Pfeilern ruhen und fast jede Straßenkreuzung In acht Exemplaren (an den zwei Enden der vier verschiedenen Uebergänge) zieren, mit ihrer südlichen, vom Nebel noch unversehrten Farbe etwas fremd in das Grau des Straßenbildes hineinplatzend. Manchmal bietet sich dem Auge perspektivisch eine ganze Kollektion von einem Dutzend und mehr solcher Orangenkürbisse auf preußischem Sockel dar, was zweifellos auch die Aufmerksamkeit des noch so ernst gesinnten, würdig daher schreitenden Londoners auf sich ziehen muß . . . Vielleicht hätte ein reinrassiger Brite nicht den Mut zu einer so radikalen Veränderung des traditionell entstandenen Straßenbildes aufgebracht. Jedenfalls, die allgemeine Erregung Ist. gut zu verstehen. So sagte kürzlich ganz harmlos ein öffentlicher Redner im Hydepark: „Der erste Jude, der englischer Minister war, hieß B e a c o n s f i e l d, der bisher letzte hat ebenfalls seinen Namen für das Volk mit Jieacon' verbunden." — Hinzuzufügen wäre hoch, daß Beacon auf deutsch etwa mit „leuchtendes Warnungssignal" zu übersetzen wäre und daß es nur durch ein „e" von dem für einen jüdischen Minister höchst unpassenden „bacon" (Schweinespeck) getrennt ist.
J.K.
Besinnung
GENF
Universität. Schluß der Vorlesung. Der Professor, seine ständigen Hörer gut kennend, stellt mir einen Studenten vor: ich sei doch Zionisl und könne wohl daher meinern Fakultätskollegen manches darüber erzählen (unmittelbarer Anlaß war eine Wirtschajtsfrage Palästinas). Gern. —
Er will nach Palästina. Rückhaltlose Frage meinerseits: Sind Sie Jude? — Je suis Israelite francais, Israelito non pratiquant, athee. Fragend, vor mich hin schauend, wiederhole ich diese Worte. Sein Name läßt mich aufhorchen. Ja, ich stamme aus einer In Frankreich langansässigen Sepharden- familie...
Dann sprechen wir langsam und bedächtig über das, was man Judenfrage nennt. Mein guter Sepharde weiß von Judentum soviel wie sein Gegenüber von Relativitätstheorie. Hier geht es also zunächst einmal um die Herstellung des psychischen Kontakts. Wir sprechen daher über alles und jedes, ich bemühe mich, seiner Rede freien Lauf zu lassen: die Ventile öffnen sich, mein Gastgeber spricht sich aus. Wir kannten es schon immer: das furchtbare Gespenst der seelischen Judennot. Ebenso selbstverständlich wie merkwürdig: das Wort Zionismus fällt nur sehr selten, es wiegt zu schwer. Die Stimme des Gewissens spricht, uralte Spannungen zittern wieder auf, Erinnerung wird wach, es bedarf keiner „Argumente" mehr. Als wir uns verabschieden, verstand er, der Atheist, der „Israelile non pratiquant de nalionalite francaise" aus sephardischer Familie, verstand er sehr gut meine Worte: nous n'allons pas en Erez Israel pour planter des oranges.
Man wird sich wieder treffen, die Fragen näher behandeln, Grenzen ziehen. Und das frohe Bewußtsein haben, von Mensch zu Mensch gesprochen, die Trägheit des Herzens und die Methoden des Intellekts besiegt zu haben.
Emanuel Weiner
Das „Geständnis"
LONDON
Wir waren zu einer Sitzung ins englische Handelsministerium (Board of Trade) geladen. — „Wir" heißt hier die Vertreter einiger jüdischen Hilfsorganisationen. Es handelte sich um Niederlassungserlaubnisse für auswärtige jüdische Kaufleute. Da auch Arbeiterfragen hcreinspielten, waren auch Beamte des Ministry of Labour gebeten.
Völlig entgegen der sprichwörtlichen Pünktlichkeit der Engländer betrat nach der Eröffnung der Sitzung ein Herr den Saal — der alle Merkmale unserer Rasse unverkennbar sein eigen nannte. Ich stutzte und überlegte, welche jüdische Organisation er wohl vertrete. Bald stellte ich aber fest, daß er der Wortführer des Arbeitsministeriums war. Da er neben mir saß, so konnte ich sehr deutlich erkennen, was auf dem Ze'tel stand, den er respektvoll dem präsidierenden hohen Beamten Überreichte: „ich bin selbst Jude". —
Offenbar wollte er besonders korrekt handeln. Ich aber mußte an die beiden Hochtouristen denken — die auf einer Hütte drei Tage eingeschneit waren, der eine ein typischer Jude mit dem Namen Schlesinger, der andere ein kleiner Mann mit einem Buckel. Sie vertrugen sich glänzend. •— Am letzten Tag bot der Kleine dem Dr. Schlesinger Brüderschaft an. Die Antwort des tief Gerührten war: „Bevor ich das annehmen kann, muß ich Ihnen ein Geständnis machen — ich hin Jude." Darauf der andere: „Dann muß auch ich Ihnen eine Eröffnung machen — ich habe einen Buckel." E. K.
Palästina als Reiseland —
entjudaisiertl
Das „Berliner Tageblatt" vom 15. Februar veröffentlicht in seinem Reiseblatt einen Aufsatz von Elise von Hopf- g arten mit dem Titel: „Zwischen Orient und Okzident", in dem die Verfasserin u. a. auch Palästina als Reiseland behandelt. Sie erwähnt in diesem Zusammenhange den Hafen von Haifa, den Carmel mit seinen Klöstern und Pilgern erbenden, die schwäbischen Templer, Jerusalem, Betle hem, das Tote Meer, die katholischen und evangelischen Werke und die deutschen Wohlfahrtsanstalten, die Omar-Moschee und vieles andere mehr. Das jüdische Palastina erscheint nur in einem Nebensatz, in dem erwähnt wird, daß die deutsche Siedlung Sarona „unweit der Großstadt Tel-Awiw" liegt. Schade, daß die Verfasserin bei ihrer Behandlung Palästinas ganz daran vergessen hat, daß dieses Land sowohl durch seine klassische Geschichte mit dem Judentum verbunden ist und zahlreiche Denkmäler von jüdischem Interesse aus dieser Zeit aufweist, die auch für die nicht- jüdischen Reisenden bedeutungsvoll sind, und daß sie auch Idar nicht bemerkte, daß das moderne Palästina seinen Stempel zu einem erheblichen Teil durch den jüdischen A ti f - b a u erhält. Das wäre auch für die Leser des „Berliner Tageblatts" sicher von Interesse gewesenl
Sven Hedin
Heute, am 19. Februar, wird Sven Hedin 70 Jahre alt.
Der Name Sven Hedin ist bei allen, die sich für ferne Länder interessieren, überaus populär. Seine Verdienste um die Erforschung unbekannter Erdstriche, um die geographische und geologische Wissenschaft sind unbestritten. Trotzdem ist Sven Hedin in seinem eigenen Vaterlande Schweden gelegentlich von politischen Gegnern angegriffen und bei dieser Gelegenheit als „J u d e" bezeichnet worden. Was hat es damit für eine Bewandtnis? Die Mutter Sven Hedins ist eine Urenkelin eines Juden namens Abraham Brodsky, der im 18. Jahrhundert nach Schweden einwanderte, sich dort taufen ließ und den Namen Berlin annahm. Sven Hedin ist also ein Sechzehntel-Jude. Trotz dieses relativ geringen Zusatzes von jüdischem Blut hat man dort, wo man ihn schädigen wollte, ihn als „Juden" bezeichnet, interessant ist in diesem Zusammenhange, daß gerade dieser Mann mit dem jüdischen Blutzusatz einer der wenigen prominenten Europäer war, der in einer Stunde der Not mit dem ganzen Gewicht seines Namens für Deutschland eintrat.
Sven Hedin ist mehrmals in Palästina gewesen und hat zu Kriegsende ein Buch „Jerusalem" veröffentlicht, das vor allem dem antiken Jerusalem und den religiösen Erinnerungen des Landes gewidmet ist. Seine Sympathien für den Zionismus hat er dadurch erkennen lassen, daß er ein späteres Palästina-Werk, das Bilderbuch „Palästina", herausgegeben von Georg Landauer (1925, im Verlag Meyer R: Jessen), mit einer Vorrede versah, in der er die Hoffnung ausspricht, daß Palästina „einer Renaissance von größter Bedeutung entgegengeht", und daß Palastina „wieder wie früher ein Zentrum der Kultur werden möge zu seinem eigenen Segen und zum Besten der ganzen Menschheit".
Wenn die gesamte Kulturwelt diesen Mann anläßlich seines 70. Geburtstages feiert, so soll auch die jüdische Stimme unter den Gratulanten nicht fehlen.
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Eine Reihe von Zuschriften aus dem Leserkreise macht uns darauf aufmerksam, daß in einigen Berliner Zeitungen Sven Hedin als „G ermane" bezeichnet worden ist. So z. B. wird in der „Berliner Börsenzeitung" vom 15. Februar ein an Sven Hedin gerichtetes überaus warmes Glückwunschschreiben des Kyffhäuser-Bundes veröffentlicht, worin es heißt: „Sie, Herr Sven Hedin, haben als Germane mit voller Sympathie auf Deutschlands Seite gestanden." In der „Berliner Morgenpost" vom 16. Februar wird betont, Sven Hedin sei „für sein« germanischen Brüder" eingetreten. -— In Anbetracht der bekannten Tatsache jüdischer Blutheimischung sind solche Aeußerungen ein Beitrag zur Problematik der Rassentheoric.
Zum Tode Julius Levins
Mit dem aus Elbing stammenden Arzt Julius Levirr, der vor kurzem dreiundsiebzigjährig in Berlin starb, ist eine Hebenswerte, verehrungswürdige, jüdische Persönlichkeit dahingegangen, deren Ruhm in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer geistigen Bedeutung stand. Erst in reiferen Jahren widmete er sich nach fruchtbarer medizinischer Forschertätigkeit ausschließlich künstlerischer Beschäftigung und war jahrzehntelang ein fleißiger, kluger und nobler Musik- und Kunstreferent angesehener deutscher Zeitungen. Er lebte »wh vor dem Kriege lange als Berichterstatter in Paris, war dort ein reger Kulturmittler und versuchte Verständnis und Versöhnung zwischen den künstlerisch Schaffenden beider Völker herbeizuführen, indem er in Frankreich begeistert deutsche Kunst und Musik propagierte, in Deutschland für Beschäftigung mit französischer Art warb. Nach dem Weltkriege lebte er in Berlin und hier entstanden seine Romane und Novellen, in denen sein typisch-jüdisches Mitgefühl mit allen Leidenden und Ringenden zum Ausdruck kommt, und in denen er die Welt, in der er aufwuchs, schilderte. Sein bestes Buch — ein Kunstwerk von bleibendem Wert! — ist der 1920 (bei S. Fischer erschienene), in einem deutsch-polnischen Land- städtchen spielende jüdische Gottsucher-Roman „Zweie und der liebe Gott". Das Trauerspiel eines jüdischen Fami- licuuntergangs wird hier auf einer anderen Ebene gestaltet, als es bisher schon öfters aufgezeigt wurde, nämlich auf der rein geistig-religiösen. Aber die ganz unaufdringliche, erschütternde „Tendenz" des tief-innerlichen und schwermütigen Buches ist doch auch gerade die Erkenntnis, daß der Jude eben nur in seinem richtig verstandenem und in die Wirklichkeit praktisch projizierten Judentum tröstenden Halt und Lebenskraft finden kann, und in kranken Zeitläuften zugrunde gehen muß, wenn er zwischen verschiedenen seelischen Zielstrebungen hin und her schwankt.
Levin war nicht nur als Arzt, Dichter, Journalist, Musikhistoriker und -theoretiker ein ungewöhnlicher Könner, sondern auch das diametrale Gegenteil eines Dilettanten als praktischer Musiker und — Kuristhandwerker. Er zeichnete sehr gut, war bis zum Auftreten eines Gehörleidens ein hervorragender Geiger, schrieb ein ausgezeichnetes, im besten Sinne des Wortes populäres Werk über Joh. Seb. Bach (Wegweiser-Verlag Berlin) und wandte sich schließlich, der nur-geistigen Beschäftigung müde, ganz der Streichlnstru- mcnten-Konstruktion zu. Lieber das unlösbare Geheimnis der alten italienischen Meistergeigen hat er viel nachgegrübelt; vergeblich suchte er dieses Ideal zu erreichen, — doch auch den vielen Cellos, Bratschen und Violinen, die er baute, wurde von ersten Kennern, wie z. B. Walther Schrenk und anderen, bestrickender Wohlklang und hohe Vollendung nachgerühmt.
Levin, ein immer stiller, bescheidener, ganz zuruckgC70?eir lebender Mensch, hatte etwas von der Vielseitigkeit der großen italienischen Renaissancekünstler. an sich. Volluaturen, wie er. sind in unserer heutigen spezialisierten und unharmonischen Zeit äußerst selten.
Der heute mit Recht so berühmte deutsche Dichter Hermann Stehr hat dem „alten Herrn Levin" in seiner Geigen- niacher-Novelle ein bleibendes Denkmal gesetzt C. D.
Im Zusammenhang mit verschiedentlich aufgetretenen Boykottfällen hat sich der Vorstand der Jüdischen Gemeinde an den Senat der Freien Stadt Danzig gewandt, um ihn unter Bezugnahme auf die wiederholten amtlichen Erklärungen des Senats über die freie Betätigung der jüdischen Gewerbetreibenden von den Boykottfällen in Kenntnis zu setzen. Die Eingabe enthält genaue Angaben über die beanstandeten Vorfalle. F.s wird beantragt, gegen den Boykort einzuschreiten Und Ermittlungen darüber anstellen zu lassen, von wem diese neue Boykottbewegung ausgeht.
Ein Jüdischer Kunsthandwerker. Im „Berliner Lokal-
anzeiger" vom 10. 2. erschien ein Aufsatz von Ludwig" Sternaux: „Was du ererbt...", der sich mit einer altert Goethe-Ausgabe beschäftigt. In diesem Aufsatz wird u. a. der Name des Buchbinders dieser Ausgabe „W. Colli"' K. K. Hofbuchbinder, Berlin, seinerzeit Berlins berühmtester " erwähnt. Collin, der seinerzeit einen sehr großen Ruf ge" noß und vom späteren Kaiser Friedrich als Kronprinz öfter besucht wurde, war ein jüdischer Kunsthandwerker.
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Durch Verfügung des Kölner Polizeipräsidenten im", einem Antrag der Stadtverwaltung entsprechend, im Vorort Köln-Lindenthal die Mendelasohnstraßc m I isztstraße, die Heinestraße in Corrcnsstrafk und dif Offen b'aehstraße in Brahmsstralle umbenannt worden.
Die italienische Regierung hat den Oberrabbiner van Alexandrien, Prof. David Prato, früher Rabbiner In Floren/, zum OroBoffizier des Ordens der Krone Italiens ernaw»-
