Nr. 12

Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern

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lung eines lebensechten, bildnerischen Ethos und den Aufbau ei­nes geistigen Gerüstes zu legen. Neben her pädagogisch-praktischen und pädagogisch-technischen Ausbildung ist ein ernstes sachliches Studium auf mindestens einem Gebiet erforderlich. Die pädago­gischen Akademien werden dieser Forderung nicht gerecht und be­deuten eine unglückliche Einengung. Die Universitäten werden die Aufgaben der Lehrerbildung übernehmen können, wenn sie nach der erziehungswissenschaftlichen Seite ausgebaut find. Die endgültige pädagogisch-praktische Ausbildung erfolgt in der Praxis selbst.

Ministerialdirektor Dr. Kühne behandeltDie Ausbildung der Berufsschullehrer".

Die Ausbildung der Philologen behandelt Oberstudiendirektor Dr. Vehrend (Berlin). Das Rückgrat dieser Ausbildung muß auch weiterhin das wissenschaftliche Studium auf der Universität fein. Doch ist frühzeitig das Studium der Erziehungswissenschaft mit dem Fachstudium zu verbinden, um das Verufsethos zu entwik- keln. Entsprechende Vorschläge werden unterbreitet. Für das Fach­studium ist stärkere Konzentration erforderlich. Im Mittelpunkt soll ein Hauptfach stehen, um das sich die verwandten Fächer grup­pieren. Die praktische Ausbildung soll auch künftig in die beiden Referendarjähre, die sich an das Studium anschließen, verlegt werden.

In der Diskussion tritt Professor Weidel (Elbing) für die päda­gogischen Akademien ein, die aus innerem Bedürfnis entstanden feien. Ihr Vorzug sei die Möglichkeit, eine weltanschaulich geschlos­sene Gemeinschaft zu bilden. Tews (Berlin) spricht dagegen und will die Konfessionalität der Akademien höchstens als notwendiges Übel, notwendig aus äußeren Einflüssen, gelten lassen. Einheitliche Ausbildung aller Lehrergattungen fordert er. Schärfer noch lehnt Barth (Leipzig) die konfessionelle Lehrerbildung ab. Studiendirek­tor Hoffmann (Erfurt) meint, die Universität sei nicht in der Lage, die Volksschullehrerbildung zu übernehmen. Dr. Jonas Cohn (Frei­burg) wünscht die Ausbildung der Volksschullehrer an der Univer­sität. Die konfessionell getrennte Lehrerbildung lehnt er unbedingt ab. Ähnlich äußert sich Dr. Gertrud Bäumer. In seinem Schluß­wort wendet sich Professor Dr. Deuchler nochmals scharf gegen die konfessionelle Trennung und besteht auf Hochschulausbildung der Volksfchullehrer.

Auch über die beiden letzten Vorträge setzte eine lebhafte De­batte ein. Im Anschluß an den Kongreß fanden Besichtungen der Waldschule, des Neubaues der Frauenschule, Führungen durch die Gemäldegalerie usw. statt. Die Kasseler Tagung wird wohl allen Teilnehmern in dauernder und angenehmer Erinnerung bleiben.

Neumann (Kassel).

Bericht über die Bezirkskonferenz Mürzburg im Jahre 1927 28. Die Konferenzen fanden regelmäßig, mit Ausnahme der Ferien, jeweils Montag nachmittags 4 1 /* Uhr im Seminar in einer minde­stens zweistündigen Dauer statt.

Es wurden folgende Themata behandelt, deren Auswahl nach dem Wunsch der Teilnehmer erfolgte:

a) lolntub:

Statarisch: Pesachim 24b ff. mit ausgewählten Tosafoth;

Kethuboth 29a ff. mit ausgewählten Tosafoth.

Hierbei wurde genaue Behandlung und Erarbeitung der hala- chischen Begriffe und Verttautheit mit den grundsätzlich-methodischen Fragen des Talmudstudiums angestrebt. Es wurde ferner beson­deres Augenmerk darauf gelegt, die Teilnehmer im selbständigen, gründlichen Studium der Gemara und dem Gebrauch ihrer Kom­mentare zu befestigen. Auf die modernen Hilfsmittel (wie Lexika, Krauß, Bacher, Arbeiten Wer die Hermeneuttk) wurde ständig hin­gewiesen und zum Teil ihre Benutzung gezeigt. An der Hand der Quellenlektüre wurde ferner bezweckt, in Skizzen eine Vorstellung von der Entwicklung der einzelnen halachischen Materie bis zum Schulchan Aruch zu vermitteln, mit dem Geist der halachischen Dogmattk und ihrer Probleme bekannt zu machen, die Methoden der talmudischen Lehrweise besonders die Hermeneutik und weiterhin die Enfftehung des Talmuds als Literaturwerk näher zu bringen. Die Stellung der einzelnen Tannaim und Amoraim im allgemeinen Rahmen der Geschichte der jüdischen Kultur, ebenso wie die der nachtalmudischen Autoritäten wurde besonders berücksichttgt. Im Anschluß an die sich ergebende Diskussion wurden auch mehrfach kleinere Partien der nachtalmudischen Literatur­geschichte behandelt. Aus gleichem Anlaß wurden die Teilnehmer

mehrfach mit dem zeitgenössischen Problem der talmudischen Lite­raturforschung bekannt gemacht.

b)Es wurden in Vortragsform an der Hand einer Lektüre der Quellen, besonders aus Talmud und Dezisoren, behandelt:

Die Geschichte der Pesach-Hagada.

Die Geschichte der Stammgebete für Rosch-Haschanah. e) In größeren Zeitabständen wurden jeweils Referate über die wichtigsten Neuerscheinungen der judaistischen Literatur aus den Fachzeitschriften gehalten. (Einzelne neuerschienene größere Werke wie z. B. Herford, Moore, Dubnow, wurden kritisch bettachtet und weiterhin im Hinblick auf ihre praktische Verwendung von seiten des Lehrers gewürdigt. Ebenso bildete das Responsumheft von Hoff­mann, Melamed lehoil, Jore Dea, und seine Bedeutung für die halachische Praxis den Besprechungsgegenstand mehrerer Konferen­zen.) Hierbei wurde vor allem beabsichtigt, bisweilen in ausführ­licheren Darlegungen, das Interesse für die verschiedenen Probleme der heutigen Wissenschaft des Judentums zu wecken und von den geistigen Strömungen des heutigen Judentums Kenntnis zu geben.

Ferner wurden folgende Vorträge vom Herrn Hauptlehrer Mann­heimer (Dettelbach) gehalten:

1. Der Dekalog nach den jüdischen Kommentaren und dem Mi­drasch (der Vortrag war gleichzeitig als Anleitung für die homiletische Behandlung des Themas von seiten des Lehrers gedacht).

2. Die Arten des Lernens.

Bezirkskonferenz Fürth. Die nächste Konferenz findet am 6. Ja­nuar 1929 in Fürth, Moststrahe 10, statt.

Tagesordnung

1. Moderne Literatur zur Gestaltung eines zeitgemäßen Religions­unterrichtes. Referent: Herr Direktor Dr. Elias.

2. Mifchna, Traktat Schabbos. Fortsetzung. (Referent: Herr Hauptlehrer Ellinger.)

3. Vereins- und Standesfragen.

Beginn der Konferenz präzis 14 Uhr. Die Teilnehmer werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Gäste willkommen.

Blumenthal.

Einzahlungen im Oktober-November 1928 Von Rosenstein, Schopfloch RM. 30.; Schwarzenberger, Bödig- heim 10.; Kahn, Westheim 30.; Liffgens, Rothenburg 15.; Edelstein, Sugenheim 16.; Mandelbaum, Würzburg 15.; Hön- lein, Höchberg 15.; Roberg, Höchberg 15.; Heß, Nürnberg 15.; Krämer Ansbach 10.; Neumann, Feuchtwangen 10.; Berlinger, Schlüchtern 10.; Gutmann, Ottensoos 6.; Adler B., Furch 30.; Rosenstiel, Mutterstadt 15.; Reiter, Gerolzhosen 15.; Levite, Gunzenhausen 15.; Stein, Regensburg 15.; Manes, Nürnberg 15.; Reinhold, Forchheim 30.; Ehrmann, Friedberg 10.; Wurzmann, Schlüchtern 10.: Steinberger, Kissingen 30.; Fraenkel, Nürnberg 30.; Heß, Miltenberg 15.; Erlebacher, Höch­berg 15.; Eschwege, Würzburg 30.; Frank, Fischach 30.; Nußbaum, Neumarkt 30.; Kissinger, Urspringen 7.50; Mann­heimer, Dettelbach 3.; Oppenheimer, Laudenbach 35.; Berendt, Veitshöchheim 15.; Heippert, Scheinfeld 15.; Haymann, Rodalben 30.; Strauß, Eichstätt 30.; Martin, Haßloch 15.; Rülf, Nürnberg 16.; Friedmann, Mainstockheim 15.; Kahn, Sulzbürg 15.; Laßmann, Westheim 10,; Oppenheimer, Bam­berg 15.; Strauß, Frankfurt 20.; Heimann, Augsburg 15.; Steinfeld, Augsburg 15.; Sonn Dav., Würzburg 30.; Oppen­heimer, Fürth 15.; Kissinger I., Frankenwinheim 7.50; Kissin­ger M., Frankenwinheim 7.50; Sonn, Fulda 20.; Adler, Nürn­berg 30.; Eisfeld, München 15.; Kissinger F., München 15.., Durch Dr. Bamberger, Nürnberg von Herrn Gg. Freudenstein, Frankfurt 50.; Rosenfeld, München 10.; durch denselben 93..

Trotz erfolgter Mahnung ist eine Anzahl von Kollegen mit der Beitragsleistung für 1928 noch immer im Rückstand. An die Säu­migen richte ich die dringende Mahnung ihre Schuld noch im Laufe des Monats zu begleichen. Wer nicht rechtzeitig zahlt schmälert die Beihilfen für unsere Witwen undWaisen. Würzburg, 2. Dezember 1928. M. Hellmann.

Notiz. Die Teilnehmer am Würzburger Fortbildungskurs treffen sich Sonntag, den 23. Dezember, abends 8 Uhr im HotelZur blauen Glocke" (Katzmann), am Vierröhrenbrunnen. Die be­stellten Zimmer werden imWürzburger Hof", Obere Iuliuspro- menade, reserviert.

Für den Inhalt derMitteilungen" verantwortlich: M. Rosenseld, München.