Zur jüdischen Altertumskunde.

Von S. Klein.

1. Das Fremdenhaus der Synagoge.

Dem hier behandelten Gegenstände ist bisher soweit mir bekannt kein seiner Bedeutung entsprechendes Kapitel in der jüdischen Altertumskunde eingeräumt worden. Man findet wohl hier und da bei neueren Forschern manche Andeutungen bezüglich unserer Frage, ohne jedoch auf das gesamte Material einzugehen.

S. Krauß äußert sich recht zweifelnd über diesen Punkt : 1 ,,Sicher ist es so schreibt er, daß die Synagoge, namentlich am Abend des Sabbateinganges, als Speiseraum diente und vielleicht auch ein förmliches Absteigequartier war für die Wanderer oder Zugereisten/' Weiter macht er die Bemerkung: ,,In diesem Belange können wir die Synagoge auch in dem Sinne als Ge- meindehaus bezeichnen, daß sie den Armen und Zugereisten ihren Unterhalt und vielleicht auch ihre Unterkunft bot." Als Beweis für diese mit zweifachem ,,vielleicht" begleitete These führt er ein Wort luvenals an, wonach ein Saufbold den Dichter gefragt habe: ,,Wo wohnst du? in welcher Proseuche kann ich dich suchen?"

Ganz anders lautet eine Bemerkung Deißmanns 2 : ,,Synagogen mit einem Khan sind auch sonst im Altertum belegt." Der Satz ist kurz und bündig; Beweise werden jedoch bedauer- licherweise nicht angeführt!

Das beste, was ich über unsere Frage in der neueren Literatur finde, ist wohl von K. Köhler gesagt worden 3 : ,,Es wird ganz allgemein angenommen, daß das Hospital eine christliche Einrichtung sei, und zwar wird Fabiola, eine reiche Römerin, als die reste Stifterin eines Krankenhauses in Rom und eines Fremdenhauses in Ostia . . . genannt, die beide unter dem Einfluß des heiligen Hieronymus zustande gekommen . . . Tatsache ist, daß Hieronymus selbst diese seine Freundin lob- preist, daß sie das Reis von der Terebinthe Abrahams an das

1 Synagogale Altertümer, S. 194.

2 Licht T 0 in Osten, 4. Aufl., S. 379, Anm. 5. Es wird dort die Theodotos-Inschrift (s. weiter bei uns § 3) besprochen.

3 ,,Zum Kapitel der jüdischen Wohltätigkeitspflege in Berlinei- Festschrift, S. 195 ff.; die Zitate finden sich S. 201 f.

Monatsschrift, 76. Jahrgang

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