Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg.
Nach meist ungedruckten Quellen von Prof. I)r. Jos. L. Saalschutz.
Die Zeiten der Synagoge auf der Schloßfreiheit.
!Fortsetzung.,
Die Mischung der Charaktere unter den Israeliten war zu allen Zeiten dieselbe, wie bei allen übrigen Böllern und Ge- meinschaften der Erde. Es gab unter jenen viele edle und hoch- herzige Männer, ja in der Kraft der Duldung und Ueberzeu- gung, wie in der Unverwüstlichkeit ihrer Liebe bewnndernswerthe Naturen, neben diesen aber auch kleinliche und erbärmliche. Die letzter« aber waren hier, nach Maßgabe der besondern Verhält- nisse, dem Gemeinwesen schädlicher als irgendwo. Ein derart!- ges Subject fand sich auch in Königsberg ein, ein gewisser Hirsch Lewkowitz, 'der sich für einen CommissariuS der königlich schwedischen Truppen ausgab und Vorschläge in Hinsicht neuer, für den Staat einträglicherer Normen und Erschwerungen bei der Zulassung von Juden in Preußen machte. Er ließ sich dar- über unter dem 8. Juli 1705 protokollarisch vernehmen, worauf seine Depositionen dem Könige (Friedrich I.) vorgelegt wurden. Er hatte indeß kein anderes Ziel vor Augen, als sich in Kö- nigsberg heimisch zu machen und auf Kosten seiner Glaubens- genossen Vortheile zu erringen. Glücklicherweise') kam die Sache
t) Denn wie gefährlich ein Rütteln an den noch so wenig befestigten Verhältnissen werden konnte, ergibt stch aus dem Umstande, daß man auch andererseits den König aufzureizen und zur Ausweisung sämmliicher Israe- liten zu bewegen bemüht war. So beriefen sich die Stände wieder auf da- Gebet Al«׳au, und das vereinigt« Bedenken der Stände vom 18. März 1704 Menarlschrif«. VII. *. 15
