470 Die Philosophie der Juden.

risirt. Alles, was geschieht, beziehen sie ׳unmittelbar auf Gott, für sie gibt es keine mittelbaren Ursachen, der gött- liehe Wille ist es, der Alles bewirkt. Nichts ist einfacher, als diese vorgefasste Meinung der Propheten. Wer sucht denn in der That die nächsten Ursachen der Dinge und bemühet sich, sie zu erklären, sei es durch die Naturge- setze, sei es durch die Leidenschaften, Launen oder Wün- sehe der Menschen? Wer thut dies? Die Vernunft.. Die Einbildungskraft findet diesen Weg zu abgelegen. Be- troffen, geblendet durch eine grosse Erscheinung, will sie darin nur eine einzige Ursache sehen, die Hand des Alb mächtigen. ״Gott redet, ruft der Psalmist aus, ״und es erhebt sich ein Sturmwind,׳ der die Wellen aufregt (Ps. 129, 3). Hier ist ein natürliches Phänomen durch den göttlichen Willen erklärt. An anderen Stellen bezieht die Einbildungskraft des Propheten irgend ein geschichtliches Ereigniss, einen Sieg, eine Niederlage, einen feindlichen Einfall unmittelbar auf einen Befehl,Gottes: ״Ich habe meine Helden berufen, um meinen Zorn auszuführen (Jesaias 13, 13), und im Jeremias : , Ich werde gegen Ba- bylon Barbaren schicken, die es zerstören sollen.

Mit vollkommener Ruhe führt. Maimonides alle diese Metapher auf ihren vernunftgemässen Sinn, und alle diese Wunder auf natürliche Ereignisse zurück. Manchmal möchte man sogar auf den Lippen des unerschütterlich festen Lehrers das * Lächeln ׳ der Ungläubigkeit spielen sehen, z. B. wenn es sich um das Wunder- des Jona han- delt: ״Und der Ewige, sagt die Schrift, sprach zum Fische (Jonas 2, 2); wozu Maimonides bemerkt, dass die nächste Ursache, die den Wallfisch veranlasste, den Jona zu ver- schlingen, nicht Gott ist, sondern ganz einfach der Hun- ger; ״denn, fügt er hinzu, die Bibel meint nicht, dass der Fisch das Wort Gottes gehört, dass Gott den Fisch zum Propheten gemacht und sich ihm geoffenbart habe 1 ).

Maimonides fasst dieses ganze exegetische 'System in folgenden kräftigen Worten zusammen, welche er an seinen geliebten Schüler richtet: ״Trenne und unterscheide

t). Daselbst p. II, pag. 365.