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Besprechungen .
wiederum die Ansicht Hommel ’ s , dass ״ die Sprache der Aramäer zu
Jacobs Zeit ( 18 . Jahrh . v . Cbr . ) sicher nur ein arabischer Dialekt war ״
und dass überhaupt sich Aramäisch und Arabisch sehr nahe standen .
Sodann wird auch die Annahme , wonach das Aramäische als primär
gegenüber dem Arabischen zu halten wäre , widerlegt . — Endlich werden
( p . 109 — 121 ) diejenigen Ansichten besprochen , nach welchen das Ara -
maische oder das Hebräische die ältesten unter den altsemitischen
Sprachen wären . Für beide Ansichten finden sich auch agadische Aus -
sprüche in der talmudischen Litteratur ־ ( vgl , z . B . Gen . rabba zu 2 , 28 :
ד פנחס ור׳ חלקיה בשם ר׳ סימון אמרי בשם שניתנה תורה בלה״ק כך נברא
העולם בלה״ק ; daun Sanhedrin 38b : ' אדם הראשון בלשון ארמי סיפר ופו ) ,
aber die erstere wurde nicht nur von hebräischen Autoren , wie Abul -
walid , Jehuda Hallevi u . s . w . , sondern auch vonBuxtorf u . A . geteilt ,
und die andere Ansicht wird yon Freytag , Ewald u . A . vertreten .
Wie ist nun die Entwickelung und das gegenseitige Verhältnis
der semitischen Sprachen zu bestimmen ? Dazu bemerkt der Verfasser
zunächst in seinem Schluss ( p . 122 — 126 ) , dass schon in der semitischen
Ursprache Keime dialektischer Verschiedenheiten vorausgesetzt werden
müssen , und dass dadurch Parallelentwickelungen in den verschiedenen
Sprachen entstehen konnten . So lautet das Pronomen ״ ich “ gleich im
Hebräischen und Assyrischen ( s . ob, ) und ־ trotzdem endet die erste Person
sing . perf . im Assyriseli - Babyl . und Aethiopischen auf ku ( kasdakti resp .
qatalkü ) , im Hebr . dagegen auf ti ( פעלתי־ ) , also wie izn Arab . ( qataltu )
und Aramäischen ( הטלת ) ♦ Andere Uebereinstimniungen wiederum sind
infolge ^ geographischer Nähe oder politischer Gemeinschaft oder dgl . ent -
standen . Das Verhältniss nun , in dem die Hauptäste des semitischen
Sprach Stammes zu diesem stehen , glaubt König auf Grund seiner Be -
obaehtungen über das gegenseitige Verhältnis der altsemitischen Haupt -
sprachen , von dem oben die Rede war , folgendermassen eharakterisiren
zu können :
Die Semiten strömten ( von wo aus ? ) in mindestens zwei Fluten
südwärts ; eine Abteilung rückte mehr östlich am Tigris ( und Euphrat )
südwärts und hier entstand das assyrisch - babylonische Semitisch . Die
andere Abteilung ist mehr westlich nach Süden gezogen , und das sind
die aramäischen und arabischen Stämme . Die Phönicier und Hebräer
aber schoben sich von den Sitzen der ersten Abteilung in die der
zweiten . An der Berührungslinie von Aramäisch und Phönicisch
bildete sich die Sprache der Zengirli - Inschriften ( s . oben ) , und an das
assyrisch - babylonische Semitisch grenzen weiter südwärts die südara -
bischen Sprachen ( u . A . Aethiopisch ) und lassen die Wellen des öst -
licheren und des westlicheren Stromes sich mischec . Das Altarabische ist
aber daher die relativ ächtest © Ausprägung des Altsemitischen geblieben ,
weil es ״ in der arabischen Halbinsel , die lange Jahrhunderte vom Bran -
den der Völkerwellen verschont blieb , eine stille Bucht gefunden hat “ .
Ein Register der citirten Bibelstellen ( p . 127 — 128 ) beschliesst
diese kleine , anregende Schrift , die neues Zeugnis ablegt von dem im -
mensen Wissen und dem ausserordentlichen Scharfsinn ihres ! * ruchbaren
Verfassers .
Warschau , den 13 . Deeember 1901 . Samuel Poznanski .
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Für die Redaction verantwortlich : Dr . M . Brann , Breslau .
Druck von Adolf Alkalay & Solin , Pressburg .