Julius Goldstein
zeigt, ist erweislich aus seinen persönlichen Beziehungen zu männlichen und weiblichen Vertretern des damaligen Judentums. Fichte schreibt an seine Braut über Dorothea Veit: „Ich bin es der Veitin und Dir schuldig, Dir diese Frau dringend zu empfehlen. Das Lob einer Jüdin mag aus meinem Munde besonders klingen, aber diese Frau hat mir den Glauben, daß aus dieser Nation nichts Gutes kommen könne, benommen. Sie hat ungemein viel Geist und Kenntnisse, bei wenig oder eigentlich keinem äußeren Glänze, völlige Prätensions- losigkeit und viel Gutherzigkeit Man gewinnt sie allmählich lieb, aber dann von Herzen. Ich hoffe, Ihr werdet Freundinnen werden." (Sept 1799-)
Fichte hat eine Zeitschrift 1800 herausgeben wollen. In einem Brief an Schelling vom i3. 9. 1800 schreibt er: „Ich habe den Plan so wenig aufgegeben, daß ich sogar mit Friedrich Schlegeln und der Veitin bestimmt davon geredet, die hiesigen reichen jüdischen Handelshäuser als Veit, Levi, zu Unternehmern der Sache zu machen; daß die Veitin vermutlich an Veit darüber geschrieben, wie sie versprochen, daß Veit zu mir kommen solle, indem ich nicht lange vor diesen Tagen noch durch Friedrich Schlegel gefragt wurde, ob ich Veit noch nicht kenne."
Fichte schätzt Salomon Maimon und wünscht ihn zur Mitarbeit für seine philosophische Zeilschrift Ich gebe zwei Briefstellen. Maimon schreibt an Fichte am 16. 10. i794 : »»Ihr Schreiben vom 3o. 9. war mir höchst angenehm. Die Freundschaftsversicherung eines Mannes von solchem Scharfsinn und systematischem Geiste ist mir sehr schätzbar . . . Sie fragen mich: ob ich nicht Lust hätte, Mitarbeiter einer allgemeinen Literaturzeitung zu zu sein?" Aus einem Briefe Fichtes an Reinhold im Jahre 1795: „Gegen Maimons Talent ist meine Achtung grenzenlos; ich glaube fest, und ich bin erbötig es zu erweisen, daß durch ihn sogar die ganze kantische Philosophie, sowie sie durchgängig und auch von Ihnen verstanden worden ist, von Grund aus umgestoßen worden ist Das alles hat er getan ohne daß es jemand merkt, und indes man von seiner Höhe auf ihn herabsieht Ich denke, die künftigen Jahrhunderte werden unser spotten." —
Es ließe sich noch mancherlei zu dem Thema sagen. Das Bisherige genügt aber, um die Behauptung der Deutsch-Völkischen zu entkräften, Fichte sei einer der ihren. Selten ist ein Denker schlimmer zu politischen Tageszwecken
*) Ich zitiere nach der zweibändigen neuen kritischen Gesamtausgabe von Hans Schulz: I. G. Fichte, Briefwechsel, Leipzig igaö.
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